SZ

800 Jahre Burbach - achter Streifzug
Wohin wir gehen

Superintendent Peter-Thomas Stuberg mit Louisa (M.) und Anna Hoffmann. Foto: roh

roh Burbach. Herkunft, das war bisher Thema von sieben Streifzügen durch 800 Jahre Burbacher Geschichte. Ankunft in der Gegenwart, das war am Donnerstag bei der achten Auflage in der ev. Kirche. Zukunft, darum ging es also. Dabei wurde erstmals ein Zeitabschnitt betrachtet, den man nicht mit realen Fakten und Zahlen füllen konnte. „Es gibt Vermutungen und Hoffnungen, es gibt Ängste und Sorgen und auch Prognosen“, wie es Moderator Volker Gürke auf den Punkt brachte. Von daher hätte die Frage „Wohin wollen wir gehen“ in einer globalisierten, vernetzten und gehetzten Welt vermutlich besser zum Zukunftsblick des Abends gepasst.

roh Burbach. Herkunft, das war bisher Thema von sieben Streifzügen durch 800 Jahre Burbacher Geschichte. Ankunft in der Gegenwart, das war am Donnerstag bei der achten Auflage in der ev. Kirche. Zukunft, darum ging es also. Dabei wurde erstmals ein Zeitabschnitt betrachtet, den man nicht mit realen Fakten und Zahlen füllen konnte. „Es gibt Vermutungen und Hoffnungen, es gibt Ängste und Sorgen und auch Prognosen“, wie es Moderator Volker Gürke auf den Punkt brachte. Von daher hätte die Frage „Wohin wollen wir gehen“ in einer globalisierten, vernetzten und gehetzten Welt vermutlich besser zum Zukunftsblick des Abends gepasst.

Es wurden Bilder gezeigt, untermalt von Gerhard Weller an der Gitarre, aus dem Buch „Die Welt in 100 Jahren“ des Journalisten Arthur Bremer und der gänzlich anderen Wirklichkeit entgegen gestellt. Und ein Blick des amerikanischen Physikers Michiko Kaku („Unser Leben in 100 Jahren“) präsentiert, wobei unter anderem Fragestellungen aufkamen, wie: „Ist der Mensch der Zukunft unsterblich ?“ oder „Ist ewiges Leben wünschenswert ?“

Superintendent interviewt Jugendliche

Der Referent des Abends war Superintendent Peter-Thomas Stuberg. Er fragte und trug vor. In einem Interview mit den Hoffmann-Zwillingen Anna und Luisa, beide 17 Jahre jung, Redakteurinnen des Jugendmagazins „Wir sind Burbach“, das anlässlich des Jubiläums als Ergänzung zum Festbuch erschien, rollte Stuberg das Thema auf.

Generation "Y" tragende Säule

Die beiden jungen Frauen der „Generation Y“ werden Teil einer Altersgruppe sein, die tragende Säulen der Zukunftsfähigkeit das Jubiläumsortes werden. „Wir sind wie all die anderen. Wir engagieren uns nur mehr in verschiedensten Vereinen. Jugendliche, die gar nichts machen, die gibt es nicht“, stellten sie sich vor. Stuberg hakte nach: „Was würdet ihr euch für Burbach wünschen, wenn ihr euch in eine Zeitmaschine setzt und zehn Jahre nach vorne blickt ?“ Ihre spontanen Antworten fielen heimatverbunden aus: „Hoffentlich sind wir dann noch hier und nicht vom Studium her weg. Wir würden uns wünschen, dass die Vielfalt der Angebote für alle Generationen erhalten bleibt. Dass es die Feste wie Weihnachtsmarkt und Museumsfest noch gibt und man dort weiter ins Gespräch kommen kann!“

Natürlich wollte der Superintendent auch wissen: „Welche Erwartungen habt ihr an die Kirchengemeinde?“ „Wir gehen schon mal in den Gottesdienst“, so das Duo. Besondere Formate wie „Church Night“ wären toll – „wir finden sie interessanter, und ähnlich sehen das auch andere Jugendliche; wir wollen selber mehr mitmachen könnten“.

Peter- Thomas Stuberg versuchte in seinen Betrachtungen das „Wohin wir gehen“ aufzuspüren, den Menschen ins Herz zu schauen, ohne Hellseher zu sein. Er zitierte die Passage aus dem Lied von Adel Tawil „Zu Hause ist da, wo deine Freunde sind“ und den Titel eines Buches von Ottfried Fischer: „Heimat ist da, wo dir die Todesanzeigen was sagen“.

"Der soziale Raum ist ein Schatz"

Denn die Zukunft liege für Stuberg im Miteinander, „da, wo man mit Menschen eine gemeinsame Wegstrecke geht, wo man aneinander Anteil nimmt und es Ehrensache ist, beim verstorbenen Nachbarn mit der Beerdigung mit zu gehen, wo man merkt, wenn einer fehlt. Der soziale Raum ist ein Schatz! Die berufliche Okkupation in Schleuderpositionen mit Wochenendbeziehungen ist eigentlich nicht gewollt“, so Stuberg und ergänzte für Burbach: „Der Ort ist in seiner demografischen Entwicklung stabil geblieben, sicherlich auch, weil es viele Arbeitsplätze gibt. Allerdings sind auch hier die Effekte der Digitalisierung und Klimaentwicklung nicht absehbar.“

Differenziertes Bild der Jugend

Der Superintendent zitierte ausführlich die aktuelle Shell-Jugendstudie 2019 und konnte das negative Bild von Jugendlichen, welches heute unter Erwachsenen oft vorherrscht in vielen Bereichen entkräften. Dazu einige Höhepunkte: Jugendliche werden politischer, wollen nachhaltiger leben, sind optimistisch eingestellt, setzen auf traditionelle Werte (Familie, Freunde ...) und haben Respekt vor der Vielfalt. Allerdings haben sie eine Populismusaffinität. 70 Prozent finden gut, dass es die Kirche gibt. 39 Prozent der Katholiken, 24 Prozent der Evangelen und 73 Prozent der Muslime bewerten einen persönlichen Glauben als wichtig. Den traditionellen Medien trauen sie mehr als den sozialen. Ein Drittel der Befragten will für andere tätig sein, viele aber auch gar nicht.

Welt "zum Leuchten" bringen

„Das sind gute Voraussetzungen, dass die Welt zum Leuchten kommt“, sagte Stuberg. Für den Superintendenten kristallisierten sich drei Perspektiven für das „Wohin wir gehen“ heraus. Als erstes entdecken wir einen Schatz im kommunalen Lebensraum (Kirche, Natur, ...) – „wir gehen überall hin, denn wenn wir nicht hingehen, wer soll dann hingehen!“ Als zweiten Schatz erblickte Stuberg unsere Gemeinschaft, in der es kein „anonymes Versauern“ geben dürfe. Und schließlich ist für ihn der Glauben in Gott geborgen zu sein, einen zu haben, der in den vielen Zitterpartien des Lebens da ist, der in 800 Jahren Geschichte von Burbach über Generationen die Menschen geprägt hat, der dritte Schatz. Einer, der auch unbedingt an die nachwachsende Generation weitervermittelt werden sollte.

Die Glaubensperspektive unterfütterte der Projektchor „800“ mit Band unter der Leitung von Friedhelm Schneider musikalisch in seinen Liedern, ein wenig traditionell, aber auch als Gospelrock mit starken Aussagen in ihren Titeln wie „Christus unsere Hoffnung“, „You filled my heart“ oder „Du bist mein Fels und meine Burg“ und endete in dem Titel „Von Angesicht zu Angesicht“, weil Christen eben doch wüssten „wohin wir gehen“.

Autor:

Rolf Henrichs (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen