Piano Solo
Aaron Pilsan brilliert

Aaron Pilsan gastierte zum zweiten Mal in der Kreisstadt Olpe.
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  • Aaron Pilsan gastierte zum zweiten Mal in der Kreisstadt Olpe.
  • Foto: Philipp Weber
  • hochgeladen von Peter Helmes (Redakteur)

pjw Olpe. Heißhunger auf Live-Musik wurde bei vielen Piano-Solo-Fans am Freitagabend in der Olper Stadthalle gestillt, nachdem nach mehrmonatiger Corona-bedingter Zwangspause wieder das erste Konzert in der Konzertreihe erklingen konnte. Pianist Aaron Pilsan gastierte zum zweiten Mal in der Kreisstadt und hatte u. a. mit einem Werk von George Enescu durchaus Ungewöhnliches im Gepäck.

Sichtlich erfreut über den Start der Reihe war auch Organisator Klaus Droste, der das Publikum begrüßte, bevor Aaron Pilsan auf dem Bösendorfer Flügel mit der Sonate a-Moll D 784 von Franz Schubert leise und andächtig zu spielen begann. Die dynamischen Extreme und die Behandlung der Themen waren bestechend. Mit ihrer Tiefe und ihrem Ernst weist diese Sonate aus Schuberts mittlerer Schaffensphase bereits auf die späten Sonaten voraus.
Atemberaubender Tastenzauber
Wie anders dagegen die folgende Rumänische Rhapsodie A-Dur op. 11 Nr. 1 von George Enescu! Der rumänische Komponist ist das, was beispielweise Bartók für Ungarn oder Dvorák für Tschechien ist. Enescus Rhapsodie sprüht vor volksliedhaften Elementen und einem folkloristischen Klangkolorit. Die virtuosen Passagen dieses selten zu hörenden Stückes springen allenthalben ins Ohr. Pilsan hat einen besonderen Bezug zu dieser rumänischen Musik, hat er doch selbst familiäre Wurzeln dort. Das ist schon große Akrobatik, die es braucht, um auf dem Flügel diese Rhapsodie zu spielen: ein Feuerwerk und Tastenzauber,  gespickt mit atemberaubenden Läufen, kraftvoll und zupackend.

Nach einer kurzen Pause ging es dann sehr viel zurückhaltender, nahezu intim weiter. Robert Schumann, dessen Leben Phasen voller Glück und heiterer Fröhlichkeit genauso enthielt wie Zeiträume voller Angstzustände bis hin zu langjährigen depressiven Phasen, schrieb seine Arabeske op. 18 C-Dur in der Zeit, als er von seiner Freundin Clara Wieck wieder einmal getrennt lebte, was ihn immer wieder – bis zu seiner Heirat 1840 – äußerst schmerzlich traf. Pilsan wählte für die Arabeske ein ganz leichtes und seichtes Spiel, introvertiert-melancholisch, kaum aufbrausend, oft ornamental gestaltet.

Perfektion und Fingerfertigkeit

Reich an Ornamentik, orchestralen Farben und musikalischem Überschwang sind die zwölf symphonischen Etüden op. 13 von Schumann – eines der gewichtigsten Werke der Klavierliteratur des 19. Jahrhunderts. In einer Mischung aus purer Romantik und zahlreichen Reminiszenzen an barocke Musik und Technik schuf Schumann hier ein Werk, in dem jede Variation zwar für sich steht, bei dem es aber gilt, den großen Bogen nicht aus den Augen zu verlieren. Aaron Pilsan gelang dies in hoher Perfektion, mit technischem Können und großartiger Fingerfertigkeit. Auf der anderen Seite: Pilsans Interpretation. Jede Variation wohl ausgefeilt, differenziert und transparent – ob es die langsamen Etüden VIII oder XI waren oder die markanten, rasanten Etüden VI oder XI. Allein der Live-Hörgenuss vermag die Gesamtheit und Geschlossenheit des Werks wiederzugeben, brillant vorgetragen von Aaron Pilsan.

Mit drei barocken Zugaben verabschiedete sich der Pianist vom Publikum und versprach, mit einem neuen Programm wiederzukommen.

Aaron Pilsan gastierte zum zweiten Mal in der Kreisstadt Olpe.
Aaron Pilsan brillierte am Piano.
Autor:

Redaktion Kultur

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