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Karnevalszeitung aus dem Jahr 1907 aufgetaucht
Hoffentlich hatte der dicke Brüller Humor

Hugo Mescheder und Gerd Kaiser freuen sich über die Fundstücke aus Mudersbach.
  • Hugo Mescheder und Gerd Kaiser freuen sich über die Fundstücke aus Mudersbach.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Peter Helmes (Redakteur)

damo Brachbach. Allzu zimperlich war er nicht, der selbsternannte Redakteur Peter Lustig. Insbesondere beim Verfassen der fiktiven Kleinanzeigen dürfte er eine Menge Spaß gehabt haben. Beispiel? Gerne: „Empfehle mich, besonders in angetrunkenem Zustande, als Unflat und Krakeeler in Gesellschaften, Theater und Bällen – Clemens, der dicke Brüller.“
Ob besagter Clemens seine Anzeige im Brachbacher „Dorfbesen“ lustig fand, ob er peinlich berührt war oder sich gar auf die Suche gemacht hat, wer sich hinter dem Pseudonym Peter Lustig versteckt? Man weiß es nicht – die Episode ist 113 Jahre her. Denn erschienen ist die vierseitige Karnevalszeitung im Jahr 1907.
Aufgetaucht hingegen ist sie erst vor einigen Wochen – und zwar als klassischer Dachbodenfund.

damo Brachbach. Allzu zimperlich war er nicht, der selbsternannte Redakteur Peter Lustig. Insbesondere beim Verfassen der fiktiven Kleinanzeigen dürfte er eine Menge Spaß gehabt haben. Beispiel? Gerne: „Empfehle mich, besonders in angetrunkenem Zustande, als Unflat und Krakeeler in Gesellschaften, Theater und Bällen – Clemens, der dicke Brüller.“
Ob besagter Clemens seine Anzeige im Brachbacher „Dorfbesen“ lustig fand, ob er peinlich berührt war oder sich gar auf die Suche gemacht hat, wer sich hinter dem Pseudonym Peter Lustig versteckt? Man weiß es nicht – die Episode ist 113 Jahre her. Denn erschienen ist die vierseitige Karnevalszeitung im Jahr 1907.
Aufgetaucht hingegen ist sie erst vor einigen Wochen – und zwar als klassischer Dachbodenfund. Der Bürgerverein Mudersbach hatte nochmal um Erlaubnis gebeten, auf dem Dachboden der ehemaligen Gaststätte Zöller stöbern zu dürfen, schließlich waren dort vor Jahren einige alte Glasplattenfotos aufgetaucht. Und auch diesmal gingen die Heimatfreunde nicht mit leeren Händen nach Hause.
Denn sie sind auf uralte Karnevalszeitungen gestoßen. Und weil die Zeiten längst vorbei sind, in denen Brachbacher und Mudersbacher vor allem mit den Fäusten kommuniziert haben, landeten die alten Schätze da, wo sie hingehören: beim Heimatverein Brachbach. Bernhard Steiner lieferte sie bei Gerd Kaiser, dem Vorsitzenden der Heimatvereins „Glück auf“, ab. Und der ist ausgesprochen dankbar für die Unterstützung aus dem Nachbarort.
„Seit vielen Jahren haben wir ein super Verhältnis zu den Mudersbachern“, freut sich Kaiser im Gespräch mit der SZ: „Wenn es etwas auszutauschen gibt, denkt jeder an den anderen.“ So auch diesmal, und seitdem hat der Heimatverein seine Sammlung der alten „Dorfbesen“ deutlich erweitern können. Bislang gab es einige Exemplare aus den 1950er-Jahren sowie eines aus dem Jahr 1927 – die beiden neuen Fundstücke sind aber viel, viel älter.
Und auch, wenn das Papier reichlich vergilbt ist und der Erstausgabe aus dem Jahr 1907 zwei Seiten fehlen: Das Druckwerk hält genau das, was der Titel verspricht, denn die Hefte fegen all das zusammen, was an Klatsch und Tratsch damals im Dorf kursierte.
Natürlich hat Hugo Mescheder aus der Archivgruppe des Heimtvereins Recht, wenn er sagt, dass die Hefte erst dann ihren vollen Reiz entfalten, wenn man die Anspielungen versteht und die Akteure vor Augen hat. Und das ist freilich angesichts des Alters der Ausgaben kaum noch möglich. Aber zumindest dokumentieren die Karnevalszeitungen den Zeitgeist – und sie zeigen, dass auch damals mit kritischen Augen auf die Verfehlungen der Nachbarn geschielt und anschließend mit spitzer Feder abgerechnet wurde.

Hefte sollen nicht wieder verschwinden

Der Heimatverein will die Hefte nicht wieder verschwinden lassen: Wenn das Heimathaus fertig ist, soll dort bekanntlich ein öffentlich zugängliches Archiv eingerichtet werden. Wer also Lust hat, im Dorfbesen aus dem Jahr 1907 zu schmökern, wird in absehbarer Zukunft die Gelegenheit dazu bekommen.
Darüber hinaus können die alten Hefte sicher auch helfen, wenn der Heimatverein die Arbeit an einer Brachbacher Chronik vorantreibt – auch dieses Projekt wird spätestens dann Fahrt aufnehmen, wenn die Arbeiten im ehemaligen Haus Bender abgeschlossen sind. „Es gibt zwar Chroniken, aber die sind lange nicht mehr aktualisiert worden“, sagt Kaiser. Gemeinsam mit Hugo Mescheder, Christoph Bätzing, Armin Kaiser und Cordula Stark will er genau das ändern.
Vielleicht werden die Chronisten ja bei ihren Recherchen noch ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, was den „Dorfbesen“ angeht. Denn objektiv betrachtet, weiß der Heimatverein über die alten Ausgaben recht wenig: „Wir haben keine Ahnung, wer dahintersteckt. Ob’s ein Verein war, wissen wir nicht. Und auch nicht, ob die Zeitung an alle Haushalte verteilt worden ist“, sagt Kaiser.
An diesem Punkt setzt er auch auf das kollektive Gedächtnis: Vielleicht weiß ja einer der älteren Brachbacher noch mehr über den „Dorfbesen“. Jeder Tipp ist willkommen, sagt Kaiser. Und dass er sich freuen würde, wenn noch weitere Exemplare auftauchen würden, versteht sich von selbst.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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