Swing it, Professor!

Beate Kiupel und Patrick James O’Connell im Heimhof

sib Wasserscheide. »Kommen Sie rein, Herr Professor, nehmen Sie Platz am Piano. Swing it, Professor«, bat Krankenschwester Betty ihren Patienten, den einstigen Stummfilm-Kolporteur Jerome, der im Alter in einer Reha-Klinik gelandet ist und dort von der goldenen Ära des Stummfilms träumt und auch nur noch davon spricht. Eingebettet in diese Rahmenhandlung konnten die Zuschauer im Saal zwei Stunden wunderschöner Filmmelodien genießen.

Diese ganz besondere, träumerische Inszenierung war am Sonntag im Heimhof-Theater zu sehen. Der Kulturkreis »Um die Wasserscheide« präsentierte das Nordtour Theater-Medien-Ensemble mit »Der Film hat mir sein Lied erzählt – 100 Jahre Film und Musik«. Den musikalisch-theatralischen Abend gestalteten Beate Kiupel (Ohnsorg-Theater) als »Nurse Betty« und Patrick James O’Connell (Scarlattis Revenge / Pat & John).

Unsterbliche Melodien des Stummfilmzeitalters, aber auch aus der Kinozeit danach, seit 1927, als der 1. Tonfilm »The Jazz Singer« die Filmkunst revolutionierte, versetzte die leider nur etwa 30 Besucher in dem Theater in nostalgische Stimmung. Von der feschen Lola, dem Liebling der Saison aus dem Klassiker »Der Blaue Engel«, über Stücke aus »Große Freiheit Nummer 7« bis »Somewhere over the rainbow« aus dem »Zauberer von Oz« reichte die Spannbreite, die die beiden Mimen mit den beachtlichen Stimmen präsentierten, allesamt Stücke mit Lieblingsmusik-Charakter. Im null Komma nichts gelang es den beiden Darstellern, das Publikum mitzunehmen auf diese schwärmerische Zeitreise, denn schließlich: Was wäre »Casablanca« ohne »As time goes by« oder »Titanic« ohne »My heart will go on«?

In Rückblicken, Träumen und Szenen, angelehnt an die Untermalung von Stummfilmen mit dramatischer Klaviermusik und Szeneneinblendungen, gelang ein gefühlvoller Abriss der Musikgeschichte zum Film, gezeichnet von heiter bis wolkig. Besonders heftigen Applaus gab es dabei für die »Hello Dolly«-Vertonung von Jerome, der sich selbst am Klavier dazu begleitete. Überhaupt machte er als englischer Gentleman, mit allen dazugehörigen alters- und abstammungsbedingten Marotten, eine umwerfend einnehmende Figur.

Dem stand auch seine »Betreuerin« in nichts nach, die sich augenscheinlich in der Nachahmung »der Dietrich« wie auch als Tänzerin und Sängerin in »A chorus line« gleichermaßen wohl fühlte und freilich auch entsprechend bei Stimme war. Wie schade nur, dass dieser Hommage an die größten Filmmusiken aus der Traumfabrik und von anderswo nur so wenige Zuschauer vergönnt waren.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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