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Symbiose von Kunst, Handwerk und Natur: die Galerie Klute in der Waldemai
Wie im Tolkien’schen Auenland

Einen Skulpturenpark mitten im Grünen hat das Ehepaar Lothar und Gisela Klute in der Waldemai bei Niedersorpe geschaffen. Wohnhaus, Schmiede und Galerie ergänzen das idyllisch gelegene, künstlerisch-handwerklich geprägte Ensemble.
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  • Einen Skulpturenpark mitten im Grünen hat das Ehepaar Lothar und Gisela Klute in der Waldemai bei Niedersorpe geschaffen. Wohnhaus, Schmiede und Galerie ergänzen das idyllisch gelegene, künstlerisch-handwerklich geprägte Ensemble.
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Niedersorpe. Wer bei einem Ausflug ins Schmallenberger Sauerland nach Winkhausen gelangt und im Ort abbiegt auf die L 742, fühlt sich bald in eine andere Welt versetzt. Das malerische Sorpetal ist ein Idyll für Ruhesuchende – ein nahezu idealtypisches Auenland, wie es der Fantasie eines J. R. R. Tolkien entsprungen sein könnte. Die Uhr scheint mit einem Mal langsamer zu ticken, ein Gefühl von Naturverbundenheit und von Ursprünglichkeit stellt sich ein. Der Eindruck verstärkt sich, wenn der Wanderer oder motorisierte Ausflügler nach wenigen...

aww Niedersorpe. Wer bei einem Ausflug ins Schmallenberger Sauerland nach Winkhausen gelangt und im Ort abbiegt auf die L 742, fühlt sich bald in eine andere Welt versetzt. Das malerische Sorpetal ist ein Idyll für Ruhesuchende – ein nahezu idealtypisches Auenland, wie es der Fantasie eines J. R. R. Tolkien entsprungen sein könnte. Die Uhr scheint mit einem Mal langsamer zu ticken, ein Gefühl von Naturverbundenheit und von Ursprünglichkeit stellt sich ein. Der Eindruck verstärkt sich, wenn der Wanderer oder motorisierte Ausflügler nach wenigen Kilometern die Galerie Klute in der Waldemai nahe Niedersorpe erreicht, ein weitläufiges, gepflegtes Anwesen, auf dem Kunst, archaisch anmutendes Handwerk und in verschwenderischem Grün schwelgende Natur eine Symbiose von hoher ästhetischer Qualität eingehen.

Das "Lebenswerk" von Lothar und Gisela Klute

Hier, auf dem Areal einer ehemaligen Schiefergrube, haben Lothar und Gisela Klute vor einem halben Jahrhundert ihr Refugium gefunden, einen Rückzugsort – und gewiss auch einen Sehnsuchtsort. Ein Gespräch mit dem Ehepaar, das sich einst in den 1960ern an der Werkkunstschule Aachen kennenlernte, lässt kaum eine andere Deutung zu, so spürbar ist auch nach Jahrzehnten die Begeisterung, mit der es über sein „Lebenswerk“ berichtet. 1968 fing alles an. Da waren sie, beide 1946 geboren, gerade vorne in ihren Zwanzigern, er hatte Metallbildhauerei studiert, sie Innenarchitektur und Industrieformgestaltung. Aus einer Schmiede, die anfangs noch Gebrauchsgegenstände wie Tore und Gitter herstellte, wuchs über die Jahre eine Schmiedekunst- und Bleikristallglas-Manufaktur mit einer lichtdurchfluteten Galerie und einem riesigen Skulpturenpark unter freiem Himmel.
Der Schmiedemeister und die Designerin bewohnen das frühere Steigerhaus der Grube, die Werkstatt befindet sich in der einstmaligen Werkshalle, die sie im Jahre 1983 durch einen Galerieanbau erweiterten. Eine Diaschau im oberen Geschoss der Galerie informiert heute Besucher über Geschichte und Schaffen des schöpferischen Duos, dem Werkstattmeister Willi Kuhlmann, einst erster Lehrling Klutes, seit 1970 bei der praktischen Umsetzung seiner Ideen zur Seite steht.

Schmiedebronze wird handwerklich-künstlerisch bearbeitet

Schmiedebronze, die bei etwa 800 Grad Celsius geformt und gehämmert wird, ist das Arbeitsmaterial, mit dem Lothar Klute seit 1980 künstlerisch umgeht. Oder sollte es heißen handwerklich? „Ich komme aus dem Handwerk heraus, eigentlich fühle ich mich als Handwerker“, gibt sich der gebürtige Schmallenberger bescheiden. Aber, ergänzt seine aus Braunschweig stammende Frau Gisela: Es sei schon immer beider Anspruch gewesen, sich künstlerisch auszuleben.
So begrüßen etwa filigrane überdimensionale Insekten-Skulpturen mit langen Fühlern und Beinen die Besucher. Die golden glänzenden Augen – ein Effekt, der durch Schleifen und Polieren der Bronze entsteht – heben sich vom urtümlichen, teils nach Jahren mit Patina veredelten dunklen Metallton ab. Der Betrachter geht vorbei an sprudelnden Brunnen, riesige Wasserräder in den Teichanlagen ziehen den Blick auf sich. Eines davon liegt flach auf dem Wasser, umgeben von einer Konstruktion, die es erlaubt, „auf dem Wasser“ zu gehen. Ein neueres Thema, mit denen sich die Klutes beschäftigen: dürre, langgezogene Bronze-Menschen, die in ihrer Ästhetik an Giacometti gemahnen und die sie scherzhaft ihre „Hungerleider“ nennen.

Ehepaar Klute versteht sich als kreatives Team

Neben den großen Arbeiten im Außenbereich finden sich in der Galerie viele kleineren Ausmaßes, darunter exquisite Tischobjekte mit Bleikristallplatten. Mitte der 90er erweiterte das Paar die Werkstatt um einen Glasschmelzofen. Der ist zurzeit defekt; ob er wieder in Gang gesetzt werden wird, steht in den Sternen. Jedes Ding hat seine Zeit, ist Lothar Klute überzeugt. Vielleicht ist sie also vorbei, die Zeit des Bleikristallglases in der „Waldemei“ (so der eigentliche Name des sich über dem Gelände erhebenden Berges, die Eigenschreibung mit „ai“ ist dem Schmiedemeister zufolge versehentlich entstanden).
Wenn auch Lothar Klute für den praktischen Teil zuständig ist, versteht sich das Ehepaar als kreatives Team. Gisela Klute, die auch plastische Bilder (Leinwand auf Leinwand) schafft, steuert Ideen und Entwürfe bei, beide sind sich gegenseitiges Korrektiv. Für Lothar Klute eine wertvolle Hilfe: Als Schmied sei er „materialverliebt“ und habe nicht immer genügend Abstand zu den Dingen. „Wir arbeiten seit 50 Jahren gemeinsam“, erklärt er, da ist es ganz schwierig zu sagen: Das ist von meiner Frau und das von mir.“

Gesamtüberblick über künstlerisches Schaffen in der Waldemai

Gruppen- und Einzelausstellungen, auch in Metropolen wie New York, Köln oder Valencia, können sich die Klutes in die gemeinsame Vita schreiben. Doch nur in der Waldemai mit ihren 35.000 Quadratmetern gelingt nach ihrer Überzeugung ein Gesamtüberblick über ihr künstlerisches Schaffen. Das einzuordnen, ist nicht einfach. „Vieles ist der Natur abgeschaut“, sagt Lothar Klute. Aber dann kommt die Abstraktion hinzu. Vieles ist geplant, aber dann kommt – auch dem Material geschuldet – die Spontaneität als wichtiger schöpferischer Faktor dazu.
Sicher ist: Ihre Kunst soll nicht belehren. Und sie soll zeitlos sein. Lothar Klute: „Das ist ein hehrer Anspruch: nicht jeder Mode hinterherzurennen.“
Kontakt und Öffnungszeiten im Internet unter: www.klute-waldemai.de

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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