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Zukunft des Stegkopfs
Anlaufstelle für die Ultrarechten?

Heute könnte sich die Zukunft des ehemaligen Lagers auf dem Stegskopf entscheiden: Genießt der Denkmalschutz Priorität, oder haben die Interessen der Gemeinde und ihres Investor mehr Gewicht?
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Emmerzhausen. Heute (Donnerstag, 20. August) um 10 Uhr könnte sich die Zukunft des Stegskopfs entscheiden: Wird aus dem ehemaligen Lager des Truppenübungslagers ein großes Logistikzentrum – oder werden die früheren Militärgebäude als Kulturdenkmäler ausgewiesen? Bei einem Ortstermin mit allen wichtigen Entscheidungsträgern wird diese Frage im Mittelpunkt stehen.
Für die Ortsgemeinde ist das eine Schicksalsfrage: Jahrzehntelang hat die Gemeinde praktisch nichts von ihrem Hausberg gehabt – mal abgesehen von klirrendem Geschirr in den Küchenschränken, wenn oben, im Dauernebel des Stegskopfs, gesprengt und geballert wurde. Jetzt endlich könnte sie den Zugriff erhalten.

damo Emmerzhausen. Heute (Donnerstag, 20. August) um 10 Uhr könnte sich die Zukunft des Stegskopfs entscheiden: Wird aus dem ehemaligen Lager des Truppenübungslagers ein großes Logistikzentrum – oder werden die früheren Militärgebäude als Kulturdenkmäler ausgewiesen? Bei einem Ortstermin mit allen wichtigen Entscheidungsträgern wird diese Frage im Mittelpunkt stehen.
Für die Ortsgemeinde ist das eine Schicksalsfrage: Jahrzehntelang hat die Gemeinde praktisch nichts von ihrem Hausberg gehabt – mal abgesehen von klirrendem Geschirr in den Küchenschränken, wenn oben, im Dauernebel des Stegskopfs, gesprengt und geballert wurde. Jetzt endlich könnte sie den Zugriff erhalten. Und für diesen Fall hat sich die Gemeinde gewappnet: Im April 2019 hatte der Rat nach langen Gesprächen und Diskussionen die Entscheidung getroffen, das Unternehmen Revikon ins Boot zu holen, um dort ein Logistikzentrum zu schaffen.

Eine Jahrhundertchance

Arbeitsplätze, Gewerbesteuer, Grundsteuer: Die Gemeinde würde all das bekommen, was sie schmerzlich vermisst – schließlich erlauben ihr angrenzende Naturschutz- und FFH-Gebiete sowie die Topographie praktisch keinerlei Expansion. Kein Wunder also, dass der frühere Ortsbürgermeister Heinz Dücker, der heute als Beigeordneter für den Stegskopf zuständig ist, von einer Jahrhundertchance spricht.
Allerdings droht diese Chance dahinzuschmelzen wie ein Eis in der Sauna: Kaum zwei Wochen nach dem Richtungsentschluss des Rats wurde Dücker ins Rathaus Daaden eingeladen. Dort wurde er im Mai 2019 in Kenntnis gesetzt, dass schon seit Jahren hinter den Kulissen am Thema Denkmalschutz gearbeitet wurde. Denn bereits 2014 hatte sich die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises erstmals mit dem Thema befasst – und es offenbar nicht für nötig befunden, die Gemeinde zu informieren. Wie diese Kommunikationspanne zu erklären ist, sei dahingestellt; Fakt ist, dass das Thema bis heute nichts an Aktualität verloren hat.

Bundesweites Stöbern in Archiven

Natürlich hat die Gemeinde schon damals reagiert und neben den örtlichen Abgeordneten auch die Mainzer Staatskanzlei informiert: zum einen über die Bedeutung des Stegskopfs für die Gemeinde, zum anderen aber auch darüber, dass sich niemand finden werde, der die Denkmäler in spe in Schuss halten wolle.
Als dann im vergangenen Sommer die Landeskonservatorin in Emmerzhausen anrückte, stellte sich laut Dücker schnell heraus, dass die Informationslage der Landesdirektion Kulturelles Erbe noch ziemlich löchrig ist. Abhilfe hat die Firma Revikon versprochen, und zwar im eigenen Interesse – schließlich ist dem Unternehmen kaum damit gedient, wenn die Mühlen der Bürokratie im Zeitlupentempo mahlen. Also beauftragte Revikon auf eigene Rechnung ein Fachbüro, die Historie des Gebäudebestands zu dokumentieren. Der Gutachter stöberte bundesweit in Archiven, nahm die Gebäude im Lagerbereich in Augenschein und erstellte ein Gutachten. Dieses wird Grundlage des Gesprächs am heutigen Morgen sein.

Keine Anlaufstelle für den "III. Weg"

Der Expertise wollte auch am Mittwoch niemand vorgreifen. Heinz Dücker, der als versierter Kenner des Areals gelten darf, ließ aber keinen Zweifel daran, dass jedes einzelne Haus kaum eine Unterschutzstellung verdiene: Kein Gebäude sei älter als Baujahr 1940, und die Architektur sei keineswegs besonders. Da hat er recht: Die Gebäude bestehen aus Bimssteinen und sind recht simpel mit Holz verkleidet – fertig. Und das Gesamt-Ensemble? Dürfte im Falle einer Aufwertung als Denkmal wohl vor allem Besucher anlocken, die niemand haben will. Denn: Einige der Baracken wurden als erstes Polizeiübungslager des Deutschen Reichs angelegt, entsprechend waren etliche „Größen“ des Dritten Reichs bei der Einweihung zu Gast. „Und wir wollen ganz bestimmt nicht, dass dort oben eine Anlaufstelle für den Dritten Weg entsteht“, sagt Dücker.
Also setzt er viel Hoffnung auf das Gespräch heute Morgen – wohl wissend, dass selbst im Falle einer Einigung im Sinne der Gemeinde noch viele Hürden folgen. Denn sollte wirklich die Bauleitplanung für das Logistikzentrum angestoßen werden, wird die Klage von Harry Neumanns Naturschutz-Initiative nicht lange auf sich warten lassen. Das ist auch Heinz Dücker klar: „Damit müssen wir rechnen. Aber wir werden kämpfen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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