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Wegen Holzmangel am Bau
Wirtschaftsminister will auch gesunde Fichten fällen

So wie hier in Wilnsdorf sieht es derzeit vielerorts aus. Durch den Borkenkäferbefall mussten riesige Felder Fichten abgeholzt werden.
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  • So wie hier in Wilnsdorf sieht es derzeit vielerorts aus. Durch den Borkenkäferbefall mussten riesige Felder Fichten abgeholzt werden.
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tip Burbach. Hohe Preise und wenig Material: Auf dem Bau mangelt es zurzeit an Holz. Der Bundeswirtschaftsminister will dem entgegenwirken. Dazu schlägt Peter Altmaier (CDU) vor, wieder mehr Fichten zu fällen – und zwar auch die gesunden. Eine aktuell gültige Beschränkung für den Einschlag von Fichtenholz soll „schnellstmöglich“ rückgängig gemacht machen, heißt es in einem Papier aus dem Wirtschaftsministerium. Ein Vorschlag, der nicht nur hierzulande scharf kritisiert wird. Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers: „Das ist das völlig falsche Signal. Der Vorstoß ist wirkungslos und gefährlich.“

Ewers kommt vom Fach. Der Diplom-Forstwirt ist stellvertretendes Präsidiumsmitglied im deutschen Forstwirtschaftsrat.

tip Burbach. Hohe Preise und wenig Material: Auf dem Bau mangelt es zurzeit an Holz. Der Bundeswirtschaftsminister will dem entgegenwirken. Dazu schlägt Peter Altmaier (CDU) vor, wieder mehr Fichten zu fällen – und zwar auch die gesunden. Eine aktuell gültige Beschränkung für den Einschlag von Fichtenholz soll „schnellstmöglich“ rückgängig gemacht machen, heißt es in einem Papier aus dem Wirtschaftsministerium. Ein Vorschlag, der nicht nur hierzulande scharf kritisiert wird. Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers: „Das ist das völlig falsche Signal. Der Vorstoß ist wirkungslos und gefährlich.“

Ewers kommt vom Fach. Der Diplom-Forstwirt ist stellvertretendes Präsidiumsmitglied im deutschen Forstwirtschaftsrat. Er meint: „So ein Vorschlag kann nur ohne Kenntnis der vorliegenden Schäden entstanden sein – und auch ohne Kenntnis, was noch kommen wird.“

"Was aktuell noch grün und gesund erscheint,
ist schon wieder befallen."

Christoph Ewers
Bürgermeister Burbach

Denn: Trotz des verhältnismäßig langen Winters und nassen Frühjahrs sei der Borkenkäfer längst wieder zurück. „Was aktuell noch grün und gesund erscheint, ist schon wieder befallen“, sagt Ewers. Die Folge: Es wird wieder vermehrt Schadholz auf den Markt kommen. Und das in einer Phase, in der sich der Preis, gerade wieder angefangen hatte zu regulieren.

Käfer-Holz wird zum Ladenhüter

Das Käfer-Holz wird aber vermutlich zum Ladenhüter werden, wenn nun auch wieder Frischholz auf den Markt kommt. „Leider“, findet der Burbacher Bürgermeister, der auch Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW ist. „Denn qualitativ ist das Schadholz vor allem im nicht sichtbaren Bereich, also etwa in Dachstühlen, genau so gut wie Holz von gesunden Fichten.“

Gesunde Fichten wird es aber laut Ewers ohnehin künftig so gut wie keine mehr geben. „Man muss aufgrund des Käferbefalls jetzt schon wieder massiv einschlagen. Allerdings bin ich pessimistisch, ob man überhaupt noch viel retten kann. Meine Prognose ist: Die Fichte wird komplett aus unserem Naturbild verschwinden.“ Für Burbach würde das konkret bedeuten, dass von 5000 Hektar Wald auf Gemeindegebiet etwa 2500 Hektar vernichtet werden müssten – das ist umgerechnet eine Fläche von 3500 Fußballfeldern.

Waldbauern müssen Dumpingpreise fürchten

Wer profitiert davon? Die Waldbauern jedenfalls nicht. Ewers: „Wenn der Vorschlag aus dem Bundeswirtschaftsministerium durchgeht, müssen die Waldbauern wieder Dumpingpreise fürchten.“ Stattdessen dürften sich vor allem Sägewerke über weiter volle Auftragsbücher freuen. „Und das Holz geht dann in die USA und nach China. Das ist auch klimapolitisch höchst fragwürdig“, findet der Diplom-Forstwirt. Die mahnenden Stimmen der Forstverbände seien, so Ewers, „im vielstimmigen Chor der Industrielobbyisten untergegangen“.

Das vom Borkenkäfer befallene Holz, das sog. Schadholz, ist mittlerweile knapp geworden.
  • Das vom Borkenkäfer befallene Holz, das sog. Schadholz, ist mittlerweile knapp geworden.
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Von 29 Personen, die an einem Videocall mit Peter Altmaier zu dem Thema Forstschädenausgleichsgesetz teilgenommen haben, hätten 28 davon Wirtschaftsbereiche vertreten, die in den vergangenen drei Jahren gute Zahlen geschrieben hätten. „Sehr viele deutsche Waldbesitzer haben in diesem Zeitraum ihre gesamte Existenz verloren“, wird Georg Schirmbeck, der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, in einem Brief an das Bundeswirtschaftsministerium deutlich. Das Schreiben liegt der SZ vor. Darin heißt es unter anderem: „In den marktbeherrschenden großen Sägewerken haben internationale Kapitalgeber mit amerikanischen Anwaltsfabriken das Sagen. Ihr jetzt vorgelegtes Maßnahmenpapier beweist doch: Im Zweifel warme Worte für die Forstwirtschaft und materielle Maßnahmen für die Holzindustrie.“

Ministerpräsidenten stehen hinter Wirtschaftsminister

Ewers hat das Schreiben an den heimischen Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein (CDU) weitergeleitet, verbunden mit der dringenden Bitte der Intervention. „Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass der Zug abgefahren ist. Peter Altmaier hat die Ministerpräsidenten ziemlich geschlossen hinter sich. Das ist nur noch sehr schwer zu stoppen“, denkt der Burbacher Bürgermeister.

Das Aus für die eigentlich für einen Ausgleich sorgende Einschlagsreduktion wird schwerwiegende Folgen haben. Vielleicht für ganze Generationen. „Denn das Ende der Fichte bedeutet ja gleichzeitig auch, dass wir gigantische Flächen wiederaufforsten müssen“, erläutert Ewers. Die heimischen Waldbauern werden dies allerdings angesichts des nun drohenden Preisverfalls nicht finanzieren können.

So wie hier in Wilnsdorf sieht es derzeit vielerorts aus. Durch den Borkenkäferbefall mussten riesige Felder Fichten abgeholzt werden.
Das vom Borkenkäfer befallene Holz, das sog. Schadholz, ist mittlerweile knapp geworden.
Autor:

Tim Plachner

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