Von der Säge zum 270-Tonnenkran

Zum Jubiläum Tag der offenen Tür bei Dornseiff Autokrane:

Kurt Dornseiff legte 1951 den Grundstein für eine Erfolgsstory / Heute 106 Mitarbeiter

Würgendorf. Ein halbes Jahrhundert ist ins Land gegangen, seit Kurt Dornseiff den Grundstein für ein Unternehmen legte, dessen heutige Ausmaße er sich anno 1951 wohl selbst in den kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können. Der Burbacher Jungunternehmer hatte sich zunächst auf das Holzschneiden spezialisiert. Doch schon bald erkannte er, dass es nicht alleine mit dem Sägen getan war. Die Kundschaft wollte das Brennholz am liebsten frei Haus geliefert haben. Also gründete Kurt Dornseiff schon wenige Monate später gleich auch noch ein Fuhrunternehmen. Zunächst im Nebenerwerb. Bis 1955 ging er noch einer Tätigkeit bei der Firma Robert Thomas nach. Willi Sturm und Albert Schöppner unterstützten ihn als erste Mitarbeiter. Die Auftragsbücher füllten sich.

Bald reichten Traktor und Anhänger nicht mehr aus. Ein Lastwagen musste her. Jetzt wurde der Platz an der Gambach knapp. Also baute man in den 60er Jahren in der Steinhardtsiedlung eine Halle. Der Fuhrpark wuchs. Rohre für das Röhrenwerk Kritzler in Holzhausen wurden transportiert. Zum Beladen rückte dann die Firma Schweitzer aus Siegen im Hickengrund mit einem Autokran an. Bis Dornseiff sich sagte: »Dass kann ich doch auch selbst!« Ende der 60er Jahre stand der erste Kran auf dem Hof. Eine Anschaffung mit unternehmerischem Weitblick. Denn der Bau der Sauerlandlinie mit ihren vielen Brücken bescherte dem Unternehmen reichlich Arbeit.

1982 Großbrand in Würgendorf

Schon bald erwies sich auch der Burbacher Standort zu klein. Da kam Kurt Dornseiff das Areal des ehemaligen Bauunternehmens Theis in Würgendorf gerade recht. Hier erlebte er auch aufregende Stunden. 1982 standen die ehemaligen RAD-Gebäude in hellen Flammen. Ein technischer Defekt war der Auslöser für einen der größten Einsätze der heimischen Feuerwehren. Glück im Unglück: Die Hallen standen leer, ein direkt davor geparkter Kran konnte ebenso wie weitere Fahrzeuge rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Firmengründer verstarb 1988

Nach dem plötzlichen Tod des 58-jährigen Firmengründers übernahmen 1988 seine Frau Brigitte sowie die Söhne Thomas Höchst und Wolfgang Dornseiff die Firmenleitung. Sie fuhren nahtlos weiter in der vom Vater gelegten Erfolgsspur. 1991 erweiterte man die Aktivitäten um die Arbeitsbühnen-Vermietung in Form einer eigenständigen Gesellschaft. Drei Jahre später übernahmen sie den Mitbewerber Schuco Autokrane in Olpe. 1997 wurde eine Unternehmensgruppe mit der Schweitzer Autokran GmbH Siegen und der Karl Daum GmbH Herborn gebildet. Seit dem Jahr 2000 befinden sich alle fünf Firmen unter dem Dach einer gemeinsamen Holding.

Der Erfolg liegt in der Gruppe

»Der Markt wird immer härter. Wir haben als bundesweit eines der ersten Unternehmen unserer Branche die Bildung einer Gruppe gewagt. Ziel war die Senkung von Kosten, indem wir Synergien aller Firmen effektiv nutzen«, so erklärten die beiden Geschäftsführer jetzt im Gespräch mit der SZ. Nur so, ergänzt der Kaufmännische Betriebsleiter in der Firmenzentrale Würgendorf, Stefan Klaas, »können wir uns langfristig auf diesem Markt erfolgreich behaupten«.

Der Markt, dass sind für die inzwischen 106 Mitarbeiter vor allem die Baubranche und die Industrie. Auftraggeber rekrutiert man hauptsächlich vor Ort im Dreiländereck. »Wir sind bundesweit, aber auch im benachbarten Ausland für unsere heimischen Kunden im Einsatz«, erklären Höchst und Dornseiff. Für den Bau von z.B. einem Hochregallager wird ein Kran samt Besatzung schon einmal für mehrere Monate für SSI Schäfer in der Fremde stationiert.

45 Kranwagen – 15 Lastzüge – 80 Bühnen

Der hochmoderne Fuhrpark ist für nahezu alle Fälle – vom kompletten Fachwerkhaus über riesige Betonteile bis zu Windkraftanlagen – gerüstet. 15 Lastzüge wickeln Schwertransporte ab. 45 Krane heben, was das Zeug hält – Traglasten von 30 bis 270 Tonnen! 80 Arbeitsbühnen hieven Arbeiter sicher bis zu 35 m über den Erdboden. Stapler heben bis zu 25 to. Und gerät einmal ein Brummi außer Kontrolle, dann rückt Dornseiff mit schwerem Bergungs- und Abschleppgerät an. Was nicht selten der Fall ist. Residiert man doch nur wenige Kilometer von der Gefahrenstelle Kalteiche entfernt.

Ein Dank an die Bevölkerung

Weil folglich »schweres Fahrgerät« auch den Autofahrern im Dreiländereck schon einmal das Überholen erschwert, Nerven wie die sprichwörtlichen Drahtseile am Ausleger voraus abverlangt, lädt das Unternehmen am kommenden Sanstag von 11 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür nach Würgendorf ein. »Wir haben uns einige Überraschungen einfallen lassen«, erklären die Chefs. So kann man die Technik eines 270-to-Krans (2,6 Mill. DM teuer) ebenso erkunden wie das eigene Geschick bei Wettbewerben (Hebebühne fahren, Kran steuern) oder einfach einmal Würgendorf aus 80 m Höhe am Haken eines Krans (natürlich im sicheren Korb) genießen. Auf die kleineren Gäste warten auch einige »Leckerbissen«. Für das leibliche Wohl sorgt der VfB Burbach.

Pro Jahr über 1 Million Liter Diesel

Ein runder Geburtstag ist natürlich auch Anlass für einen Ausblick. »Wir sind ein wichtiger Partner der Industrie, bieten z.B. Umzüge schwerer Maschinen aus einer Hand. Vom Abbau über den Transport bis zum Aufbau und der Inbetriebnahme«, erklärt Thomas Höchst. Und Wolfgang Dornseiff ergänzt: »Der Kunde kann aus unseren kompletten Kapazitäten schöpfen. Alle vier Standorte sind vernetzt, damit wir unsere Ressourcen optimal und schnell einsetzen können.« Kurze Wege sind auch bei den schweren Fahrzeugen ein Kostenfaktor. Über 1 Million Liter Diesel ziehen sich die Motoren jährlich rein. Da will jede Preiserhöhung an der Zapfsäule kalkuliert sein. Denn auf die Kunden könne man die nicht abwälzen. Also muss auch zur Kostensenkung modernste Technik her. Höchst: »Verbrauchte ein 60-Tonner vor zehn Jahren noch 120 Liter, kommt er heute mit der Hälfte aus.« Trotzdem ist man natürlich froh, wenn Baustellen vor der Haustür für Auslastung sorgen. Beispielsweise die Haigertalbrücke. Dort hat man zeitweise gleich mehrere Wagen im Einsatz.

dibi

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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