Erweiterung eines Autobahnrastplatzes beschäftigt LWL-Archäologen
Zentimeterarbeit mit der Kelle

Diese Tonscherbe wurde auf der Ausgrabung gefunden. Die Muster darauf stellen die Archäologen noch vor Rätsel, was das Alter des Fundes betrifft.
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  • Diese Tonscherbe wurde auf der Ausgrabung gefunden. Die Muster darauf stellen die Archäologen noch vor Rätsel, was das Alter des Fundes betrifft.
  • Foto: Autobahn Westfalen/Anton Kurenbach
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sz Olpe/Werl.  „Sowas haben wir hier in der Region sonst noch nicht gefunden!“ Zufrieden hält Archäologe Phillip Robinson eine Tonscherbe mit kleinen Wellenmustern hoch. Im Hintergrund rauschen die Lkw an der Rastanlage Haarstrang-Süd im Süden der Autobahn 44 vorbei. Robinson steht zwischen Bergen aus Erde, zwischen tiefen Gruben im Lehm und fast könnte man meinen, der für 2022 geplante Ausbau des Rastplatzes habe bereits begonnen.

Tatsächlich aber sind hier Archäologen der Firma Eggenstein-Exca im Auftrag der Autobahngesellschaft Westfalen und unter fachlicher Begleitung durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Werk, die eine alte Hofstätte ausgraben. Wie alt? „Zwischen der vorrömischen Eisenzeit und der frühen Kaiserzeit“, schätzt Dr. Eva Cichy, wissenschaftliche Referentin bei der LWL-Archäologie in Olpe. Oder, für Laien ausgedrückt: „Etwa zwischen 800 vor bis 200 nach Christus.“

Experten hoffen auf weitere Funde

Rund 30 Menschen dürften einst hier gelebt haben – viel geblieben ist davon nicht, zumindest nicht für das ungeschulte Auge. „Hier sieht man eine Verfärbung. Da hat mal ein tragender Pfosten gestanden, der ist natürlich längst nicht mehr vorhanden“, erklärt Archäologe Robinson. „Der schwarze Ton ist Asche – möglicherweise hat der Pfosten sogar gebrannt.“

Das Expertenteam hofft, weitere Spuren zu finden, ein möglichst genaues Bild vom Leben vor 2000 Jahren zu zeichnen. Es ist Zentimeterarbeit mit der Kelle, die geleistet werden muss, um ja keine Funde zu zerstören. Aber wie kommt man überhaupt darauf, an so einer Stelle zu graben? „Die Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie wird als Träger öffentlicher Belange über alle Baumaßnahmen im Regierungsbezirk Arnsberg informiert, natürlich auch von der Autobahn Westfalen“, erklärt Cichy. „Dann gleichen wir ab: Hat es dort bereits Funde gegeben? War der Standort für eine Ansiedlung günstig?“

Ein schwieriges Puzzle

Hier an der A 44 kommen gleich mehrere Dinge zusammen. Der Boden ist fruchtbar. Einst floss hier ein Bach, der Frischwasser bot. Zudem wurden bereits Scherben auf der nördlichen Seite der Autobahn gefunden. Und das Gehöft stand nahe am Hellweg, einer antiken Handelsroute, deren Ursprünge möglicherweise sogar in der Steinzeit liegen.

Von weiten Reisen freilich konnten die Menschen auf dem Hof nur träumen. Ihre Keramik war hausgemacht, selbstgebrannt, nicht auf Anhieb einzuordnen. Für die Archäologen ein schwieriges Puzzle, Funde aus anderen Regionen würden die Datierung einfacher machen. Sie haben aber bereits weitere Wochen eingeplant, um die Grabungen fortzuführen. Möglich macht das der Gesetzgeber: Wer in Nordrhein-Westfalen baut, ist grundsätzlich verpflichtet, die Dokumentation archäologischer Stätten zu finanzieren.

Auch beim zukünftigen Ausbau der A 44 wird es Arbeit geben, erklärt Archäologe Robinson, während er die Tonscherbe in den Fundbehälter zurücklegt: „Diese Autobahn ist und bleibt ein archäologischer Hotspot.“

Autor:

Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

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