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Bahn hat 75 Jahre Verspätung
Gretel Kempers Herz schlägt für die Olper Kreuzkapelle

Gretel Kemper zeigt eine Kopie des Vertrags zwischen Reichsbahn und Pfarrei, in dem
festgeschrieben ist, dass die Splitterschutzzelle sechs Monate nach Kriegsende auf Kosten der Bahn zurückzubauen ist.
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  • Gretel Kemper zeigt eine Kopie des Vertrags zwischen Reichsbahn und Pfarrei, in dem
    festgeschrieben ist, dass die Splitterschutzzelle sechs Monate nach Kriegsende auf Kosten der Bahn zurückzubauen ist.
  • Foto: win
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

win Olpe.  Gretel Kempers Herz schlägt für ihre Wahlheimat Olpe. Kürzlich wurde ihr jahrzehntelanger Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz gekrönt – was aber keinen Schlusspunkt bedeutet, ganz im Gegenteil.
Ganz besonders ins Herz geschlossen hat Gretel Kemper die Kreuzkapelle. Das kleine Gotteshaus, das außerhalb der historischen Stadtgrenzen steht und ursprünglich wohl vom städtischen Armenhaus flankiert wurde, hat es ihr angetan: beispielsweise durch die Tatsache, dass das bucklige und schiefe Kapellchen aus dem Jahr 1737 die Kriege fast unbeschadet überstand, während ringsumher die Bomben der Alliierten Häuser, Fabriken und Gleisanlagen in Schutt und Asche legten.

win Olpe.  Gretel Kempers Herz schlägt für ihre Wahlheimat Olpe. Kürzlich wurde ihr jahrzehntelanger Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz gekrönt – was aber keinen Schlusspunkt bedeutet, ganz im Gegenteil.
Ganz besonders ins Herz geschlossen hat Gretel Kemper die Kreuzkapelle. Das kleine Gotteshaus, das außerhalb der historischen Stadtgrenzen steht und ursprünglich wohl vom städtischen Armenhaus flankiert wurde, hat es ihr angetan: beispielsweise durch die Tatsache, dass das bucklige und schiefe Kapellchen aus dem Jahr 1737 die Kriege fast unbeschadet überstand, während ringsumher die Bomben der Alliierten Häuser, Fabriken und Gleisanlagen in Schutt und Asche legten.
Als Gretel Kemper Geburtstag feierte, wünschte sie sich statt Präsenten Geld für die Turmreparatur – die nun angegangen werden kann. Auch als eine Orgel angeschafft und eine Heizung eingebaut wurde, war Familie Kemper ganz vorn mit dabei.

Stützmauer muss dringend saniert werden

Doch ein Thema lässt die gebürtige Bremerin nicht ruhig schlafen. Es ist die Stützmauer, die unterhalb der Kapelle errichtet wurde. Denn selbst Laien erkennen, dass diese Mauer saniert werden muss. Nicht nur, dass der Putz abgebröckelt ist und dass Löcher und Risse zu erkennen sind – vor allem der Schiefstand lässt ahnen, dass hier größere Arbeiten zu erledigen sind.
Seit vielen Jahren herrscht Streit zwischen Stadt und Kirche, denn die Pfarrgemeinde ist der Ansicht, der untere Teil der Mauer sei in städtischem Besitz, nur der obere gehöre der Kirche, daher müsse die Stadt den unteren Teil sanieren, damit die Kirche den ihren übernehme.
Gretel Kemper, die im Pfarrarchiv ein- und ausgeht, fand ein Dokument, das hier zumindest auf den ersten Blick Klarheit schaffen könnte. Es ist ein Vertrag aus dem Jahr 1944 zwischen der Reichsbahn und der St.-Martinus-Pfarrei mit dem Inhalt, dass die Kirche der Bahn gestattet, eine Splitterschutzzelle in die Mauer zu bauen – praktisch einen Ein-Mann-Bunker, der bei den drohenden Fliegerangriffen dem Weichenwärter raschen Schutz bieten sollte, damit dieser nicht bis zum weit entfernten Bunker laufen musste. Und da es diesen Schutzraum noch gibt, wenn auch inzwischen zugeschüttet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die ganze Mauer der Kirche gehört – denn sonst hätte seinerzeit Pfarrer Franz Menke der Reichsbahn den Einbau in den unteren Teil der Mauer nicht genehmigen müssen, auch wenn das Dokument auch die Unterschrift des damaligen Bürgermeister trägt.

Brisanter Vertragspassus

Ein weiterer Passus dieses Vertrags indes birgt durchaus Brisanz. Denn das damalige Reichsbahnbetriebsamt hat sich darin einer Verpflichtung unterzogen: „Dieser Vertrag gilt für die Dauer des gegenwärtigen Krieges. Spätestens sechs Monate nach Beendigung des Krieges hat die Deutsche Reichsbahn auf eigene Kosten die Zelle zu entfernen“, heißt es dort unmissverständlich. Das jedoch ist nie geschehen, bis heute nicht, 75 Jahre nach Kriegsende.
Gretel Kemper erinnerte sich dabei an lange, harte Verhandlungen mit der Bahn, die ihr inzwischen verstorbener Ehemann Herbert geführt hat, als es um die längst stillgelegte Bahnstrecke nach Freudenberg ging, die durch das Kempersche Fabrikgelände führte, und kam auf eine Idee.
Sie schrieb der Bahn einen ausführlichen Brief. Darin weist sie auf den Vertrag hin und die Kosten, die durch einen Rückbau entstehen würden, den sich die Deutsche Bahn als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn stets gespart hat. Sie schlägt darin vor, dass ersatzweise das für den Rückbau aufzuwendende Geld an die Kirchengemeinde gezahlt wird, um damit zumindest einen Teil der Mauersanierung zu bezahlen: „Mein Hauptziel ist es, Sympathie für diese kleine Kirche zu wecken, damit sie erhalten bleibt. Brauchen tun wir sie in Olpe nicht, aber ich finde es ganz wichtig, sie zu erhalten.“
Eine Antwort der Bahn steht noch aus – wer Gretel Kemper kennt, der weiß, dass sie das nicht auf sich beruhen lassen wird. Das ehemalige Reichsbahnbetriebsamt übrigens gibt es zumindest als Gebäude noch – es gehört ironischerweise seit vielen Jahren der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus…

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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