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Verkauf oder andere Nutzung?
Kirche im Dorf lassen

Gemeindepfarrer Andreas Weiß (l.) und Presbyter Friedrich Wilhelm Kunze im – fast – leeren Kirchenschiff.
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  • Gemeindepfarrer Andreas Weiß (l.) und Presbyter Friedrich Wilhelm Kunze im – fast – leeren Kirchenschiff.
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ph Dahlbruch. Das Kirchengebäude in der Dahlbrucher Hochstraße steht nach dem Absprung eines Interessenten nach wie vor zum Verkauf. Parallel zur Veräußerungs-Absicht reifen aber inzwischen Ideen für anderweitige Nutzungsformen. Voraussetzung: Die ev. Kirchengemeinde Müsen, zu welcher der Pfarrbezirk Dahlbruch zählt, bleibt beim Faktor Kosten außen vor.

Denn schließlich basiere die Entwidmung des Gotteshauses am 3. Januar 2016 nicht auf einer willkürlichen Maßgabe der Landeskirche, wie Friedrich Wilhelm Kunze betont, sondern auf finanziellen Gesichtspunkten. „Unter anderem“, erläutert der Presbyter, „belasten vorgeschriebene höhere Substanzerhaltungs-Rücklagen den Gemeindehaushalt.

ph Dahlbruch. Das Kirchengebäude in der Dahlbrucher Hochstraße steht nach dem Absprung eines Interessenten nach wie vor zum Verkauf. Parallel zur Veräußerungs-Absicht reifen aber inzwischen Ideen für anderweitige Nutzungsformen. Voraussetzung: Die ev. Kirchengemeinde Müsen, zu welcher der Pfarrbezirk Dahlbruch zählt, bleibt beim Faktor Kosten außen vor.

Denn schließlich basiere die Entwidmung des Gotteshauses am 3. Januar 2016 nicht auf einer willkürlichen Maßgabe der Landeskirche, wie Friedrich Wilhelm Kunze betont, sondern auf finanziellen Gesichtspunkten. „Unter anderem“, erläutert der Presbyter, „belasten vorgeschriebene höhere Substanzerhaltungs-Rücklagen den Gemeindehaushalt.“ Stattdessen ist das Gemeindezentrum aufgepeppt worden und dessen Fortbestand – im Gegensatz zu dem zum Verkauf stehenden Pendant in Müsen – gesichert.

Bis auf einen Restbestand sind die Kirchenbänke gegen Spenden abgegeben worden. Die seinerzeit von Bernhard Weiss gestiftete Orgel ist ausgebaut und nunmehr in der kath. Kirche Elisabethfehn im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg zu hören. Die Glocken der 1954 eingeweihten Dahlbrucher Kirche läuten indes weiter – was allgemein begrüßt werde, so Kunze.

Förderverein vorstellbar

Ein geltender Beschluss sieht entweder den Verkauf des sakralen Gebäudes oder eine Nutzungsänderung vor, jedoch nicht unter kirchlicher Hoheit. Während sich Friedrich Wilhelm Kunze beispielsweise einen Förderverein vorstellen könnte, räumt Gemeindepfarrer Andreas Weiß unterschiedliche Standpunkte im Presbyterium ein, was die Zukunft des Gebäudes betrifft.

Manche entwidmete Kirchen beherbergen Cafés, Büros, Gewerbe oder ähnliches. Eine soziale Nutzung läge auf der Linie der Ev. Kirche Deutschland (EKD). Aus einer Broschüre des Landeskirchenamts Westfalen aus dem Jahr 2004 und weiteren Bearbeitungen aus den Jahren 2013 und 2017 lässt sich die Tendenz erkennen, Kirchen aufgrund ihrer sakralen und sozialen Bedeutung sowie aus baukultureller Sicht buchstäblich im Dorf zu lassen.

Fakt ist: Viele Dahlbrucher hängen an ihrer Kirche, deren Architektur an das Gotteshaus in Kierspe-Bahnhof angelehnt ist, in dem Andreas Weiß später als Vikar wirkte und getraut wurde.
Vor einigen Wochen haben die Gemeindejugendreferenten Uschi Massow und Bolko Mörschel dem Presbyterium gegenüber das Projekt einer „Jungen Kirche“ herangetragen. Daraus könnte sich möglicherweise eine weitere kulturelle und bürgerschaftliche Nutzung dieses dank seiner Nebenräume multifunktionalen Gebäudes in der Nähe zum im Bau befindlichen, millionenschweren Kulturellen Marktplatz entwickeln. Dem wolle man nicht ins Gehege kommen, betont Kunze. Die Befürworter der Idee erwägten eher, mit ihrem angedachten Angebot eine Nische zu füllen. In der Nachbarschaft befindet sich auch das dem Abriss geweihte Gebäude der 2013 geschlossenen Adolf-Reichwein-Hauptschule.

Arbeitskreis zum Thema "Junge Kirche"

Zum Thema „Junge Kirche“ hat sich ein Arbeitskreis gebildet, bestehend aus den beiden Jugendreferenten und Mitgliedern des Presbyteriums.

Schon jetzt bereitet sich die Band Det Grüppche in der Kirche auf ein Weihnachtskonzert vor. Seit Anfang 2020 befindet sich übergangsweise das städtische Jugendzentrum „Underground“ im Kellergeschoss, und am 25. September läutet dort der Verein Push in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt Hilchenbach im übertragenen Sinn die Glocken in Form der „nachtfrequenz 21“. Etliche Utensilien aus der ehemaligen Heimatstube Müsen sind vom feuchten Hauptschul-Keller in den oberen Teil des Kirchenschiffs ausgelagert worden.

Nach Kunzes Kenntnisstand steht das zentrale ev. Jugendbüro in Kreuztal vor der Auflösung. Teile des Musik-Equipments ständen bereits in Dahlbruch. Die zentrale Lösung für das gesamte nördliche Siegerland habe sich offensichtlich nicht bewährt. Uschi Massow und Bolko Mörschel betreuten nun den Bezirk 7 B, sprich Hilchenbach.

An Möglichkeiten, das ausgemusterte Gotteshaus mit neuem Leben zu erfüllen, mangelt es also offenbar nicht. Eine handschriftliche Liste enthält eine Reihe weiterer innovativer Vorschläge über die erwähnten Überlegungen hinaus.

Gegen „Leben in der Bude“ hat Pfarrer Weiß vorläufig nichts einzuwenden: „Solange sich am Status nichts ändert, darf sich die Jugend austoben.“

Gemeindepfarrer Andreas Weiß (l.) und Presbyter Friedrich Wilhelm Kunze im – fast – leeren Kirchenschiff.
Presbyter Friedrich Wilhelm Kunze (l.)  und Pfarrer Andreas Weiß am Eingang des entwidmeten Kirchengebäudes.
Autor:

Peter Helmes (Redakteur) aus Siegen

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