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Hubert Halbe legt Ortsvorsteher-Amt nach 27 Jahren nieder
"Das war eine richtig schöne Zeit“

Zum 25-Jährigen gab es diesen schönen Blumenstrauß von Bürgermeister Bernd Clemens. Ohne die derzeitigen Corona-Einschränkungen wäre Hubert Halbe ein großes Abschiedsfest sicher gewesen( Archivbild)
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  • Zum 25-Jährigen gab es diesen schönen Blumenstrauß von Bürgermeister Bernd Clemens. Ohne die derzeitigen Corona-Einschränkungen wäre Hubert Halbe ein großes Abschiedsfest sicher gewesen( Archivbild)
  • Foto: hobö
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

hobö Ottfingen.  Wenn jemand exakt 10 043 Tage als besonders engagierter Ortsvorsteher gewirkt hat, durfte und musste er viel erleben. Und wenn diese Person auf die Frage nach dem schönsten Tag das gemeinsame Weihnachtsfest mit den in der Ottfinger Turnhalle notdürftig untergebrachten Flüchtlingskindern nennt, dann sagt dies viel über den Charakter dieses Ortsvorstehers aus. Denn bei allem Fleiß und Pflichtbewusstsein kennzeichnet Hubert Halbe vor allem sein warmherziger Charakter. Den werden nicht nur die Bürger von Ottfingen weiterhin genießen dürfen, aber die Schaffenskraft als Ortsvorsteher geht dem viertgrößten Ort der Gemeinde Wenden nunmehr verloren.

hobö Ottfingen.  Wenn jemand exakt 10 043 Tage als besonders engagierter Ortsvorsteher gewirkt hat, durfte und musste er viel erleben. Und wenn diese Person auf die Frage nach dem schönsten Tag das gemeinsame Weihnachtsfest mit den in der Ottfinger Turnhalle notdürftig untergebrachten Flüchtlingskindern nennt, dann sagt dies viel über den Charakter dieses Ortsvorstehers aus. Denn bei allem Fleiß und Pflichtbewusstsein kennzeichnet Hubert Halbe vor allem sein warmherziger Charakter. Den werden nicht nur die Bürger von Ottfingen weiterhin genießen dürfen, aber die Schaffenskraft als Ortsvorsteher geht dem viertgrößten Ort der Gemeinde Wenden nunmehr verloren.
Besser gesagt, ist Ottfingen bereits abhanden gekommen, denn am Samstag endete zeitgleich mit dem Ende der Wahlperiode des Wendener Gemeinderats auch das Ehrenbeamtenverhältnis von Hubert Halbe. Drei Tage später, nämlich am heutigen Dienstag endet zudem das 71. Lebensjahr des gebürtigen Ottfingers – heute feiert Hubert Halbe seinen 71. Geburtstag. 

Am 1. April 1993 ging's los

Mehr als 60 Bürger hatten am 1. April 1993 im Saal der damaligen Gaststätte Eichert einmütig dafür gestimmt, Hubert Halbe zur Wahl des Ortsvorstehers von Ottfingen und Wilhelmstal vorzuschlagen. Diesem Votum folgte der Wendener Gemeinderat am 3. Mai desselben Jahres, woraufhin Halbe vom damaligen Bürgermeister Kunibert Kinkel aus Ottfingen vereidigt wurde. Und hätte an jenem
1. April jemand behauptet, Hubert Halbe würde dieses Amt bis zum Jahr 2020 ausüben, wäre dies als Aprilscherz abgetan worden. Bereits die 16 Dienstjahre seines Vorgängers, Josef Halbe, waren schon eine Besonderheit.
Dass Ottfingen von seinerzeit 1852 Einwohnern auf derzeit 2193 angewachsen ist, dürfte selbstredend nicht zu den Verdiensten des nun ehemaligen Ortsvorstehers zählen, aber ihm war es eine besondere Freude, Neubürger sowie die Familien von Neugeborenen zu besuchen und im Dorf willkommen zu heißen. „Auf diesem Weg und bei all den anderen Tätigkeiten habe ich so viele nette Leute kennengelernt“, blickt Halbe heute glücklich zurück.
Der Ortsvorsteher soll laut Gemeinde ein „Bindeglied zwischen den Ortschaften, der Verwaltung und der Politik“ sein. Er solle die Anliegen der Einwohner, Vereine, Organisationen und örtlichen Interessengemeinschaften zusammentragen und diese an die Kommune weiterleiten. Hubert Halbe hat womöglich einiges weitergeleitet, die meisten Projekte aber gleich selbst angepackt und mit Hilfe einiger Helfer oder Vereine umgesetzt. Die Liste ist sehr lang: Mitwirkung im Gremium „Bildband Ottfingen“ von Heinrich Solbach (1993), Erstellung mehrerer Hinweistafeln, Dorferneuerung im Umfeld Alte Kapelle (1994), Pflanzen von 540 Bäumen mit den Schützen und dem Kirchenchor (1995 und 1996), Dach- und Turmerneuerung sowie Innenrenovierung Alte Kapelle (1997 und 2000), Erwerb des alten Wasserwerks für 1 Euro zur Nutzung als Lagerstätte für Arbeitsgeräte (2004), Idee für den Antrag für eine Schutzhütte am Radweg, die 2008 eröffnet wurde, neue Ruhebänke und Renovierung bestehender (2008), Errichtung einer Madonna am „Alten Fuhrmannsweg“ (2009), Anbau Sporthalle mit modernen Toilettenanlagen und Mehrzweckraum samt Küchenzeile (2010 bis 2012), erstes Dorffest mit mehr als 700 Besuchern (2013), Spenden sammeln und Geschenke besorgen für Flüchtlingskinder (2015), Dorfplatz-Einweihung mit zweitägigem Dorffest (2018) und letztlich der 10 km Rundwanderweg „Flurenweg“ mit 32 Hinweisschildern mit alten Flurbezeichnungen.

Klinken geputzt und um Spenden geworben

Für viele dieser Projekte hat Hubert Halbe buchstäblich Klinken geputzt und um Spenden geworben. Allein für die Mehrzweckräume an der Turnhalle gelang dem Ortsvorsteher, 58 000 Euro an Spenden zu akquirieren. Für die Innenrenovierung der Alten Kapelle, dem Wahrzeichen Ottfingens, gingen seinerzeit 135 000 D-Mark an Spenden ein.
Neben diesen „Großprojekten“ summieren sich die immer wiederkehrenden Tätigkeiten auf einem ganzen DIN-A4-Blatt untereinander und wirken wie die Beschreibung eines hauptberuflichen Engagements. Überdies war der Ortsvorsteher kooptiertes Vorstandsmitglied in der Sterbegeldkasse, der Ortswegebaukasse sowie der Zukunfts-Werkstatt Ottfingen. Beim Gemeindewettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ führte Hubert Halbe Ottfingen fünfmal auf den 1. Platz, dreimal auf Rang 2 und einmal auf den 3. Platz.
Zu den schönsten Erlebnissen zählt Halbe rückblickend die Feier des ersten Dorffestes, die Eröffnung des Dorfladens sowie „als meinen emotionalsten Tag als Ortsvorsteher“ der Heilige Abend 2015 mit den Flüchtlingskindern in der Ottfinger Turnhalle. Hierfür hatte er in acht Tagen 1200 Euro Spendengelder gesammelt und zusammen mit vier Eltern Geschenke in Siegen gekauft.
Das traurigste Erlebnis sei ohne Frage die Schließung der Grundschule Ottfingen gewesen, wo er von 1956 bis 1964 selbst zur Schule ging und wichtiges Rüstzeug für sein Leben erhielt. Hauptberuflich war Halbe übrigens mehr als 50 Jahre Stahlbauschlosser (heute: Konstruktionsmechaniker) bei Apparatebau Brandt in Rothemühle tätig.

"Jetzt muss es mal gut sein“

Mit nunmehr 71 Lebensjahren sah der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern nun die Zeit gekommen, dem geliebten Ehrenamt ade zu sagen. Im April kündigte er diesen Schritt bereits in einem Schreiben an alle Vereine an. „Ich habe lange überlegt, aber jetzt muss es mal gut sein“, betont Halbe im Gespräch mit der SZ. „Auch wenn mir das Gemeinschaftsgefühl fehlen wird. Ach, das war eine richtig schöne Zeit.“ Denn insbesondere die Gemeinschaftsaktionen mit anschließendem Beisammensein hat der zuletzt dienstälteste Ortsvorsteher genossen. „Ich bin halt ein Dorfmensch und war deshalb schon immer in vielen Vereinen.“ Seine besondere Zuneigung gilt dem Kirchenchor St. Hubertus Ottfingen, in dem er seit mehr als 56 Jahren aktiv singt. „Singen hat mir viel gebracht.“ Überdies gehören das Wandern und Lesen zu den Hobbys des Rentners.
„Natürlich muss ich meiner Frau Ingrid ein dickes Dankeschön aussprechen“, erklärt Halbe, „ohne sie wäre das alles nicht gegangen.“
Dank richtet Halbe auch an die Bürgermeister, die Bauhofleiter und -mitarbeiter, die Ottfinger Vereine, die treuen ehrenamtlichen Helfer sowie die örtlichen Kommunalpolitiker Ludger Wurm und Kunibert Kinkel. Gerade zu Kinkel verbindet Halbe eine enge Freundschaft auch wegen des gemeinsamen fruchtbaren Wirkens für Ottfingen. Denn dass ist Hubert Halbe besonders wichtig: dass sein Heimatdorf Ottfingen auch zukünftig „ein Ort des Miteinander und Füreinander“ bleibt.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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