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Erinnerungen an eine berüchtigte Wittgensteiner Einbrecherbande
Räuber starben am Galgen

Sieben Räuber: Das ist die Schwarzenauer Bande, die in den 1760er-Jahren umherzieht und die Bürger im Edertal sowie in ganz Wittgenstein in Angst und Schrecken versetzt. Am Ende landen sechs der Diebe am Galgen.
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  • Sieben Räuber: Das ist die Schwarzenauer Bande, die in den 1760er-Jahren umherzieht und die Bürger im Edertal sowie in ganz Wittgenstein in Angst und Schrecken versetzt. Am Ende landen sechs der Diebe am Galgen.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

howe Schwarzenau / Bad Laasphe.  Es ist jener 19. Januar anno 1770, vor 250 Jahren, als die berühmt berüchtigte Schwarzenauer Räuberbande auf dem Laaspher Galgenberg Richtung Puderbach hingerichtet wird. Jahrelang sorgen die üblen Gesellen im Edertal, ja im ganzen Wittgensteiner Land, für Angst und Schrecken. Überall, wo sie auftauchen, kennen sie keine Gnade. Unbarmherzig brechen sie ein, berauben die einfachen wie die reichen Leute, bedrohen sie mit Waffen. Nun hat alles ein Ende. Das Gericht verkündet die „betrübte Nachricht von der großen Exekution“, eine hierzulande außergewöhnliche Hinrichtung einer starken Diebesbande. Angeführt wird sie von Friedrich Martin Braun, ein Bader und Barbier, der sich sogar zu Hofe auf Schloss Wittgenstein einschmeichelt und des Grafen Bart rasiert.

howe Schwarzenau / Bad Laasphe.  Es ist jener 19. Januar anno 1770, vor 250 Jahren, als die berühmt berüchtigte Schwarzenauer Räuberbande auf dem Laaspher Galgenberg Richtung Puderbach hingerichtet wird. Jahrelang sorgen die üblen Gesellen im Edertal, ja im ganzen Wittgensteiner Land, für Angst und Schrecken. Überall, wo sie auftauchen, kennen sie keine Gnade. Unbarmherzig brechen sie ein, berauben die einfachen wie die reichen Leute, bedrohen sie mit Waffen. Nun hat alles ein Ende. Das Gericht verkündet die „betrübte Nachricht von der großen Exekution“, eine hierzulande außergewöhnliche Hinrichtung einer starken Diebesbande. Angeführt wird sie von Friedrich Martin Braun, ein Bader und Barbier, der sich sogar zu Hofe auf Schloss Wittgenstein einschmeichelt und des Grafen Bart rasiert. 36 Jahre ist „Bader Braun“ nur alt geworden, jetzt hängt er am Strick – weithin sichtbar für das Volk und die zahlreichen Schaulustigen.

Schwester mit dem Schwert enthauptet

Daneben findet das Leben des Maurermeisters Georg Imbach ein jähes Ende am Galgen. Er ist mit 48 der älteste im Bunde der Bande. Zu den Räubern gehört auch Nikolaus Arnold, ein gelernter Kannengießer, Blechschmied und Spindeler, 34 Jahre jung an Jahren. Ebenso seine Schwester Margarete, die einen Neuhaus geheiratet hat und über die ein noch schärferes Urteil gesprochen wird. Der Henker enthauptet sie mit dem Schwert – die 36-jährige Räuberin, die das Gericht während ihres Verhörs auslacht. „Des Arnolds Schwester hingegen nahm eine ganz andere Gestalt an“, schreibt der Regierungsrat Joachim Friedrich Brandenburg in einem eigens verfassten Schriftstück, „und verriet bei allem an sie getanen scharfen Fragen und dabei durchgehends angenommener Freundlichkeit, lächelnden Minen und Schwatzhaftigkeit das Wesen eines liederlichen Weibsbildes und einer Coquette, wie sie es denn auch in der Tat war.“ Das Schicksal des Galgens wiederum ereilt den Hatzfelder Heinrich Kasper Bätzel,
40 Jahre, und den 35-jährigen Paul Eckel aus Schwarzenau.
Allein Bätzels Bruder Johann kommt mit dem Leben davon. Er sagt vor Gericht unter Tränen aus, dass ihn der Bader Braun nur angestiftet und verführt habe. Johann Bätzel wird an den Pranger gestellt und erhält mit einem Bündel Birkenreisig etliche Staupenschläge auf den Körper. Schließlich wird Johann Bätzel des Landes verwiesen, seine Spur verliert sich.

Mit „großer Frechheit und roher Gewalt“

Die Schwarzenauer Räuberbande geht gezielt vor, plant jeden Einbruch und jeden Diebstahl. Dazu schwärzen die Männer und die Frau ihre Gesichter, sie verkleiden und vermummen sich. Bei ihren Überfällen tragen sie geladene Flinten und Pistolen, führen reichlich Munition mit sich und benutzen schwere Werkzeuge. Die Häuser der Opfer werden mit bewaffneten Komplizen umstellt, Fenster werden eingeworfen, Türen gewaltsam zerschlagen. Hausbewohner hält man die Waffe vor.
13 Diebstähle wirft das oberste Halsgericht auf Schloss Wittgenstein den Räubern vor. Mit „großer Frechheit und roher Gewalt“ gehen die Diebe bei ihren zumeist nächtlichen Streifzügen vor. Leidtragende sind der Müller Johann Daniel Bräuer von der Dotzlarer Mühle, die Witwe des Knopfmachers Fritz, die Polyxena Sonneborn, der Wirt Johannes Renno, der Samuel Weyl, die Frau von Werkamp, der Conrad Pfeil sowie der Conrad Benner und die Familien Büschel und Schneider.
Daneben wüten die Räuber auch außerhalb von Schwarzenau. Jedoch lässt das Gericht die unzähligen, weiteren Einbrüche und Diebstähle außer Acht. Wie formuliert es Regierungsrat Brandenburg: „Die alle aufzuklären, das ist ein Geschäft für viele Männer und dazu gewachsene, fleißige, kluge und unermüdete Räte.“ Dennoch: Der Wirt Dürbeck aus Schwarzenau, die Witwe Holzapfel, der Conrad Bald vom Stünzel, der Johannes Gerhard aus Laaspherhütte, der Pächter Elisas Grabe aus der Erndtebrücker Hauptmühle, der Alexander Weber vom Heiligenborn oder der Johannes Schneider aus der Elsoffer Mühle – sie alle werden in gleicher Zeit bedroht und bestohlen. Womöglich von der Schwarzenauer Räuberbande. Das Gericht geht übrigens clever vor, nimmt zuerst die Räuber allesamt vom Wesen her unter die Lupe und erkennt in Paul Eckel denjenigen Übeltäter, der wohl am ehesten auspacken würde. Ausgerechnet der skrupellose Eckel, der dem jüdischen Krämer Samuel Weyl mit einem Beinschuss arg zusetzt und den Rabbiner im Bett in Schach hält. Sogar des Knopfmacher Fritz‘ Ehefrau bewacht er an deren Bett mit der Waffe. Eckel sagt aus, nennt sogar die Mittäter. Im August 1768 klaut er gemeinsam mit dem Hatzfelder Schäfer Johann Daniel fünf Hammel. Die werden später auf eine Beddelhäuser Wiese gebracht. Eckel soll weitere, größere begangen haben. Dazu verhört man ihn, 40 Zeugen werden geladen.
„Und so spürte man mit einem, ohne Ruhm zu melden, anhaltenden Fleiß und Eifer immer weiter nach, bis man endlich hinter die rechten Sprünge kam, ihn auch bei dem Verhör so in die Enge trieb, dass er selbst in denen Akten gestehen musste: Er wüsste nach gerade nicht mehr, was er sagen sollte, er sei ganz blind und ihm alles dunkel vor Augen, ja er sei ganz verstockt“, schildert Regierungsrat Brandenburg.
Langsam aber sicher kommt das Gericht der Bande auf die Schliche. Beim Maurer Imbach werden eine schwere Flinte, ein starker Säbel und verschiedene kleine Beutel mit Pulver, Hagel, Schrotkörnern, Blei und Kugeln gefunden. Beim Schwarzenauer Wirt Renno gehen die Übeltäter besonders hart zu Werke. Sie stehlen 82 Reichstaler aus dem Schrank, verwüsten alles und schlagen sogar auf Rennos Ehefrau ein. Als die um Gnade fleht und bittet, ihr Kindlein in der Wiege zu verschonen, reißt es der Räuber Arnold heraus und wirft das schreiende Geschöpf der Mutter aufs Bett.
Bei der Frau von Werkamp stellen die Räuber eine Leiter an das Kammerfenster. 60 Reichstaler erbeuten sie – Geld, das aus dem Vieh-Verkauf stammt. Wie dreist, forsch und selbstsicher die Diebesbande ist, das stellt sie sogar vor Gericht unter Beweis. Bei der ersten Verhandlung benehmen sich die sieben Angeklagten derart daneben, dass sie mit Schlägen traktiert werden müssen. Nicht, um ein Geständnis zu erwirken, wie der Richter erklärt, sondern „als höchst nötige Züchtigung ihrer Unbändigkeit, Hartnäckigkeit und ihres unerträglichen Frevels.“ Die Maßnahme ist von Erfolg gekrönt: Die Bande gibt klein bei.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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