Rheinisches Missionswerk

Mit starken Worten und großen Gesten begeisterte Konrad Beikircher seine Zuhörer im bis auf den letzten Platz gefüllten Heimhof-Theater.  Foto: hel
  • Mit starken Worten und großen Gesten begeisterte Konrad Beikircher seine Zuhörer im bis auf den letzten Platz gefüllten Heimhof-Theater. Foto: hel
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hel Wasserscheide. „Wat habt ihr hier für ein Juwelchen“, lobte Konrad Beikircher, der nach Würgendorf angereist war, um den zehnten Teil seiner rheinischen Trilogie dem Publikum im ausverkauften Musentempel zu präsentieren, dem Heimhof-Theater. Dass im Rheinland eine Trilogie zehn Teile haben kann, begründete der quirlige Kabarettist mit den Besonderheiten der Region: „Da tickt vieles anders.“

Über den rheinisch-katholischen Glauben, das Bekenntnis, in seiner Jugend im katholischen Seminar nicht begrapscht worden zu sein („vielleicht war ich nicht hübsch genug“), und die Erkenntnis, dass bei ihm in den kargen protestantischen Kirchen kein wirklicher Glauben aufkommen könne, kam Beikircher bei seinem Missionswerk auf der rechtsrheinischen Wasserscheide mächtig ins Plaudern. Mehrere Erzählstränge zugleich schienen sich in seinem Dialektuniversum zu verirren, fanden letztlich aber doch in treffsicheren Pointen ihren Abschluss.

Alles wahre Geschichten – natürlich etwas bühnengerecht frisiert, trug der „melaten-blonde“ Jungsenior (Melaten ist der größte Kölner Friedhof) Beikircher vor, die natürlich mit sprachlichen Anmerkungen gewürzt wurden. Warum Wörter wie Bredouille, Revolution oder Guillotine für die rheinischen Artikulationswerkzeuge geglättet wurden, begründete er mit der Tatsache, dass der Rheinländer kein U kennt: „Dafür muss man das halbe Gesicht nach vorne strecken, und das macht nun mal Falten.“

Für Lachfalten sorgte der gebürtige Südtiroler aus Bonn-Schweinsberg mit blutigen „Revelotions-Dönekens“ und Urologen-Dialogen. Wie man die Kultur des Wasserlassens pflegt? Wie ein Rheinländer auf ein Alpenpanorama reagiert? „Wenn de mich fragst, das is mir zu eng mit die Berge.“ Oder er überlegt, wie es wäre, wenn sie bei ihm vor der Haustür lägen: „Wo stellen wir sie hin?“

Bei Beikirchers kurioser Zwischenbilanz aus der rheinischen Wirklichkeit blieb über zwei Stunden lang kein Auge trocken. Schließlich liebt der Rheinländer das Absurde. Anders kann man sich Köln nicht erklären. Verständlicher war da schon Beikirchers Definition von Heimat: „Das Beste ist, du bist zu Hause und kannst von da aus, wohin du willst.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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