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Mike Warnecke überwindet Computerspielsucht
"Man ist nie vollkommen geheilt"

Mike Warnecke gründete die neue Selbsthilfegruppe „144 Her(t)z Computerspiele- und Internetsucht“. Als ehemals Betroffener möchte er anderen helfen.
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  • Mike Warnecke gründete die neue Selbsthilfegruppe „144 Her(t)z Computerspiele- und Internetsucht“. Als ehemals Betroffener möchte er anderen helfen.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

mari Olpe.  Nach Schätzungen leiden 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an Computerspielsucht. Es sind mehrheitlich junge und männliche Spieler, die gefangen sind in der virtuellen Realität komplexer Rollenspiele im Internet.
Mike Warnecke aus Kirchhundem war jahrelang ein Risiko-Gamer und weiß heute: „Sucht ist keine Charakterschwäche. Sucht ist eine Krankheit.“ Durch eine Therapie hat der 27-Jährige, der seit 2016 an der Uni Siegen Sozialwissenschaften studiert, wieder einen strukturierten Alltag. Nach seinen schlimmen Erfahrungen möchte er Betroffenen helfen und hat die neue Selbsthilfegruppe „144 Her(t)z Computerspiele- und Internetsucht“ ins Leben gerufen.

mari Olpe.  Nach Schätzungen leiden 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an Computerspielsucht. Es sind mehrheitlich junge und männliche Spieler, die gefangen sind in der virtuellen Realität komplexer Rollenspiele im Internet.
Mike Warnecke aus Kirchhundem war jahrelang ein Risiko-Gamer und weiß heute: „Sucht ist keine Charakterschwäche. Sucht ist eine Krankheit.“ Durch eine Therapie hat der 27-Jährige, der seit 2016 an der Uni Siegen Sozialwissenschaften studiert, wieder einen strukturierten Alltag. Nach seinen schlimmen Erfahrungen möchte er Betroffenen helfen und hat die neue Selbsthilfegruppe „144 Her(t)z Computerspiele- und Internetsucht“ ins Leben gerufen.
„Wir freuen uns, dass Mike Warnecke auf uns zugekommen ist, denn wir hatten zu diesem Thema schon vermehrt Anfragen, und in einer Selbsthilfegruppe ist es leichter, Schwellenangst abzubauen“, so Petra Weinbrenner-Dorff von der Selbsthilfe-Kontaktstelle des DRK-Kreisverbandes Olpe. „Außerdem spielt das Internet eine immer größere Rolle und in Zeiten des Corona-Lockdowns sind die Menschen noch mehr gefährdet, sich zu isolieren und der Online-Spielsucht zu verfallen.“
Wann Mike Warnecke spielsüchtig geworden ist, kann er nicht mehr genau sagen. „Ich hatte mit fünf Jahren meinen ersten Gameboy. Es war ein schleichender Prozess. Wenn meine Eltern mir das Spielen verboten haben, bin ich später mit dem Nintendo rausgegangen. Es gibt immer Wege, weiter zu spielen. Oder man beruhigt die Eltern damit, dass man sich online mit dem Freundeskreis trifft.“

Sogar Suizid möglich

„Ich bin mit 19 Jahren Zuhause ausgezogen, damit ich ungestört spielen kann. Aber es ist nicht jeder, der viel spielt, gleich spielsüchtig. Es kommt auf die Dauer an und darauf, ob man das restliche Leben nicht mehr unter Kontrolle hat und außen vor lässt. Wenn man das Spielen gegenüber anderen Hobbys, der Arbeit und der Familie priorisiert, wenn man Freunde verliert, wenn sich Schulden anhäufen und wenn man körperliche Schäden zulässt. Wenn man trotz negativer Konsequenzen weiterspielt. Spielsucht kann sogar bis zum Suizid führen, wenn man nicht mehr weiter weiß und die Kontrolle über sein Leben verliert.“
Er selbst habe die Kontrolle über sein Leben verloren, gesteht Mike Warnecke. „Die schlimmsten Jahre waren von 2014 bis 2016. Es haben sich Schulden angehäuft, weil ich die Post nicht beachtet habe.“ Um Geld habe er nie gespielt, sondern meistens für sich selbst, und er habe sich auch keinen speziellen Charakter gebastelt. Hauptsächlich habe er „League of Legends“ gespielt.
In dieser schlimmen Zeit absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Als er morgens auf dem Weg zur Arbeit Panikattacken bekam, schob er es auf die Arbeit und brach die Ausbildung ab. Doch es war wohl eher der Gedanke, wegen der Arbeit nicht spielen zu können, der die Panikattacken auslöste. „Zum Glück hat mir damals meine Mutter zu einer Therapie verholfen. In einem Buch, das ich gemeinsam mit meiner Mutter gelesen habe, haben wir erkannt, dass meine Spielsucht der Grund für die Panikattacken war.“

Erstes Treffen am 12. Februar

Mike Warnecke ist froh, dass er den Weg aus der Sucht gefunden hat. Nach langer Abstinenz spielt er inzwischen wieder am Computer. „Das ist ein Punkt, bei dem sich die Wissenschaft spaltet, ob man abstinent bleiben oder das Spielen als Hobby betreiben soll. Ich versuche, es als Hobby zu sehen. Aber man ist nie vollkommen geheilt. Wenn man einmal süchtig war, ist man immer süchtig. Ich habe nicht die Lösung für alles gefunden, habe aber wieder meinen strukturierten Alltag. Das war mir wichtig und dabei hat mir auch die Uni geholfen.“
Um mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, wirkt er seit einem halben Jahr auch im Fachverband „Medienabhängigkeit“ mit. Der aus Experten und Laien bestehende Fachverband vermittelt Referenten, Therapien und definiert politische Zielsetzungen. Er fordert, dass in Deutschland Online-Spielsucht (Gaming disorder) endlich in den Katalog anerkannter Krankheiten aufgenommen wird, wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits im Mai 2019 beschlossen hat.
In der von ihm gegründeten Selbsthilfegruppe „144 Her(t)z“ sind junge Erwachsene ab 18 Jahren willkommen, die das Gefühl haben, ins Raster zu passen. „Wir nehmen aber auch jüngere Menschen auf, wenn ihre Eltern das genehmigen“, so Mike Warnecke.
Das erste Treffen wird am Freitag, 12. Februar, ab 18 Uhr virtuell veranstaltet. Interessenten können sich bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle unter Tel. (0 27 61) 26 43 oder per E-Mail an shk@kv-olpe.drk.de melden. Dort bekommen sie die Zugangsdaten für eine geschützte Plattform. Danach treffen sich die Teilnehmer alle 14 Tage freitags um 18 Uhr, zunächst digital. Wenn es die Verordnungen wieder zulassen, in Räumen des Mehrgenerationenhauses in Olpe.
Wie Julia Duwe, Leiterin von „AufWind“ Wenden des Caritas-Verbandes für den Kreis Olpe, darlegte, ist es auch für Angehörige von spielsüchtigen Menschen wichtig, sich auszutauschen. Ein entsprechendes Angebot gibt es in der Erziehungs- und Suchtberatung. Vermittlungen in entsprechende Einrichtungen oder Suchtkliniken sind auch durch die Selbsthilfe-Kontaktstelle Olpe möglich.

Mike Warnecke gründete die neue Selbsthilfegruppe „144 Her(t)z Computerspiele- und Internetsucht“. Als ehemals Betroffener möchte er anderen helfen.
Ansprechpartner für computerspielsüchtige Menschen und ihre Angehörigen sind Petra Weinbrenner-Dorff von der Selbsthilfe-Kontaktstelle Olpe (r.) und Julia Duwe von „AufWind“ Wenden des Caritas-Verbandes für den Kreis Olpe.
Autor:

Marianne Möller

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