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Mountainbiker entsorgt Hinterlassenschaften des III. Wegs im Giebelwald
Die Kerzen brannten noch

Der III. Weg unterhält an der Schlachthausstraße ein Büro,
das – anders als auf diesem Foto – meistens mit heruntergelassenen Jalousien regelrecht verbarrikadiert wirkt.
  • Der III. Weg unterhält an der Schlachthausstraße ein Büro,
    das – anders als auf diesem Foto – meistens mit heruntergelassenen Jalousien regelrecht verbarrikadiert wirkt.
  • Foto: mir
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mir Siegen/Niederfischbach. Traurig, aber wahr, der Volkstrauertag und die Ereignisse rund um den sogenannten III. Weg sind weiter aktuell. Staatliche Stellen von der hiesigen Polizei in Siegen und der in Betzdorf bis zum Staatsschutz in Hagen befassen sich damit. Intensiv.
Mehr noch: Es gibt einen Augenzeugen, der am Sonntag zwischen 10 und 11 Uhr mit seinem Mountainbike am Hellbachskopf oberhalb von Niederfischbach unterwegs war. Der 49-jährige Siegener (mit Freusburger Herkunft) wunderte sich, dass an dem Mahnmal ein Kranz lag: „Ich bin neugierig geworden und habe mir alles angesehen. Der Kranz hatte eine Schleife mit einer Aufschrift, von Ruhm und Ehre war die Rede, dazu eindeutig das Logo des III. Weges.“
Bürgermeister schriftlich informiertDer Mountainbiker zögerte nicht lange.

mir Siegen/Niederfischbach. Traurig, aber wahr, der Volkstrauertag und die Ereignisse rund um den sogenannten III. Weg sind weiter aktuell. Staatliche Stellen von der hiesigen Polizei in Siegen und der in Betzdorf bis zum Staatsschutz in Hagen befassen sich damit. Intensiv.
Mehr noch: Es gibt einen Augenzeugen, der am Sonntag zwischen 10 und 11 Uhr mit seinem Mountainbike am Hellbachskopf oberhalb von Niederfischbach unterwegs war. Der 49-jährige Siegener (mit Freusburger Herkunft) wunderte sich, dass an dem Mahnmal ein Kranz lag: „Ich bin neugierig geworden und habe mir alles angesehen. Der Kranz hatte eine Schleife mit einer Aufschrift, von Ruhm und Ehre war die Rede, dazu eindeutig das Logo des III. Weges.“

Bürgermeister schriftlich informiert

Der Mountainbiker zögerte nicht lange. „Da sind wohl die Pferde mit mir durchgegangen, ich habe die Schleife abgerissen und sie mit dem Kranz in den Mülleimer geschmissen.“ Die nächtliche Veranstaltung des III. Wegs („Heldengedenken“) mitten im Wald kann noch nicht lange vorbei gewesen sein, drei Grabkerzen brannten noch in voller Größe. „Ich habe sie ausgemacht und weggeworfen. Der Boden dort im Wald ist nach wie vor total trocken. Wenn da ein Brand entstanden wäre, nicht auszudenken. Das Gebiet ist nur schwer zugänglich, da wäre keine Feuerwehr mit schwerem Gerät hingekommen.“
Auf der Rückfahrt vom Giebelwald nach Siegen schossen dem 49-Jährigen so einige Gedanken durch den Kopf. Fotografiert hat er die verunstaltete Stätte nicht. Leider. Am Montag hat er schriftlich den Ortsbürgermeister von Niederfischbach und den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchen informiert. Die wiederum haben der Polizei Betzdorf Bescheid gegeben, gestern kam von dort die Rückfrage an den Mann aus Siegen. Der 49-Jährige ist weiterhin überzeugt: „Man muss etwas tun gegen diese Rechtsaußen. Und wenn es nur symbolhaften Charakter hat.“
Zweite Ebene: Wer glaubt, die Polizei kümmere sich nicht um das Büro des III. Wegs in der Schlachthausstraße, der irrt. Wochentags wird täglich im Streifendienst kontrolliert, natürlich auch am vergangenen Samstag. „Ja, die Ereignisse tauchen auf im Lagebericht“, sagt Landrat Andreas Müller. Mit seiner persönlichen Einschätzung dieser Organisation würde er gerne präziser umgehen, allerdings muss er auch den Einschätzungen des Verfassungsschutzes Rechnung tragen, um nicht juristisch belangt zu werden.

Gefährdungspotenzial gegeben

Ein Gefährdungspotenzial sei gegeben, deshalb habe die Polizei am Samstag Kontrollen im Gebiet der Hammerhütte vorgenommen, das sei ihr gutes Recht. Dabei seien die Personalien von verschiedenen Personen festgestellt worden, die dem III. Weg zugeordnet werden.
Zum mutmaßlichen „Heldengedenken“ oder was diese Gruppierung in Niederfischbach im Wald angerichtet hat, mag sich der Siegener Landrat nicht äußern: anderer Kreis, anderes Bundesland. Aber: „Als Politiker sage ich, der Volkstrauertag soll ein Tag der Versöhnung sein, nichts anderes, das ist klar. Dem kann man sich nur anschließen.“
Dass die Polizei an der Siegener Schlachthausstraße und der Umgebung Präsenz zeige, findet Müller ganz normal und adäquat. Das Tun des III. Weges berge sehr wohl die Gefahr, „dass sich etwas ereignet, was wir als demokratische Gesellschaft nicht wollen“.
Es bleiben Fragen offen. Hätte jemand als Privatperson eine Anzeige bei der Polizei erstatten sollen? Der 49-jährige Siegener zum Beispiel. Oder der Ortsbürgermeister von Niederfischbach? Welche Relevanz hätte so ein Vorgang?

Staatsschutz äußert sich nur vage

Müller nimmt in dem Kontext die Vokabel von der Volksverhetzung dazu: „So etwas kommt nur zum Tragen, wenn es öffentlich passiert.“ Im dem Fall ist das zu verneinen. Der Kreispolizeibehörde Siegen waren und sind die Vorkommnisse sehr wohl bekannt, im Detail gab es dazu gestern seitens der Presseabteilung keine weitergehenden Erläuterungen. Der Staatsschutz Hagen wiederum mochte Fragen telefonisch nicht beantworten, eine schriftliche Nachfrage erbrachte ein paar Antworten. Inhaltlich allerdings mit einem mageren Informationsgehalt. Der Tenor zum III. Weg: „Der Hagener Staatsschutz gibt zu aktuellen polizeilichen Maßnahmen oder Aufklärungsergebnissen keine Auskunft.“ Auch eine Bewertung oder Einordnung ist von der Stelle nur eingeschränkt zu erwarten. Wörtlich heißt es dazu: „Der Hagener Staatsschutz bewertet keine Kommentare, solange
sie keine strafrechtliche Relevanz haben. Dies ist hier nach bisherigem Stand der Fall.“
In welcher Weise sind die staatlichen Stellen präventiv tätig? Wenigstens dazu schreibt Hagen Konkretes. Die Polizei nutze alle rechtlichen Möglichkeiten aus, um Straftaten zu bekämpfen und diesen vorzubeugen. Zitat: „Dazu ergreift der Hagener Staatsschutz taktische Maßnahmen in bilateraler Abstimmung mit der Siegener Polizei und arbeitet eng mit Vertretern der Kreis- und Stadtverwaltung sowie der Zivilgesellschaft zusammen.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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