SZ

Günther Maria Halmer stellt Mozart vor
Klenze Quartett spielt Musik dazu

Günther Maria Halmer (r.) nähert sich anhand von Briefen dem Menschen Mozart; das Klenze Quartett bereichert die Rezitation mit passend ausgewählten und hervorragend umgesetzten Kompositionen. Die Musiker (v. l.): David Frühwirth (Violine), Michael Arlt (Violine), Rupert Buchner (Violoncello) und Johannes Zahlten (Viola).
  • Günther Maria Halmer (r.) nähert sich anhand von Briefen dem Menschen Mozart; das Klenze Quartett bereichert die Rezitation mit passend ausgewählten und hervorragend umgesetzten Kompositionen. Die Musiker (v. l.): David Frühwirth (Violine), Michael Arlt (Violine), Rupert Buchner (Violoncello) und Johannes Zahlten (Viola).
  • Foto: Julia Begas
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

juju Olpe. Endlich wieder Theater- und Konzertsaison! Beifall klatschend heißt das kulturell lange Zeit darbende Publikum den bekannten Schauspieler Günther Maria Halmer und das Klenze Quartett am Samstag in der Stadthalle Olpe willkommen. Auch Halmer freut sich: „Schön, dass wir uns hier treffen können – in dieser merkwürdigen Zeit.“ Die vier Streicher grüßen ihrerseits mit dem fröhlichen, mit anrührend zarten Passagen durchsetzten Allegro aus der „Kleinen Nachtmusik“. Und schon ergreift Halmer das Wort, berichtet chronologisch über Mozarts Lebensstationen und veranschaulicht sie mit Auszügen aus Mozarts 2500 Briefen, um so dem Publikum „Mensch Mozart“, wie das Programm heißt, nahe zu bringen.
"Nämlicher Hanswurst"Wolfgang Amadeus Mozart erblickt am 27.

juju Olpe. Endlich wieder Theater- und Konzertsaison! Beifall klatschend heißt das kulturell lange Zeit darbende Publikum den bekannten Schauspieler Günther Maria Halmer und das Klenze Quartett am Samstag in der Stadthalle Olpe willkommen. Auch Halmer freut sich: „Schön, dass wir uns hier treffen können – in dieser merkwürdigen Zeit.“ Die vier Streicher grüßen ihrerseits mit dem fröhlichen, mit anrührend zarten Passagen durchsetzten Allegro aus der „Kleinen Nachtmusik“. Und schon ergreift Halmer das Wort, berichtet chronologisch über Mozarts Lebensstationen und veranschaulicht sie mit Auszügen aus Mozarts 2500 Briefen, um so dem Publikum „Mensch Mozart“, wie das Programm heißt, nahe zu bringen.

"Nämlicher Hanswurst"

Wolfgang Amadeus Mozart erblickt am 27. Januar 1756 in Salzburg das Licht der Welt. Bereits mit vier Jahren erhält er zusammen mit seiner Schwester Nannerl von Vater Leopold Unterricht in Violine, Klavier und Komposition. 1762 erfolgt die erste große Deutschland- und Westeuropa-Tournee, von der Wolferl seiner „allerliebsten“ Mama voller Enthusiasmus berichtet. Übermut spricht auf späterer Reise aus dem Brief an seine Schwester, den er mit „Der nämliche Hanswurst aus Rom“ unterzeichnet. Halmer versetzt sich in überaus rasanter Sprechweise in den stürmischen, jungen Mozart. Passend dazu das frische Rondo aus der „Nachtmusik“, bei dem den Musikern regelrecht der Schalk im Nacken sitzt.

Günther Maria Halmer mimt Mozart

Zurück in Salzburg wird es dem jungen Genie bald zu eng, er bittet den „Mufti“, und damit den Erzbischof, mit einschmeichelnden, katzbuckligen Worten „in tiefster Untertänigkeit“ um Entlassung. Mit 21 Jahren lernt Mozart in Augsburg sein „Bäsle“ kennen und mögen. Seine Briefe an sie sprühen nur so vor Lust am Leben und haarsträubendem Unsinn. Das Klenze Quartett ersetzt alsbald geschickt den Klang der Zither in der Oper „Don Giovanni“ durch Pizzicati vor allem der ersten Geige. Zu seiner großen Freude lernt Mozart die Familie Weber kennen, wird aber vom Vater zusammen mit der Mutter nach Paris geschickt. Günther Maria Halmer, der sich in der jeweiligen Rolle von Vater und Sohn Mozart entsprechend echauffiert, entspannt mit geschlossenen Augen beim lebensfrohen Divertimento in D-Dur.

Trauer um die Mutter

Nach der spielerischen Ballettmusik, Pantomimen aus „Les petits riens“, erleben die Zuhörer eine andere Seite Mozarts: Seine innig geliebte Mutter verstirbt in Paris. Begleitet von traurigen Klängen liest Halmer aus Mozarts Brief an seinen Vater; er beschreibt, wie er den Sterbeprozess der Mutter begleitet, seinen Schmerz, seinen großen Verlust. Aber er wäre nicht Mozart, wenn er nicht Tröstendes finden würde im Gedanken an ihren „leichten Tod“, in der Hoffnung auf ein späteres Wiedersehen und in seinem Gottvertrauen. Bezaubernd dann „Reich mir die Hand, mein Leben“.

Das "liebste Weibchen"

Der Ärger mit dem Erzbischof hört nicht auf, Halmer redet sich regelrecht in Rage, und das macht beim Zuhören Spaß. Schließlich landet Mozart in Wien, der Kaiser ist ihm wohlgesonnen, und Amadé heiratet Constanze, „sein liebstes Weibchen“. Und berichtet dem Vater, dass alle, aber auch alle, bei der Trauung vor Rührung geweint hätten. Die Musiker, deren Freude am Spiel unüberhörbar ist, präsentieren aus der „Zauberflöte“ „Ein Mädchen oder Weibchen“ sowie „Bei Männern, welche Liebe fühlen“.

Großartiges Klenze Quartett

In den folgenden Jahren lebt Mozart verschwenderisch, bekommt Geldnöte, bezahlt aber fast alles zurück. Doch seine Uhr läuft viel zu schnell ab. Am 6. Dezember 1791 verstirbt er mit nur 36 Jahren und wird „standesgemäß als Musiker“ in einem Massengrab beerdigt. Anhand der mit viel Einfühlungsvermögen von Halmer vorgetragenen Briefe und dem großartigen Spiel des Klenze Quartetts erlebte das begeisterte Publikum nicht nur einen wundervollen Abend, sondern lernte das Genie Mozart von seiner ganz privaten, menschlichen Seite kennen.

Autor:

Redaktion Kultur

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen