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Auf 1,50 Euro für Fahrrad-Transport beharrt
Busfahrerin ließ Milan einfach stehen

Mit Rad und Ranzen an der Bushaltestelle wurde der neunjährige Milan Bronder stehen gelassen. Seine Familie ist stinksauer auf die Verkehrsbetriebe.
  • Mit Rad und Ranzen an der Bushaltestelle wurde der neunjährige Milan Bronder stehen gelassen. Seine Familie ist stinksauer auf die Verkehrsbetriebe.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

kalle/juka Achenbach.  Eigentlich war der vergangene Dienstag ein guter Tag für den neunjährigen Milan Bronder. Hatte er doch in der Gosenbacher Grundschule seine Fahrradprüfung mit Bravour bestanden. Zwar ohne polizeiliche Unterstützung, die hatte wegen Corona abgesagt, aber dank der aktiven Lehrerin, die den Kindern die Prüfung auf zwei Rädern nicht verderben wollte, hatte er den Führerschein in der Tasche.
Gut gelaunt verließ der Junge das Schulgelände und machte sich auf den Weg zur Bushaltestelle in Gosenbachs Ortsmitte. Seine Mutter Ann-Christin hatte ihren Sohn genau eingewiesen. Er sollte dann mit dem Bus der Linie C113 hoch zur Gosenbacher Höhe fahren und dort zur Großmutter gehen, die bereits ein „Prüfungsessen“ für den Enkel vorbereitet hatte.

kalle/juka Achenbach.  Eigentlich war der vergangene Dienstag ein guter Tag für den neunjährigen Milan Bronder. Hatte er doch in der Gosenbacher Grundschule seine Fahrradprüfung mit Bravour bestanden. Zwar ohne polizeiliche Unterstützung, die hatte wegen Corona abgesagt, aber dank der aktiven Lehrerin, die den Kindern die Prüfung auf zwei Rädern nicht verderben wollte, hatte er den Führerschein in der Tasche.
Gut gelaunt verließ der Junge das Schulgelände und machte sich auf den Weg zur Bushaltestelle in Gosenbachs Ortsmitte. Seine Mutter Ann-Christin hatte ihren Sohn genau eingewiesen. Er sollte dann mit dem Bus der Linie C113 hoch zur Gosenbacher Höhe fahren und dort zur Großmutter gehen, die bereits ein „Prüfungsessen“ für den Enkel vorbereitet hatte. Verboten hatte sie die Tour mit dem Rad über die vielbefahrene Straße durch den Ort.

 „Wir sind schwer enttäuscht und sauer"

Der Bus fuhr pünktlich um 11.39 Uhr vor. Höflich fragte der Schüler, ob er auch sein Fahrrad mitnehmen könne. Die Busfahrerin war kurz angebunden. Wenn er 1,50 Euro für den Radtransport in der Tasche hätte, dürfte er mitfahren. Milan war unsicher. Hatten doch nach den „Radfahr-Übungswochen“ zuvor die Busfahrer ihn, sein 16 Kilogramm schweres Mountainbike und den fünf Kilogramm schweren Schulranzen unkompliziert mitgenommen. Da brauchte er noch nicht einmal seine Monatskarte vorzuzeigen. Doch am Dienstag wurden die Türen des Busses geschlossen. Der Bus fuhr ohne das Kind. Mutter Ann-Christin: „Wir sind schwer enttäuscht und sauer, dass der Junge einfach stehen gelassen wurde. Wir haben überhaupt nicht gewusst, dass er ein Fahrradticket braucht“.
Die steile Straße hoch in Richtung Achenbach, teils ohne Bürgersteig ausgestattet, ist kein Weg, auf dem man sicher mit dem Rad unterwegs sein kann. Der Bus war längst verschwunden, der Junge stand konsterniert an der Bushaltestelle. Doch zum Glück gibt es ja Handys, und so versuchte Milan Mutter und Vater zu erreichen. Nach schnellem familiären Kontakt kam schließlich Großvater Matthias angerauscht und holte seinen Enkel samt Mountainbike in der Ortsmitte ab.
Ann-Christin Bronder ist bitter enttäuscht. „Haben die bei den Verkehrsbetrieben denn kein Herz für Kinder?“, fragt die zweifache Mutter. Das möchte Gerhard Bettermann, Leiter Betrieb und Technik bei der VWS, auf SZ-Nachfrage allerdings nicht so stehen lassen. „Im Rahmen des Tarifs hat die Fahrerin richtig gehandelt. In allem anderen aber komplett daneben gelegen. Wir können uns bei dem Jungen und der Familie nur entschuldigen.“

Intern gibt es klare Absprachen

Intern gebe es es klare Absprachen, dass keine Grundschulkinder stehen gelassen werden. Besonders wenn es, wie im Fall am Dienstag, noch nicht einmal einen Bürgersteig gebe. Auf die Busfahrerin, die von einem Auftragsunternehmen kommt, würden laut Bettermann nun „massive disziplinarische Maßnahmen zukommen“.
Die bislang ausgebliebene Antwort auf eine Beschwerde von Ann-Christin Bronder beim Beschwerdemanagement der Verkehrbetriebe Westfalen-Süd verteidigt Bettermann hingegen. „Wir geben unserer Fahrern in solchen Fällen zwei Tage für eine Stellungnahme. Die Mutter bekommt auf jeden Fall noch einen Anruf“, so Bettermann, der sich noch am gestrigen Freitag persönlich um eine Entschuldigung kümmern wollte.

Autor:

Karl-Hermann Schlabach (Redakteur) aus Siegen

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