SZ

Interview mit Dechant Dr. Augustinus Jünemann
Bedeutung von Ostern und Reform im Bistum Trier

Dr. Augustinus Jünemann

dach Niederfischbach. Eigentllich hätte Dr. Augustinus Jünemann der Pfarrer der neuen Großpfarrei auf der Trier’schen Insel werden soll. Es kam anders. Die ursprüngliche Pfarreienreform im Bistum Trier wurde gestoppt und wird nun in abgewandelter Weise fortgeführt. Jünemann ist vor gut einem Monat zum neuen Dechanten des Dekanats Kirchen ernannt worden. Seitdem steht er der Pfarreiengemeinschaft Niederfischbach-Mudersbach vor, hat außerdem die Pfarrverwaltung der Pfarreiengemeinschaft Heller- und Daadetal übernommen. Er kommt in besonderen Zeiten ins AK-Land. Die SZ hat Augustinus Jünemann einige Fragen zum etwas anderen Osterfest und auch zur Lage der Kirche als solche gestellt.
Am Karsamstag endet die Fastenzeit.

dach Niederfischbach. Eigentllich hätte Dr. Augustinus Jünemann der Pfarrer der neuen Großpfarrei auf der Trier’schen Insel werden soll. Es kam anders. Die ursprüngliche Pfarreienreform im Bistum Trier wurde gestoppt und wird nun in abgewandelter Weise fortgeführt. Jünemann ist vor gut einem Monat zum neuen Dechanten des Dekanats Kirchen ernannt worden. Seitdem steht er der Pfarreiengemeinschaft Niederfischbach-Mudersbach vor, hat außerdem die Pfarrverwaltung der Pfarreiengemeinschaft Heller- und Daadetal übernommen. Er kommt in besonderen Zeiten ins AK-Land. Die SZ hat Augustinus Jünemann einige Fragen zum etwas anderen Osterfest und auch zur Lage der Kirche als solche gestellt.
Am Karsamstag endet die Fastenzeit. Ist eine Phase der Entbehrung nach einem Jahr voller Einschränkungen überhaupt nötig gewesen?

  • Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich glauben, Sie hätten meine Predigt zu Beginn der Fastenzeit gehört. Wir sprechen ja eigentlich von der „Österlichen Bußzeit“, die mit der Austeilung des Aschekreuzes beginnt. Bei der Austeilung heißt es: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“. Also, der Kern der Fastenzeit ist ja nicht das Fasten, sondern die Umkehr zur Frohen Botschaft, zum Evangelium. Ich habe meinen Gemeinden in meiner vorherigen Pfarreiengemeinschaft empfohlen, statt dies oder das zu fasten, in diesem Jahr sich etwas Gutes zu tun – und zwar umzukehren, sich hinzuwenden, zu den guten Botschaften und Nachrichten, die es ja auch in diesen schweren Wochen und Monaten gibt. Aus der Psychologie kennen wir so etwas ja auch. Ich glaube, hier könnte eine echte Umkehr stattfinden, die uns wirklich gut tut: Einfach mal den Fokus auf das Gute richten, auf das, was andere können, statt darauf, was sie nicht können – bei Kolleginnen und Kollegen, bei den Kindern etc. Und vielleicht hilft es ja auch, nicht nur in den Blick zu nehmen, was alles nicht geht, sondern das, was alles geht. Umkehr hat ja etwas mit Perspektivwechsel zu tun. Eine solche Fastenzeit schien mir gerade in unseren Tagen geboten.

Nicht alle, die zum Auferstehungsfest eine Kirche besuchen möchten, können das diesmal tun. Haben Sie eine Osterbotschaft für diejenigen, die zu Hause bleiben müssen?

  • Die Osterbotschaft für alle ist ja klar: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wirklich auferstanden, Halleluja!“ So grüßen sich orthodoxe Christen am Osterfest. Und diese Botschaft gilt allen, so glauben wir. Aber wenn wir auf das Ostergeschehen schauen, also auf das biblische Geschehen, dann stellen wir fest, dass die Jünger ja ziemlich lange gebraucht haben, bis sie verstanden haben, was da passiert ist. Wir singen in der Osternacht fröhliche Lieder, während in der Bibel die Jünger und Jüngerinnen sprachlos, ängstlich und hilflos waren – angesichts der Auferstehungserfahrung. Vielleicht steht es uns als Christen ja gut an, diese Sprachlosigkeit wieder zu entdecken bzw. einzugestehen. Auch für die, die dieses Jahr Ostern im Gottesdienst mitfeiern können, wird es ja ein ganz anderes Osterfest. Die kleine Zahl der Gläubigen, der fehlende Gesang, der Wegfall mancher Riten – all das kann uns vielleicht ein wenig demütiger werden lassen. Das, was für uns weitestgehend noch selbstverständlich ist, ist es für viele nicht mehr. Vielleicht können wir das an diesem Osterfest lernen. Im Markus-Evangelium sagt der Engel den Jüngerinnen: Geht zurück nach Galiläa, dort werdet ihr ihn treffen. „Galiläa“, das steht für zu Hause, dort wo ich herkomme, meinen Alltag lebe. Dort können wir dem Auferstandenen begegnen. Das würde ich gerne denen sagen, die in diesem Jahr zu Hause bleiben müssen – mit den Worten des Engels: „Geht zurück nach Galiläa!“ Dorthin, wo ihr zu Hause seid. Dort könnt ihr ihm, dem Auferstandenen, begegnen.

Im Bistum Trier ist die Pfarreienreform zunächst von Rom aus gestoppt worden. Nun wird sie in veränderter Form umgesetzt. Ein richtiger Schritt?

  • Ja, ein richtiger und längst überfälliger Schritt. Natürlich wäre die ursprüngliche Reform um manches zukunftsfähiger und kraftvoller geworden. Aber die jetzige Reform ist dringend notwendig. Gerade die Corona-Pandemie katapultiert uns fünf bis zehn Jahre in die Zukunft. Wir können nicht länger warten. Die Pfarreienreform ist ja bloß der äußere Rahmen einer inneren Reform. Und diese innere Reform, sie ist so etwas wie eine Umkehr oder ein Perspektivwechsel. Wir spüren ja große Müdigkeit – auch unter den Mitgliedern der Räte und unseren Kerngemeinden.
    Die Reform will entlasten und konzentrieren, aber nicht im wirtschaftlichen Sinn. Es geht nicht um „feindliche Übernahmen“, sondern um Zusammenschlüsse, die es uns besser ermöglichen, unseren Auftrag zu erfüllen. Im Bistum Trier haben wir historisch bedingt vielerorts sehr kleine Pfarreien. Mit der derzeitigen Struktur überfordern wir ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es geht also um Entlastung und gleichzeitig um Konzentration, nämlich auf das Wesentliche. Es kann ja nicht sein, dass wir als Kirche und kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen uns vornehmlich um die Aufrechterhaltung eines irgendwie gearteten Pfarreiensystems sorgen. Ziel muss es doch sein, für Menschen da zu sein. Die Bistumssynode spricht deshalb von einer missionarisch-diakonischen Kirchenentwicklung.

Zur Umsetzung der Diözesansynode 2013-16 gehört aber weit mehr, als ein bloßes Verrücken von Pfarreiengrenzen. Inwiefern sollte sich die katholische Kirche im Umgang mit ihren Gläubigen, die laut Statistik immer weniger werden, anders aufstellen?

  • Unsere Bistumssynode will genau das: sich anders aufstellen. Wir sprechen von Perspektivwechsel, es würde zu weit führen, hier eine genaue Erklärung abzugeben. Aber es geht tatsächlich darum, sich neu aufzustellen – natürlich in den Grenzen, die uns das kirchliche Recht gibt. Der ursprüngliche Plan sah ja eine ganze Menge vor: im Bereich der Leitung ein stärker kollegiales Miteinander; im Bereich der Gremien mehr Mitbestimmung, Partizipation; ja, auch Verteilung und Abgabe von Macht – gerade vor dem Hintergrund des fürchterlichen Skandals des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche und den Umgang der Kirche damit. Viele Menschen wenden sich ab, weil die Skandale sie erschüttern oder weil Aussagen aus Rom nicht mehr verstanden werden oder sogar verletzten.  Abgesehen von all diesen Gründen haben wir ja auch in den letzten Jahren festgestellt, dass das bisherige Pfarreiensystem für viele Menschen nicht mehr ansprechend ist und sie keine Beheimatung in der Kirche erfahren. Dennoch suchen viele Menschen nach Orten, an denen sie spirituelle Erfahrungen machen können, Erfahrungen auch von Gemeinschaft und Unterstützung. Die Synode will deshalb neben den klassischen Pfarreien „Orte von Kirche“ unterstützen, Orte, an denen Menschen Kirche leben, Kirche erfahren. Und diese Orte sollen auch in der Struktur der neuen „Pastoralen Räume“ ihren Platz haben und ihre Impulse einbringen können. Insgesamt wird es darum gehen, dass wir mehr voneinander lernen.

Zurück zum Osterfest: Was geben Sie Menschen mit auf den Weg, für die es dieser Tage ausschließlich um Schoko-Hasen, bunte Eier und ein langes Wochenende geht?

  • Ich vermute mal, dass „Schoko-Hasen“, „bunte Eier“ und ein „langes Wochenende“ Chiffren sind für ein bisschen Normalität, für Erholung von einem stressigen oder schwierigen Alltag, für den Wunsch, Zeit füreinander und miteinander zu haben und genießen zu können. Und das wünsche ich gerne allen!

Die Fragen stellte Achim Dörner

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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