SZ

Neues Medikament
Mukoviszidose-Patienten dürfen hoffen

Mukoviszidose-Patientin Birgit Gerhardus blickt positiv in die Zukunft.

ap  Niederschelderhütte. Es ist einer dieser wohlig warmen Herbsttage im September. Vereinzelte Sonnenstrahlen bahnen sich durch bereits lichte Baumkronen, lassen die Farben der unzähligen Blüten noch einmal so richtig aufleuchten. Ein malerischer Ausblick auf die Siegener Hügel, bunte Blumenbeete dort, leises Vogelgezwitscher im Hintergrund. Ein letztes Mal Energie tanken vor dem Anbruch der ungemütlichen, dunklen Jahreszeit. Und so genießt auch Birgit Gerhardus auf einer der vielen Bänke einfach die Idylle des Siegener Schlossparks.
"Schweres Bleipaket auf der Lunge"„Hier zu sitzen? Das war Anfang des Jahres noch undenkbar.“ Birgit Gerhardus ist unheilbar krank, war zeitweise sogar zu erschöpft, um das Haus zu verlassen. Sie hat Mukoviszidose, eine angeborene Stoffwechselerkrankung.

ap  Niederschelderhütte. Es ist einer dieser wohlig warmen Herbsttage im September. Vereinzelte Sonnenstrahlen bahnen sich durch bereits lichte Baumkronen, lassen die Farben der unzähligen Blüten noch einmal so richtig aufleuchten. Ein malerischer Ausblick auf die Siegener Hügel, bunte Blumenbeete dort, leises Vogelgezwitscher im Hintergrund. Ein letztes Mal Energie tanken vor dem Anbruch der ungemütlichen, dunklen Jahreszeit. Und so genießt auch Birgit Gerhardus auf einer der vielen Bänke einfach die Idylle des Siegener Schlossparks.

"Schweres Bleipaket auf der Lunge"

„Hier zu sitzen? Das war Anfang des Jahres noch undenkbar.“ Birgit Gerhardus ist unheilbar krank, war zeitweise sogar zu erschöpft, um das Haus zu verlassen. Sie hat Mukoviszidose, eine angeborene Stoffwechselerkrankung. „Das kann man sich vorstellen, wie ein schweres Bleipaket auf der Lunge“, erklärt sie das, was Betroffene wie sie bei jedem einzelnen Atemzug durchleben. Chronischer Husten, ein schwaches Immunsystem, Verdauungsstörungen und Untergewicht sind täglicher Begleiter der rund 10 000 Mukoviszidose-Patienten in Deutschland.
Für Gerhardus waren all die Rückschläge und Einschränkungen sowie die geringe Lebenserwartung bei ihrer Krankheit aber nie ein Grund, aufzugeben. Das wurde belohnt: Anfang des Jahres hatte sie die Möglichkeit, ein neu zugelassenes Medikament zu testen – die einzige Alternative zu einer Lungentransplantation.
Ihre Leidensgeschichte begann bereits in Kindheitstagen. Ständig litt sie unter chronischer Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündungen und hartnäckigen Erkältungen. „Ich durfte nicht ins Freibad, wie all meine Mitschüler, oder aufs Ferienzeltlager, weil ich so oft krank war“, blickt die 54-Jährige aus Niederschelderhütte betrübt zurück. Mit 13 habe sie sich dann einer Lungenoperation unterziehen müssen, danach habe sich ihr Gesundheitszustand kontinuierlich verschlechtert. Ein Infekt nach dem anderen, mehrere Lungenentzündungen, täglich Antibiotika. Aufstehen, Medikamenteneinnahme, inhalieren, eine zeitaufwendige Therapie, frühstücken, ausruhen, Mittagessen, inhalieren, abhusten, wieder ausruhen, zu Abend essen, inhalieren, schlafen. Und das Tag für Tag, Woche um Woche, Monat um Monat, Jahr um Jahr.

Neue Lebensenergie

Doch all dies hat für Birgit Gerhardus seit Pfingsten wegen des „Wundermedikaments“, wie sie es nennt, endlich ein Ende. Wo einst einfaches Treppensteigen oder Staubsaugen kaum noch möglich war, genießt die Mittfünfzigerin heute ihre neugewonnene Lebensenergie in vollen Zügen. „Ich fühle mich einfach wie neu geboren“, sagt Birgit Gerhardus mit funkelnden Augen und einem breiten Lächeln, das selbst ihre FFP3-Maske nicht verdecken kann. Die trägt sie übrigens nicht nur zum Schutz vor Corona-Viren. „Da mein Immunsystem geschwächt ist, habe ich seit der Diagnose auch in der Erkältungszeit oder beim Zug fahren immer eine Maske getragen.“
Seitdem sie das neue Präparat nehme, sei nichts mehr so, wie es mal war, schildert die Betroffene. Sie sei kaum noch erschöpft, könne sogar wandern gehen, endlich E-Bike fahren, Freunde treffen und auch der Haushalt bereite ihr viel Freude. „Ich habe wohl jetzt ein Gefühl davon, wie sich ein normales Leben anfühlen muss. Und das nur, weil ich zweimal morgens und einmal abends eine Tablette einnehme“, sagt sie mit einer euphorischen Stimme, als könne sie es selbst noch nicht ganz glauben.
Ihre neuen Freiheiten könnten nämlich durch das Corona-Virus auch ganz schnell wieder zerstört werden. „Es ist nicht einfach, so eine Infektion zu überleben. Mir geht es gerade so gut, es wäre wirklich gemein, wenn es ausgerechnet mich träfe.“ Deshalb gebe es auch hin und wieder mal Konflikte innerhalb der Familie. „Das ist wie ein Lotteriespiel, wenn man mit mehreren Personen in einem Haushalt zusammenlebt, die ganz normal arbeiten und unter die Leute gehen“, ist Birgit Gerhardus besorgt. Sie sei eben aufgrund ihrer Krankheit viel vorsichtiger und sensibilisierter als andere. „Bei zu viel Leichtsinn um mich herum sage ich dann auch mal was, oder fordere etwas mehr Distanz für mich ein“, konkretisiert sie ihre Bedachtsamkeit.

Yoga und eine Portion Gelassenheit

Außerhalb der eigenen vier Wände meide sie schließlich auch den Kontakt zu anderen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Supermärkten und an Plätzen, an denen viele Menschen auf kleinem Raum zu erwarten sind. „Das geschenkte Leben will ich natürlich nicht so leicht aufs Spiel setzen“, erzählt sie. Was ihr dabei helfe, gegen die alltägliche, immer wieder aufkommende Angst anzukämpfen? Yoga – und eine kleine Portion Gelassenheit.
Die 54-jährige Mukoviszidose-Patientin versucht, positiv in die Zukunft zu blicken und die Dinge einfach mal auf sich zukommen zu lassen: „Ich freu mich über all das, was ich machen kann. Auf Wanderungen, Spaziergänge, Radtouren. Und dass ich endlich wieder spontan sein kann. Alles passiert mit einer gewissen Leichtigkeit. Wie toll das ist, können sich wohl nur wenige vorstellen.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen