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Feuchtbiotope werden immer weniger
Verein in Katzwinkel hilft Amphibien

Klein und wählerisch: Wie alle Amphibien, hat auch der Laubfrosch klare Vorstellungen davon, wie für ihn ein optimaler Lebensraum aussieht.
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  • Klein und wählerisch: Wie alle Amphibien, hat auch der Laubfrosch klare Vorstellungen davon, wie für ihn ein optimaler Lebensraum aussieht.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

damo  Katzwinkel. Die alte Makler-Weisheit, dass es drei wichtige Güte-Kriterien für Immobilien gibt (Lage, Lage und Lage), gilt auch in der Welt der Amphibien. Zwar mag aus Sicht des Menschen jeder kleine Teich ein Krötentümpel sein – aber das sehen Grasfrosch und Gelbbauchunke, Erdkröte und Bergmolch ganz anders. Der eine legt seinen Laich lieber in warme Pfützen, der andere braucht tiefe Teiche. „Allein in unserer Region benötigen die unterschiedlichen Amphibien acht verschiedene Gewässertypen“, sagt Peter Merzhäuser vom Verein „Ebertseifen – Lebensräume“.
Und nicht nur, was die Wahl ihres Lebensraums angeht, steckt in Fröschen und Kröten weit mehr Diva, als man vermuten würde. Sie sind nämlich sehr, sehr empfindlich.

damo  Katzwinkel. Die alte Makler-Weisheit, dass es drei wichtige Güte-Kriterien für Immobilien gibt (Lage, Lage und Lage), gilt auch in der Welt der Amphibien. Zwar mag aus Sicht des Menschen jeder kleine Teich ein Krötentümpel sein – aber das sehen Grasfrosch und Gelbbauchunke, Erdkröte und Bergmolch ganz anders. Der eine legt seinen Laich lieber in warme Pfützen, der andere braucht tiefe Teiche. „Allein in unserer Region benötigen die unterschiedlichen Amphibien acht verschiedene Gewässertypen“, sagt Peter Merzhäuser vom Verein „Ebertseifen – Lebensräume“.
Und nicht nur, was die Wahl ihres Lebensraums angeht, steckt in Fröschen und Kröten weit mehr Diva, als man vermuten würde. Sie sind nämlich sehr, sehr empfindlich. Das ist vor allem ihrer Haut geschuldet: „Sie sind praktisch von einer Schleimhaut umgeben“, sagt Merzhäuser. Diese gilt als diffusionsoffen, und das heißt leider auch: Unzählige Giftstoffe wandern quasi ungefiltert ins Innere der Amphibien. Die Konsequenzen sind nach Aussage des Naturschützers verheerend: „Alle reden über Insektensterben und den Rückgang der Vögel. Aber um die Amphibien steht es viel schlimmer.“
Neben Pestiziden, anderen Umweltgiften und einem eingeschleppten Schadpilz wird der Amphibienbestand hierzulande vor allem durch das Wegbrechen geeigneter Lebensräume dezimiert. „Biotopzerstörung spielt eine ganz große Rolle“, sagt Merzhäuser. „Und gerade die Feuchtbiotope werden immer weniger.“

Nachzuchtprogramm läuft

Für den Verein „Ebertseifen“ ist das nicht nur ein Grund zur Klage, sondern vor allem ein Handlungsauftrag: Seit etlichen Jahren arbeiten die Ehrenamtler daran, die Überlebenschancen der Amphibien zu verbessern. Zum einen läuft auf dem Hof Ebertseifen schon lange ein Nachzuchtprogramm: Arten, die früher in unserer Region heimisch waren, werden nachgezüchtet und ausgewildert. Zum anderen aber schafft der Verein geeignete Biotope – und zwar möglichst viele.
Denn Amphibien besiedeln neue Lebensräume nach dem Zufallsprinzip: Von ihrem Geburtsgewässer aus machen sich Kröten und Frösche sternförmig auf den Weg. Unzählige bleiben auf der Strecke, weil sie z. B. einem Graureiher begegnen oder eben am Ende ihrer Kräfte kein geeignetes Biotop gefunden haben. Das ist Teil der normalen Biologie – unnormal ist nur, wie klein die Chancen mittlerweile sind, einen neuen Lebensraum zu erschließen.
An dieser Stelle setzt der Verein „Ebertseifen“ an. Die Initiative baut seit Jahren ein Mosaik aus geeigneten Lebensräumen auf. Dabei setzt der Verein auf das Trittstein-Prinzip: Die Flächen sollten nicht zu weit voneinander entfernt liegen – schließlich „schaffen viele Amphibien in ihrem Leben nicht mehr als anderthalb, zwei Kilometer“.

Netzwerk von Flächen angeeignet

Mittlerweile hat sich der Verein ein Netzwerk von Flächen angeeignet, das rund 35 Hektar umfasst. Darunter sind Streuobstwiesen, Magerwiesen, Waldstücke – aber eben auch Feuchtwiesen und Bachtäler. Und dort, wo es geht, werden neue Feuchtbiotope angelegt. Auch in diesem Jahr hat der Verein wieder einige neue Flächen gekauft, darunter eine im Tal des Löcherbachs und eine in Hahnhof bei Niederfischbach. Und dank des Baggers von Vereinsmitglied Thomas Kaiser sowie des ehrenamtlichen Engagements vieler Vereinsmitglieder sind auch in diesem Sommer wieder neue Tümpel und Teiche entstanden.
All das trägt bereits Früchte – wer’s nicht glaubt, sollte sich einfach das vielstimmige Froschkonzert am Hof Ebertseifen, in den Hähner Fuhren oder am Tüschebachsweiher anhören. Oder einen Blick nach Süddeutschland richten: Dort wächst seit dem Jahr 2005 der Biotopverbund Bodensee der Heinz-Sielmann-Stiftung. Und einer der geistigen Väter dieses Großprojekts, der renommierte Biologe Prof. Dr. Peter Berthold, ist überzeugt: „Biotopverbünde sind ein erfolgreiches Mittel gegen den Artenverlust. Für die Zukunft ist es wichtig, dass viele Nachahmer gefunden werden und das Konzept bundesweit umgesetzt wird.“ Erdkröte und Co. würden diese Aussage sicher unterschreiben.

Klein und wählerisch: Wie alle Amphibien, hat auch der Laubfrosch klare Vorstellungen davon, wie für ihn ein optimaler Lebensraum aussieht.
Im Umkreis von Niederfischbach – wo mit dem Tüschebachsweiher eines der wichtigsten Ebertseifen-Biotope liegt – hat der Verein etliche Flächen erworben.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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