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Hilfe für Menschen mit Versagensangst
Tanja Antekeuer-Maiworm ist Prüfungstrainerin in Olpe

Tanja Antekeuer-Maiworm

yve Olpe. Gefühlt unzählige Blicke sind auf mich gerichtet. Vor mir liegen Notizen, die ich eigentlich nicht brauche, der „Stoff“ für mein Referat gestern Abend noch fest im Kopf verankert. Jetzt – vor allen Schülern und dem Lehrer – herrscht dort gähnende Leere – Blackout! Diese Situation ist vielen nicht fremd. Prüfungsangst ist keine Randerscheinung, sie ist weit verbreitet, führt zur extremer Nervosität bis hin zu Herzrasen oder gar Panikattacken – mal stärker, mal schwächer.
Oft gesellt sich ein Gefühl von Überlastung, Erschöpfung und die Angst vor Versagen hinzu. Wer darunter leidet, „verbockt“ unnötig viele Tests und Arbeiten, die Fahrschulprüfung, ein Bewerbungsgespräch oder eine Präsentation im beruflichen Kontext.

yve Olpe. Gefühlt unzählige Blicke sind auf mich gerichtet. Vor mir liegen Notizen, die ich eigentlich nicht brauche, der „Stoff“ für mein Referat gestern Abend noch fest im Kopf verankert. Jetzt – vor allen Schülern und dem Lehrer – herrscht dort gähnende Leere – Blackout! Diese Situation ist vielen nicht fremd. Prüfungsangst ist keine Randerscheinung, sie ist weit verbreitet, führt zur extremer Nervosität bis hin zu Herzrasen oder gar Panikattacken – mal stärker, mal schwächer.
Oft gesellt sich ein Gefühl von Überlastung, Erschöpfung und die Angst vor Versagen hinzu. Wer darunter leidet, „verbockt“ unnötig viele Tests und Arbeiten, die Fahrschulprüfung, ein Bewerbungsgespräch oder eine Präsentation im beruflichen Kontext. Doch was tun, wenn ein Leistungsnachweis erbracht werden muss und der Kopf wie leergefegt ist? „Ein Allgemeinrezept gibt es nicht. Das kommt ganz auf die Persönlichkeit, das Umfeld und den Lerntypen an“, sagt Tanja Antekeuer-Maiworm. Hauptberuflich arbeitet sie als Demografie-Beauftragte bei der Stadt Olpe. Jüngst hat sie ihre Weiterbildung zur Prüfungsvorbereitungstrainerin abgeschlossen.

 Aufgaben als unüberwindbarer Berg

Teils fehle es Betroffenen schlichtweg an Motivation – „das kenne ich auch aus meiner Schulzeit“, erinnert sich die 42-Jährige. „Ich habe solange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“, sei ein vielzitierter Spruch, dem auch viel Wahres anhafte. Anstehende Aufgaben türmten sich schnell zu einem unüberwindbaren Berg. Es mangele an Selbstregulation, das Lernen werde mehr und mehr aufgeschoben. „Das ist eine mentale Geschichte“, weiß die Trainerin. Eruiert werden müsse, wie überhaupt gelernt werde und wo – „fühle ich mich wohl an meinem Lernort?“. Manche seien eher die visuellen Lernpersonen, „sie schauen sich das Material einfach an, andere machen sich Notizen, wieder andere lesen sich laut vor.“ Auch der Biorhythmus des Einzelnen spiele eine bedeutsame Rolle, dieser bestimme ganz wesentlich die Leistungskurve. Sich selbst zu aktivieren und sich zur Ruhe zu bringen, könne durch verschiedene Techniken erlernt werden.
Hier kommt Tanja Antekeuer-Maiworm auch ihre Ausbildung zur Stressmanagerin und Schlaftrainerin zugute, die sie im Vorfeld zur Prüfungsvorbereitungstrainerin absolviert hat. „Atemübungen sind hier ganz entscheidend.“ Oder etwas ganz Profanes: Lächeln! Zwei Minuten lang, das befreie aufgestaute Emotionen, setze Glückshormone frei. Negative Gedanken – Sorgen, Zweifel und Ängste – bestimmten schließlich den Gesichtsausdruck. „Ein Lächeln und eine positive Körperhaltung kann eine unangenehme Aufgabe in eine angenehme Aufgabe umwandeln.“ Ein kleiner Tipp sei auch, eine Arbeit mit dem Stift zu schreiben, mit dem zuvor gelernt worden sei.

Guter Schlaf ist trainierbar

„Prüfungsangst bedingt auch Schlafstörungen“, dabei sei die Tiefschlafphase entscheidend für das Transportieren von Informationen in das Langzeitgedächtnis. „Wenn das Stresshormon Cortisol noch im Körper herumschwirrt, kann niemand zur Ruhe kommen. Davon betroffen sind ja Menschen aller Generationen.“ Guter Schlaf sei trainierbar. Tanja Antekeuer-Maiworm bringt hier unter anderem Meditationsübungen oder progressive Musikentspannung zur Anwendung. Und wenn es mit dem Schlafen so gar nicht klappen will? „Aufstehen“, rät die 42-Jährige. „Aber nicht auf das Sofa wechseln und sich einkuscheln.“ Das Gehirn müsse gelangweilt werden. „Am besten macht man das, was einem gar nicht gefällt.“ Eine ihrer Kursteilnehmerinnen greift nach einem Buch, welches sie so gar nicht mag, eine andere stellt sich ans Bügelbrett.
Aus Erfahrung weiß Tanja Antekeuer-Maiworm dass mitunter Visualisierungen helfen, den Lernprozess zu unterstützen. „Wie fühlt es sich an, eine Prüfung zu schaffen?“ Detailliert sollte sich diese Vorstellung ausgemalt werden, damit der Kopf positive Bilder produziere. „Manchmal ist es aber eher sinnvoll, ein Worst-Case-Szenario zu erstellen – Katastrophisieren ist das Stichwort.“ Wie sieht die Definition des persönlichen Albtraums aus? Wer die Angst definiere, lerne sie auch zu überwinden. „Oft steckt beim Aufschlüsseln der Gedankenspirale gar nicht viel Wahrheit hinter dem Szenario“, so die 42-Jährige. Und führe einhergehend zu der Erkenntnis, dass eine vermasselte Prüfung kein Weltuntergang sei.
In Kürze tritt die Trainerin an heimische Bildungseinrichtungen heran, um bei Bedarf Schülerinnen und Schüler mit Prüfungsangst auf anstehende Klausuren vorzubereiten. Zum Herbst/Winter hin, damit auch die Abiturienten die Methoden des Coachings in der Reifephase bis zum Abschluss noch nutzen können. Möglichst in der Gemeinschaft und in Räumlichkeiten der jeweiligen Schulen oder des Berufskollegs. „Dann erkenne ich, dass ich nicht alleine mit meinem Problem bin.“ Weiter bestehe die Chance, die Schule nicht als Stressfaktor, sondern als einen Ort der Entspannung wahrzunehmen.

Einmaliges Angebot

Im Olper Rathaus ist Tanja Antekeuer-Maiworm schon länger aktiv und schult ihre Kolleginnen und Kollegen während der Mittagspause in puncto Stressmanagement. Diverse Kurse bietet sie nebenberuflich in Kooperation mit dem „Wohngut Osterseifen“, dem Kreissportbund und der Volkshochschule an. Dafür hat sie das Label „Green Growing Panda“ entwickelt, unter diesem sie nun auch als Prüfungsangsttrainerin tätig ist. Ein Angebot, das laut der 42-Jährigen im Kreis Olpe in dieser Form bislang einmalig ist und welches den einen oder anderen wieder mehr zum Lächeln bringen könnte.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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