»Seien wir kreativ – Lamentationen will keiner hören«

Sängertag des Sängerkreises Siegerland fand in der Hickengrundhalle in Niederdresselndorf statt / Ilka Haas zur 2. Vorsitzenden gewählt

aww Niederdresselndorf. Es war Hermann Otto förmlich anzusehen, dass ihm ein großer Stein vom Herzen plumpste: Endlich konnte das Amt der 2. Vorsitzenden des Sängerkreises Siegerland (SKS) wieder mit Leben gefüllt werden, nachdem der Posten zuvor zwei Jahre lang vakant gewesen war. Wie schon beim Kreissängertag im Vorjahr, bat Hermann Otto auch diesmal inständig um freiwillige Meldungen. Als die nicht kamen, half der engagierte Vorsitzende, dem sein Sängerkreis spürbar eine Herzensangelegenheit ist, selbst ein bisschen nach und suchte sich zwei »Freiwillige«. Nachdem die erste spontan abgewimmelt hatte, war die zweite an der Reihe – und die wimmelte nicht ab. Sicher war Ilka Haas (Gemischte Chor Eintracht Buchen-Sohlbach) ein wenig überrumpelt, aber wie es schien, nahm sie die einstimmige Wahl doch gerne an.

77 von 105 stimmberechtigten Delegierten waren am Samstagnachmittag in der Niederdresselndorfer Hickengrundhalle zum Kreissängertag zusammengekommen. Und sie hatten noch mehr zu wählen. Neu im Vorstand ist künftig auch die 2. Geschäftsführerin (für ein Jahr), Sabine Görg. Ihre Wahl in das ebenfalls zuvor nicht besetzte Amt fiel einstimmig aus – wie auch die Stimmabgaben für alle weiteren Ämter. Als Nachfolger von Kassenprüfer Gerhard Schmitt wurde Bernhard Jüngst bestellt. In ihren Ämtern bestätigt wurden Marianne Görg als 1. Geschäftsführerin und Karola Bäumer als Vertreterin für die Frauen im Chor. Nachdem Gerhard Schmitt Kassierer Horst Stark glänzende Arbeit bei der Buchführung bescheinigt hatte, wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt.

Wo ein Sängertag (diesmal ausgerichtet vom Singkreis Hickengrund) stattfindet, da wird auch gesungen: So erfreuten der Gemischte Chor Concordia Gilsbach unter der Leitung von Ralf Schmidt sowie der Männerchor Mozart Niederdresselndorf und der Frauensingkreis Wilgersdorf (beide geleitet von Matthias Fischer) mit einigen gelungenen Beiträgen die zahlreichen Gäste.

In seiner von Weitsicht geprägten Begrüßungsrede sprach Hermann Otto zentrale Punkte für das Chorwesen der Zukunft an: Den Politikern auf NRW-Landesebene rief er zu, sich »vehement gegen die 90-prozentige Kürzung der Haushaltsmittel für die Laienmusik im ganzen Lande zu wehren«. An alle Anwesenden richtete Otto den Appell, gemeinsam dafür zu kämpfen, dass eine solch drastische Kürzung nicht wieder vorkomme und dass die Finanzmittel ab 2004 wieder in den Haushalt eingestellt würden. Auch das Thema Nachwuchsförderung liegt Otto am Herzen: »Kindgerechtes Singen – das wird die Zukunft sein.« Und: »Ohne Kinder nichts los, ohne Kinder keine Zukunft – das muss in jeden Chor hineingetragen werden.« Konkret führte der Vorsitzende das Konzept »Liedergarten NRW – Singen in Familien, Singen in Kindergärten und Schulen, Singen auf Freizeiten« an, das bis Mitte des Jahres allen Chören vorgestellt werden solle.

Doch sucht Hermann Otto das Heil nicht im Nachwuchs allein: »Gründen wir zusätzlich ,Seniorenchöre’. Ich bin mir sicher, dass unsere älteren Menschen dieses Freizeitangebot gerne aufnehmen würden.« Der Sängerkreis-Vorsitzende ist ein Mann der Tat, und so mahnte er: »Seien wir kreativ. Lamentieren wir nicht – das will keiner hören.«

Burbachs Bürgermeister Hermann-Josef Droege nahm in seinem Grußwort Bezug auf die Themen Ottos und gab seiner Ansicht Ausdruck, dass im Bereich der musikalischen Ausbildung von Kindern beziehungweise der Nachwuchsförderung sicher noch »der eine oder andere Akzent« gesetzt werden müsse.

Hinsichtlich der angedachten Mittelkürzungen für das Chorwesen meinte Droege, dass sich »die so genannte Laienmusik nach meinem Empfinden nicht heftig genug in der Öffentlichkeit zur Wehr gesetzt hat gegen die Kürzungen«. Die kulturpolitische Diskussion, so Droege, müsse von den singenden, kulturtreibenden Vereinen aggressiver geführt werden: »Ich denke, dass wir gemeinsam die Stimme erheben müssen – sonst ist vielleicht ganz schnell der Bart ab.«

Landrat Jürgen Althaus wünschte den heimischen Chören, dass sie das bleiben mögen, »was sie seit Jahren und Jahrzehnten sind: leistungsstarke Repräsentanten der heimischen Chormusik, anerkannte Werbeträger für unsere Region, ein Hort des Frohsinns.« Althaus sparte aber auch das bestimmende Thema dieser Tage nicht aus, indem er an die Opfer des Irak-Kriegs erinnerte und die Anwesenden aufrief, gemeinsam zu hoffen und zu beten, dass der Krieg ein baldiges Ende finden und es doch noch zu einer fried- lichen Lösung kommen möge.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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