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Zwei Jahre Haft hinzu "ergaunert"
Smartphones und Konsolen vertickt - aber nicht geliefert

Zwei Jahre Haftstrafte kommen für einen betrügerischen Mann aus Radevormwald hinzu.
  • Zwei Jahre Haftstrafte kommen für einen betrügerischen Mann aus Radevormwald hinzu.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

hobö  Olpe. Abitur, Ausbildung, Studium sind eigentlich Lebensstationen, die nicht mit dilettantischen Gaunereien im Einklang stehen. Den Gegenbeweis lieferte ein 36-jähriger Mann, der sich am Freitag vor dem Olper Schöffengericht wegen gewerbsmäßigen Betrugs bei Verkäufen im Internet zu verantworten hatte.  Da er zu den Online-Angeboten Fotos seines tatsächlichen Personalausweises gestellt und für den Zahlungsverkehr sein persönliches Konto benutzt hatte, kamen ihm die Ermittler schnell auf die Schliche. Lange suchen mussten sie den Missetäter außerdem nicht, weil dieser bereits seit Mai 2018 in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Attendorn einsitzt. Die Taten beging er im offenen Vollzug.

hobö  Olpe. Abitur, Ausbildung, Studium sind eigentlich Lebensstationen, die nicht mit dilettantischen Gaunereien im Einklang stehen. Den Gegenbeweis lieferte ein 36-jähriger Mann, der sich am Freitag vor dem Olper Schöffengericht wegen gewerbsmäßigen Betrugs bei Verkäufen im Internet zu verantworten hatte.  Da er zu den Online-Angeboten Fotos seines tatsächlichen Personalausweises gestellt und für den Zahlungsverkehr sein persönliches Konto benutzt hatte, kamen ihm die Ermittler schnell auf die Schliche. Lange suchen mussten sie den Missetäter außerdem nicht, weil dieser bereits seit Mai 2018 in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Attendorn einsitzt. Die Taten beging er im offenen Vollzug.
Konkret: In vier Anklageschriften wurde dem gebürtigen Rademvormwalder gestern vorgeworfen, zwischen Oktober 2018 und April 2020 Smartphones und Spielekonsolen auf zwei unterschiedlichen Internetplattformen angeboten und an Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet verkauft zu haben. Diese überwiesen dem Beschuldigten jeweils Summen zwischen 230 und 930 Euro, doch die Ware erhielten sie nie. Laut Anklage sei der heute 36-Jährige von Anfang an weder Willens noch in der Lage gewesen, die Geräte zu versenden oder das Geld zurückzubezahlen.

"Ziemlich unsanfte Begegnung"

Der ledige Vater eines zweijährigen Sohnes gab im Gericht zu, dass „alle Taten so stattgefunden haben wie in der Anlage steht“. Er habe Ende 2017 wegen Internet-, Handy- und anderen Konsumverträgen derart hohe Schulden aufgetürmt, dass ihm von keiner Bank mehr ein Kredit gegeben worden sei. Er sei dann an eine „Großfamilie“ geraten, die ihm 4000 Euro zu 50 Prozent Zinsen geliehen habe.
500 Euro hätte er monatlich zurückzahlen müssen, was ihm aber wegen seiner Inhaftierung im Mai 2018 und der einhergehenden Kündigung bei seinem Arbeitgeber nicht mehr gelungen sei. Bei einem Ausgang während des offenen Vollzugs sei es dann zu einer „ziemlich unsanften Begegnung“ mit den „Kreditgebern“ gekommen. „Ich hatte Sorge, die machen mich einen Kopf kürzer.“ Aus dieser Lage heraus, habe er die Betrügereien begangen, um die Schulden bei jener „Großfamilie“ zu begleichen.

Sowohl Staatsanwalt Moritz Faßbender als auch Richter Richard Sondermann machten dem Angeklagten derweil klar, dass dieser Umstand nichts an der Strafbarkeit seiner Taten ändere. Auch nicht der Umstand, dass der 36-Jährige zwei Geschädigten bereits die vollständige Summe zurückgezahlt habe und bei anderen den Schaden mit Ratenzahlungen wieder gutzumachen versuche.
Am Ende der Beweisaufnahme einigten sich die Prozessbeteiligten darauf, die Anklagen auf zehn Fälle gewerbsmäßigen Betrugs zu reduzieren. Nicht zu reduzieren war indes der Auszug aus dem Bundeszentralregister, in dem acht Vorstrafen wegen Betrugsdelikten aktenkundig sind – darunter eine einzige Verurteilung wegen sage und schreibe 45 Betrugsfällen. Die erste Verurteilung erfolgte bereits 2007, die bis dato letzte im Jahr 2018.

Straffällig "immer wenn ein Engpass kam"

„Immer, wenn ein Engpass kam, habe ich Straftaten begangen“, erklärte der Angeklagte. Am Ende habe er angesichts der hohen Schulden resigniert. Die Ansammlung von Betrügereien und Verurteilungen führte dazu, dass der Angeklagte im Mai 2018 in Haft kam und er die einzelnen Freiheitsstrafen in Summe erst im Dezember 2021 verbüßt haben wird.  Und nun hat sich der 36-Jährige zwei weitere Jahre hinter „schwedischen Gardinen“ ergaunert. Denn das Olper Schöffengericht verurteilte den Mann gestern zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zu den bestehenden Jahren hinter Gittern addiert werden. Staatsanwalt Moritz Faßbender hatte zwei Jahre und drei Monate Gesamtfreiheitsstrafe gefordert. Rechtsanwalt Michael Budde aus Dortmund, dem während der Verhandlung ein Unbekannter auf einem Parkplatz unweit des Gerichts ins Auto fuhr und türmte, wies darauf hin, dass der vollumfänglich geständige Angeklagte inzwischen einen „anderen Weg eingeschlagen hat“. Sein Mandant wolle seinen Sohn wiedersehen, bevor der auf eine weiterführende Schule komme. Budde wünschte sich eine Freiheitsstrafe unter der Forderung des Staatsanwalts – eventuell sogar zur Bewährung.

"Krasser Bewährungsversager"

Richter Richard Sondermann machte unmissverständlich klar, dass eine Bewährung absolut nicht vertretbar wäre“, da der Beschuldigte ein „krasser Bewährungsversager“ sei. Die hier verhandelten Taten habe er während des offenen Vollzugs begangen. Da halfen das umfängliche Geständnis und die laut Gericht „unprofessionelle Ausübung der Taten“ wenig.  Am Rande stellte sich noch heraus, dass dem Angeklagten in absehbarer Zeit mindestens vier weitere Verhandlungen wegen Betrugs unter anderem in Karlsruhe, Hamburg und Köln bevorstehen. Diese darf er wieder aus der JVA ansteuern.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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