Biologische Station hofft auf Millionenbetrag
Zielflug auf den Fördertopf

Der Rotmilan ist eine der fünf Vogelarten, die im Rahmen des Projektes im Fokus stehen. Dazu komplettiert der Blauschillernde Feuerfalter als einziger Schmetterling die Zielarten. Foto: Dirk Manderbach
  • Der Rotmilan ist eine der fünf Vogelarten, die im Rahmen des Projektes im Fokus stehen. Dazu komplettiert der Blauschillernde Feuerfalter als einziger Schmetterling die Zielarten. Foto: Dirk Manderbach
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Burbach/Neunkirchen. Ein Projekt in dieser Größenordnung hat es für die Biologische Station des Kreises Siegen-Wittgenstein noch nicht gegeben. Zumindest nicht in finanzieller Hinsicht. Für das EU-Vogelschutzgebiet „Wälder und Wiesen bei Burbach und Neunkirchen“ bereiten die wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras und ihr Team gerade einen Antrag im Rahmen des „Life“-Programms in der Kategorie „Nature“ vor. Dabei geht es um eine Fördersumme in einstelliger Millionenhöhe für sechs Jahre. In der vergangenen Woche wurde eine erste Projektbeschreibung („Skizze“) eingereicht. Darin werden die Habitate, Arten und Maßnahmen definiert.

Sechs Zielarten im Fokus

Im Fokus des geplanten Projekts stehen sechs besonders geschützte Arten: neben den Vogelarten Braunkehlchen, Rotmilan, Grau-, Mittel- und Schwarzspecht auch der Blauschillernde Feuerfalter als einziger Schmetterling im Bunde. Das Projektgebiet umfasst nahezu die gesamte Fläche der beiden Großgemeinden Burbach und Neunkirchen – insgesamt rund 4600 Hektar. Innerhalb dieses Gebiets sind nicht nur 27 Naturschutzgebiete, sondern auch sieben „Natura 2000“-Flächen, besser bekannt als FFH-Gebiete (abgeleitet von der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie) verzeichnet.
Gerade Letztere könnten für das Ansinnen der Biologischen Station ein Glücksfall sein, da hier mit einer besonderen Schutzqualität gewuchert werden kann. „Wir können zeigen, dass wie eine hohe Bedeutung der Arten haben“, erklärt Mantilla-Contreras. FFH-Arten seien eben etwas Besonderes. Der Blauschillernde Feuerfalter beispielsweise sei nur in der Eifel und an einigen Stellen im Kreisgebiet zu finden. Auch die Braunkehlchen sind eine gefährdete Art, deren Population seit den 1960er-Jahren bundesweit stetig abnehme.
Ziel der geplanten Maßnahmen sei die Habitatverbesserung. Diese müsse nicht erst zum Ende der Förderung, also nach sechs Jahren, sondern während des Prozesses nachgewiesen werden, so die wissenschaftliche Leiterin. Für die einzelnen Arten werden keine konkreten Zielvorgaben gemacht. Natürlich solle es nach der Projektzeit mehr Brutpaare geben. Aber beim Rotmilan zum Beispiel wären zwei bis drei Brutpaare mehr bereits beachtlich. Der Erfolg der Maßnahmen definiert sich also nicht über die Masse.

Lebensräume Wald und Wiesen

Ganz bewusst stütze man das Projekt auf zwei Säulen: nämlich die Lebensräume Wiesen und Wald. Das spiegle schon die Definition der Zielarten wider: Braunkehlchen und Feuerfalter sein ganz klar die Offenland-Zielarten, Mittel- und Schwarzspecht die Wald-Zielarten. Rotmilan und Grauspecht seien darüber hinaus als „Übergangsarten“ zu betrachten, die in beiden Lebensräumen zu Hause seien.
Für die angestrebten Habitatverbesserungen wird das Rad nicht neu erfunden. Eher setzt die Biologische Station auf bewährte Methoden. Im Zuge des Vertragsnaturschutzes mit Landwirten, der im Kreisgebiet bereits großräumig und erfolgreich betrieben wird, gebe es schon vergleichsweise viele extensive Grünflächen, also Wiesen und Weiden, die der Mensch äußerst zurückhaltend bewirtschaftet (z. B. durch eine späte Mahd). Diese Flächen wolle man ausbauen, kündigt Mantilla-Contreras an. Mögliche Fördermittel könnten in die Vorbereitung oder Ausgestaltung entsprechender Verträge fließen.

Kulturlandschaften erhalten

Auch eine Etablierung von Brachestadien stünden auf der Agenda, verrät die promovierte Biologin. Diese seien für manche Arten besonders förderlich. Wechselbrachen gehörten daher zum Konzept. Entsprechende Entschädigungen für die Landwirte könnten ebenfalls aus dem avisierten EU-Topf bezahlt werden.
Im Wald soll – keine große Überraschung – die Durchmischung vorangetrieben werden. Weg von den Monokulturen, den großen Nadelwaldbeständen, hin zu mehr Laubbäumen.
Diese Maßnahme könnte im Borkenkäfer einen unverhofften „Verbündeten“ gefunden haben. Seine zuletzt weite Verbreitung (und die durch ihn entstandenen erheblichen Schäden) führen vielerorts zu einem Umdenken hinsichtlich der Bepflanzung und Bewirtschaftung der heimischen Wälder.
Obwohl nur eine Handvoll Zielarten definiert werden, würde das Projekt natürlich weit mehr Arten zugute kommen, so Mantilla-Contreras. Und eben nicht nur Tieren. Auch verschiedene Lebensraumtypen würden davon profitieren: Pfeifengraswiesen, Übergangs- und Schwingrasenmoore, Schlucht- und Hangmischwälder – um nur einige zu nennen.

Neue Konfliktlinien?

Veränderungen rechtlicher Art stünden bei einer Umsetzung des Projekts nicht zu befürchten, gibt Mantilla-Contreras auf Nachfrage Entwarnung. Da es nicht darum gehe, eine neue Schutzqualität über das gesamte Gebiet zu legen, behielten alle bestehenden Richtlinien ihr Gültigkeit.
Gleichwohl kann bei einem entsprechenden Erfolg (Ausweitung vorhandener oder Etablierung neuer Habitate, Vermehrung und Verbreitung der Arten) wohl auch nicht ausgeschlossen werden, dass es in Einzelfällen zu neuen Konfliktlinien kommen kann: Stichwort Bauanträge. Aber das ist Kaffeesatzleserei.
Spätestens im Oktober weiß die Biologische Station, ob sie die nächste der zweistufigen EU-Antragsphase erreicht hat. Sollte es so sein – Jasmin Mantilla-Contreras ist da zuversichtlich –, bliebe bis Februar 2020 Zeit, den umfangreicheren Antrag zu stellen. Im folgenden Sommer wäre dann klar, ob das Kreisgebiet in den Genuss der „Life“-Förderung kommt. Wenn ja, würde das Projekt im Oktober 2020 starten und bis September 2026 dauern.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.