»Verkrustete Strukturen öffnen«

Nach 28 Jahren »CDU-Regierung« in Burbach:

SPD-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Kasper setzt auf Personenwahl/Neue Ideen

dibi Burbach. Das Votum der Burbacher SPD-Mitgliederversammlung war eindeutig: Einstimmig sprachen sich die Sozialdemokraten am Montag für Wolfgang Kasper als Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Burbach aus (SZ berichtete). Gestern nun stellten der stellv. Gemeindeverbandsvorsitzende Albert Diehl, Fraktionschef Hermann Schäfer und Kreistagsmitglied Ottmar Gontermann »ihren« Hoffnungsträger für die Wahl am 15. Juni der Presse vor. Von Beginn an, so Schäfer, habe man eine Person gesucht, die Burbach nicht nur als »Sprungbrett oder Zwischenstation« nutze, in Burbach verwurzelt sei und über Erfahrungen aus der Wirtschaft verfüge. Denn mit dem Beigeordneten Karl-Hermann Schmidt habe man ja bereits einen Verwaltungsfachmann im Rathaus.

Wolfgang Kasper ergänzte: »Man ist auf mich zugekommen. Nach reiflicher Überlegung mit meiner Frau Ricarda und den drei Kindern habe ich mich entschlossen, diese neue Herausforderung anzunehmen.« Hermann Schäfer sieht eine gute Chance, nach 28 Jahren »CDU-Regierung in Burbach wieder einen SPD-Bürgermeister zu stellen«.

Darauf hofft auch Diplom-Ingenieur Wolfgang Kasper. Da es sich durch den vorgezogenen Termin um eine von den Kommunalwahlen losgelöste reine Personenwahl handele, komme es nun darauf an, die persönliche Kompetenz den Wählern näher zu bringen und gegen die vielerorts spürbare Politikverdrossenheit anzukämpfen.

Als brennendstes Problem steht die Verbesserung der Finanzlage für den Bürgermeisterkandidaten auf dem Programm. Wichtig sei für in auch, die gute Arbeit von Rat und Verwaltung transparenter zu machen. Gerade in den jüngsten Gesprächen bezüglich der Freibadsanierung sei ihm aufgefallen, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Abläufe der Arbeit nicht richtig kennen. Daher müsse alles getan werden, dass die Bevölkerung wieder mehr Vertrauen in die Politik setze. Dazu bedürfe es regelmäßiger Sprechstunden. Und die wolle er im Falle seiner Wahl dann – unterstützt von den Fachleuten aus dem Rathaus – auch in allen Dörfern anbieten.

Defizite in der Infrastruktur

Defizite sieht der 54-jährige Produktionsleiter in Sachen Infrastruktur: »Burbach liegt strukturell gegenüber vergleichbaren Gemeinden zehn Jahre zurück.« Das Gewerbegebiet gegenüber der Würgendorfer Ortslage sei seines Erachtens auch wegen des Naturschutzausgleichs nicht mehr finanzierbar. Die SPD halte daher an ihrem laut Hermann Schäfer bereits 1999 gestellten Antrag fest, alternativ den Fichtenbestand an B54 und Lützelner Straße auf der Lipper Höhe als neues Gewerbe- und Industriegebiet zu erschließen. Dies, so Ottmar Gontermann, stärke nicht zuletzt auch den Flughafen.

Die aktuelle Diskussion um den Fortbestand der Siegerlandkaserne wollte Kasper gestern nicht durch weitere Spekulationen anheizen. Als ehemaligem Offizier seien ihm die Vorgänge bestens bekannt. Solche Entscheidungen würden in der Regel aus rein taktischen Gründen gefällt. Die wirtschaftliche Bedeutung vor Ort spiele für die Entscheidungsträger im Verteidigungsministerium zumeist keine große Rolle. Daher unterstütze die SPD den gemeinsamen Vorstoß der heimischen Bundestagsabgeordneten. Der jüngste »Alleingang« von CDU-Landratskandidat Paul Breuer sei in diesem Zusammenhang wenig hilfreich. Für die SPD stehe fest: »Wir wollen den Standort Burbach erhalten!« Daher hoffe man nun auf die von Verteidigungsminister Peter Struck zugesagte Sonderprüfung.

Langfristig aus der Schuldenfalle führen

Mit Blick auf die Finanz- und Verwaltungsreform möchte der SPD-Kandidat seine Erfahrungen aus der Wirtschaft einbringen: »Nach einem Kassensturz muss ein langfristiges Finanzierungskonzept erstellt werden. Dass die daraus resultierenden Maßnahmen Begeisterung hervorrufen, erwarte ich nicht. Trotzdem werde ich mich dieser Aufgabe stellen, um Burbach langfristig aus der Schuldenfalle zu führen.« Schließlich sei Burbach Ende 2002 mit über 34 Mill. Euro die höchst verschuldete Gemeinde in vergleichbarer Größe in NRW gewesen.

Seine Kandidatur sieht der gebürtige Wittlicher, der sich nach eigenem Bekunden seit 1981 in Burbach sehr wohl fühlt, als eine »Chance, verkrustete Strukturen in der Verwaltung aufzubrechen, neue Ideen einzubringen zum Wohle der ganzen Gemeinde«. Dabei wolle er stärker auf Teamarbeit und Eigeninitiative der Rathausmannschaft setzen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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