Altes Denkmal fristet in Daaden ein Schattendasein

Gedenkstein vor 130 Jahren errichtet/Erinnerung an Gefallene

mey Daaden. Ein Schattendasein im wahrsten Sinne des Wortes führt ein alter Gedenkstein in Daaden: Unter den hohen Tannen »in der Ley«, wohin sich kaum ein Sonnenstrahl verirrt, befindet sich ein Denkmal für die Gefallenen der Kriege der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Inschriften sind verwittert; verschiedene Risse im Gestein lassen die Spuren erkennen, die der Zahn der Zeit hinterlassen hat.

Die Geschichte des Gedenksteins begann vor 130 Jahren. Die drei Jahre zuvor erfolgte deutsche Reichsgründung unter der Vorherrschaft Preußens hatte ein neues Nationalgefühl hervorgerufen. Kaiserfeste hatten Hochkonjunktur. In Kriegerfesten wurde insbesondere an die gewonnenen Kriege Preußen-Österreich (1866) und Deutschland-Frankreich (1870/71) erinnert und der »Sedanstag« (1. September) zum Feiertag erklärt. Ganz im Geist jener Zeit errichtete die Bürgermeisterei Daaden am 2. September 1874 »für ihre gefallenen Söhne« einen Gedenkstein. 18 Namen von »für den König und das Vaterland« gefallenen Soldaten aus den Orten des Amtes Daaden, zu dem damals auch die Gemeinde Herdorf gehörte, wurden in den Stein eingemeißelt: vier ließen ihr Leben in der preußisch-österreichischen Auseinandersetzung und 14 fielen in dem deutsch-französischen Krieg. »Schön und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben«, heißt es auf der Rückseite des Denkmals, obwohl vermutlich keiner der 18 Soldaten seinen frühen Tod so gesehen hat.

Der Gedenkstein erhielt damals seinen Platz mitten im Dorf vor dem Haus Ebener (genannt »Honds«); heute befindet sich an dieser Stelle die Hauptkreuzung der Landesstraßen. Bis zur Anlegung des Marktplatzes in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts war der Platz vor dem Denkmal der einzige dieser Art im Ort und somit Treffpunkt bei offiziellen Anlässen.

In der Mitte der 30er Jahre musste das Denkmal der Straßenverbreiterung in diesem Bereich weichen. Es fand einen neuen Platz außerhalb des Dorfes an dem Weg zum damals neuen Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf der »Daadener Ley«.

Der jetzt etwa 70 Jahre währende Standort außerhalb des Ortes hat dazu geführt, dass vielen nicht mehr bekannt ist, an wen und an was der Gedenkstein erinnert. Auch wenn heute niemand mehr den Tod eines Soldaten schön und ehrenvoll findet und an die Stelle des ehemaligen Feindbildes der Gedanke der Versöhnung der Völker getreten ist, so hat es das alte Denkmal doch verdient, als Mahnung für den Frieden im Bewusstsein der Bevölkerung zu bleiben und als Zeuge seiner Zeit erhalten zu werden, zumal Gefallenendenkmale aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg eher selten sind und daher als historisch wertvoll angesehen werden dürften.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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