Junge Bläserphilharmonie in Stadthalle Olpe
Kreative Vielfalt

Spielte Musik von Strauss, Holst, Dvořák, Gulda, Reich und Bernstein: die Junge Bläserphilharmonie NRW.
  • Spielte Musik von Strauss, Holst, Dvořák, Gulda, Reich und Bernstein: die Junge Bläserphilharmonie NRW.
  • Foto: Philipp Weber
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

pjw Olpe. Unter dem Motto „Little Symphonies“ gastierte die Junge Bläserphilharmonie NRW am Sonntag in Olpes „guter Stube“. Eine Kooperation mit den Lions-Clubs Olpe-Kurköln und Olpe am Biggesee machte es möglich, das Ensemble mit seinen jungen Musikern zwischen 14 und 24 Jahren mit einem abwechslungsreichen und kreativen Programm unter dem Dirigat von Tobias Schütte in der Stadthalle auftreten zu lassen.Eröffnet wurde das Konzert ganz klassisch mit der „Wiener Philharmoniker Fanfare“ von Richard Strauss. Anspruchsvoll ging es weiter mit „Jupiter“ aus Gustav Holsts Orchestersuite „Die Planeten“ op. 32. Wegen der aufgrund der Corona-Maßnahmen notwendigen Distanz zwischen den einzelnen Musikern auf der Bühne ist so ein Werk schwierig zu realisieren; so spielten denn die jungen Musiker auch eher verhalten, aber technisch einwandfrei.
Ein Genuss für alle Liebhaber etwas gefälligerer, aber nicht minder anspruchsvoller Musik, war die Serenade für Bläser op. 44 von Antonín Dvořák – eine echte Rarität. Serenaden galten nahezu immer schon als atavistisch, als gewissermaßen „alte Musik“; es ist wohlgefällige Musik, die jedoch hie und da einen ironischen Unterton nicht verhehlen kann, sie ist idyllisch und lässt die einzelnen Bläser mal mehr, mal weniger hervortreten, romantisch-böhmische Musik im ureigensten Sinne, aber „im Sauerland geht das auch“, wie der gut aufgelegte Moderator Ralph Erdenberger scherzte. Er war „begeistert von so viel Engagement und Vielfalt der jungen Leute hier auf der Bühne“.

Musik ging unter die Haut

Das zeigte sich auch im nächsten Stück, „New York Counterpoint“ von Steve Reich, einem dreisätzigen Werk für Klarinetten und Bassklarinetten im Stil der Minimal Music. Reich, der als Koryphäe der Minimal Music gilt, also Musik, die sich in ihrer Struktur durch immer wiederkehrende rhythmische Pattern auszeichnet, die sich im Verlauf allerdings minimal ändern, hat mit diesem Stück die pochenden Schwingungen Manhattans einfangen – Musik, die unter die Haut geht. Highlight des Abends war das Konzert für Cello und Blasorchester von Friedrich Gulda. Gulda gilt als Nonkonformist unter den Pianisten und auch Komponisten, der in seinen Konzerten ebenso gefeiert wie stark kritisiert wurde. Seine genreübergreifenden Konzertprogramme zwischen Klassik und Jazz sind legendär.

Toller Solist: Manuel Lipstein

Der ausgezeichnete Solo-Cellist des Abends war der 19-jährige Manuel Lipstein: Er spielte sein Cello mal zart in den elegischen Passagen, mal hart und energisch in den Solopartien – insgesamt ist es ein verrücktes Stück Musik, das versucht „E-Musik (ernste Musik) und U-Musik (Unterhaltungsmusik) unter einen Hut zu bringen und zusammenzuführen“, wie Moderator Erdenberger es ausdrückte. Und so begleiteten Schlagzeug, E-Bass und E-Gitarre das Cello ebenso wie sanfte Bläserklänge. Überragend war die ausgedehnte „Solokadenz“ von Lipstein.Auf den lang anhaltenden Applaus folgte mit Leonard Bernsteins „Wrong Note Rag“ eine passende Zugabe, bei der die Junge Bläserphilharmonie noch einmal ihre ganze Virtuosität und ihre Spielfreude beweisen konnte.

Autor:

Redaktion Kultur

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