SZ

Martin Schürholz übersetzt Steintór Rasmussen
Inselkrimis aus dem Nordmeer

Immer noch zufrieden mit der eigenen Arbeit: Martin Schürholz, Färöisch-Übersetzer aus Leidenschaft und im Hobby-Status, blättert in den bereits erschienenen Bänden des färöischen Autors Steintór Rasmussen.
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  • Immer noch zufrieden mit der eigenen Arbeit: Martin Schürholz, Färöisch-Übersetzer aus Leidenschaft und im Hobby-Status, blättert in den bereits erschienenen Bänden des färöischen Autors Steintór Rasmussen.
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

pebe Rüblinghausen. Färöer? Da schauen manche Menschen so irritiert wie die Schafe, denen die 18 Inseln auf halbem Weg zwischen Island und Norwegen vermutlich ihren Namen verdanken. Sehr bekannt ist die kleine Inselgruppe im Nordmeer auf dem Kontinent nicht – aber einer begibt sich daran, genau dies zu ändern: Martin Schürholz aus dem Olper Stadtteil Rüblinghausen, der einer ausgesprochen seltenen Freizeitbeschäftigung nachgeht. Er übersetzt Krimis aus der Landessprache der Inseln, dem Färöischen. Und will das kühle, grüne Inselreich im Atlantik bei uns bekannter machen – und damit auch den Autor Steintór Rasmussen.
"Eigentlich bin ich Norwegen-Fan"Wieder irritierte Blicke: Wen? Und: Wie kommt man denn auf so etwas? Genau das wollte die SZ von Martin Schürholz wissen.

pebe Rüblinghausen. Färöer? Da schauen manche Menschen so irritiert wie die Schafe, denen die 18 Inseln auf halbem Weg zwischen Island und Norwegen vermutlich ihren Namen verdanken. Sehr bekannt ist die kleine Inselgruppe im Nordmeer auf dem Kontinent nicht – aber einer begibt sich daran, genau dies zu ändern: Martin Schürholz aus dem Olper Stadtteil Rüblinghausen, der einer ausgesprochen seltenen Freizeitbeschäftigung nachgeht. Er übersetzt Krimis aus der Landessprache der Inseln, dem Färöischen. Und will das kühle, grüne Inselreich im Atlantik bei uns bekannter machen – und damit auch den Autor Steintór Rasmussen.

"Eigentlich bin ich Norwegen-Fan"

Wieder irritierte Blicke: Wen? Und: Wie kommt man denn auf so etwas? Genau das wollte die SZ von Martin Schürholz wissen. „Eigentlich“, sagt der 55-Jährige lächelnd, „bin ich Norwegen-Fan.“ Er habe sich schon in der Schule für Nordeuropa interessiert, und nach einer Norwegenreise als Jugendlicher 1981 stand für ihn fest: „Da will ich wieder hin.“ Das setzte er, so erzählt er weiter, konsequent in die Tat um. Als junger Mann reiste er mehrfach allein in das nordische Land. „Da musste ich Leute kennen lernen, um mich verständlich zu machen.“ Zwar sprächen die Norweger gut Englisch, aber „ich wollte zu Hause norwegische Zeitungen lesen und Radio hören“. Damals gab es „einen Mittelwellensender, den habe ich gehört“ – wegen der Aussprache. Grammatik und Wortschatz lernte er aus der Zeitung. Heute spricht er Norwegisch fließend.

Ab 2013 war "Färöer-Zeit"

1989 besuchte er dann erstmals dieFäröer, ohne zu ahnen, wie eng er ihnen später verbunden sein würde. Denn das geschah erst 2013. Da überredete er Arbeitskollegen, zum WM-Qualifikationsspiel Färöer gegen Deutschland auf die Inseln zu fliegen. Die Tickets, erzählt er schmunzelnd, besorgte er auf unkonventionelle Weise via Facebook: Er schrieb eine ihm völlig unbekannte Frau auf den Färöern an und bat sie um ihre Hilfe. Die bekamen die fünf Reisenden postwendend: Die Lehrerin stand am Zielort vor dem Stadion, mitsamt den Tickets. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser! „Wir sind sogar in ihre Familie zum Essen eingeladen worden und später gute Freunde geworden“, so Schürholz weiter (trotz der Niederlage der Insel-Fußballer). Danach brach die „Färöer-Zeit“ an, Reisen dorthin mit der Familie und das unbedingte Bedürfnis, auch diese inselnordische Sprache zu lernen, die mit dem Isländischen verwandt ist.

Färöisch ist kompliziert

Keine leichte Aufgabe für den Rüblinghauser, denn, „Färöisch ist kompliziert, die Grammatik deutlich schwieriger als beim Norwegischen“. Selbststudium war nötig. Mit entwaffnender Ehrlichkeit gibt Schürholz zu: „Ich kann es nach wie vor nicht richtig sprechen.“ Aber er wollte „lesen und verstehen“ – und er hat es geschafft. Dank einer färöischen Netzzeitung, die er abonniert hat.

Handschlag mit Steintór Rasmussen

Und nun kommt – endlich! – Steintór Rasmussen ins Spiel. Denn dessen erster Krimi – im Deutschen „Hass stirbt nie“ – wurde in der färöischen Netzzeitung beworben. „Ich fragte mich, ob der wohl zu verstehen wäre.“ Schürholz bestellte das Buch, „und es ging! Zwar langsam, aber es ging, und der Krimi gefiel mir gut.“ Das schrieb er Rasmussen auf dessen Facebook-Account. Der heute 60-jährige Schriftsteller, in seinem Land auch ein gefeierter Musiker, reagierte höflich, mehr auch nicht. Aber Schürholz ließ nicht nach. Der zweite Band (deutsch später „Rache aus der Tiefe des Meeres“) erschien, wieder ging ein Kommentar Richtung Nordmeer – „und da hat er reagiert und wollte mich treffen“.
Zufälligerweise fuhr die Familie weniger Wochen später auf die Inseln, es kam zum Treffen, „und Steintór fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, seine Bücher zu übersetzen und in Deutschland einen Verlag zu suchen. Dabei kannte er mich doch gar nicht“. Schürholz erbat sich Bedenkzeit. An deren Ende stand ein formloser Vertrag: per Handschlag.

Es geht auch um den "Sound" eines Romans

Nach und nach erst wurde dem Rüblinghauser klar, worauf er sich da eingelassen hatte. Er begann gewissermaßen als blutiger Anfänger (das passt ja zum Krimi) die Übersetzung, das Wörterbuch dicht dabei, manchmal schwitzend – „da muss man Sätze komplett umstellen“ –, aber er schaffte als Neuling, was das Ziel einerguten Übersetzung ist: Nicht nur den
Inhalt, sondern auch den „Sound“ und die Eigenarten des Schriftstellers zu übertragen. Wie konnte Rasmussen, der kein Deutsch spricht, denn die Qualität überprüfen? Eine Verwandte des Krimiautors spreche Deutsch, antwortet Schürholz, ihr habe der Autor einige Seiten geschickt, und sie habe keine Einwände gehabt.
„Seine Bücher sind nicht so actionlastig“, erklärt der Übersetzer, man lerne viel über die Färinger (also die Bewohner der Inseln), ihre Mentalität, ihre Eigenheiten, die Sozialstruktur und die Inseln selbst. Hauptfiguren bislang sind sechs Freundinnen, die sich in einem der auf den Färöern noch weit verbreiteten Strick-Clubs treffen und in Kriminalfälle geraten.

Schürholz übersetzt gerade Band drei

Corona hat einer Promotion-Tour mit Verlag (Edition Krimi), Autor und Übersetzer hierzulande einen viralen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch ganz langsam steigt der Absatz der „Färöer-Krimis“. Vielleicht ist da ja ein neues Krimi-Genre geboren?Derzeit steckt Martin Schürholz in der Arbeit an Band drei, der soll im Herbst kommenden Jahres erscheinen. Ach ja, und er lernt gerade zusammen mit seinem Sohn Isländisch. Weil’s so schön ist. Mal schauen, welche krimischreibenden Isländer in Zukunft irgendwann in Rüblinghausen Schlange stehen …

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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