Anschluss ans Daten-Netz oder Mäuse-Autobahn?

damo Emmerzhausen.  Das Urteil von Hans-Jürgen Joswig könnte kaum vernichtender ausfallen: „Das ist ein Witz für eine Firma, ich mache mich einfach lächerlich.“ Was den Unternehmer und Ratsherrn so erzürnt, ist die mangelhafte DSL-Versorgung im Ort. Während anderswo mit 16 000er-DSL auf der Datenautobahn gerast wird, tuckern die Menschen am Fuße des Stegskopfs immer noch auf dem Standstreifen. Joswig kann keine Videokonferenzen abhalten, und detaillierte Skizzen und Pläne, die normalerweise per Mausklick in Sekunden beim Empfänger landen, sind von seinem Emmerzhäuser Schreibtisch aus ewig unterwegs. Also steht für den Geschäftsmann fest: „Wir brauchen schnelles DSL, sonst ist Emmerzhausen für uns kein Standort mehr.“ Und das gelte keineswegs nur für sein Unternehmen, sondern für alle anderen bestehenden und alle möglichen künftigen.

Die Weichen für eine Anbindung an das schnelle Internet sind aber jetzt gestellt: Der Rat hat bei einer Enthaltung einstimmig beschlossen, am DSL-Leerrohrprogramm teilzunehmen. Die Gelegenheit dazu war günstig: Das RWE will bald unterirdische Stromleitungen von Steinches Mühle nach Emmerzhausen verlegen. Mit anderen Worten: Das Loch ist da, die Emmerzhäuser mussten nur entscheiden, auf ihre Kosten ein paar Rohre hinein zu packen. Die Gesamtkosten für Material und Arbeitslohn belaufen sich auf 57 000 Euro; das Land hat aber bereits eine Förderung von 60 Prozent zugesagt, so dass die Gemeinde 22 800 Euro aus eigener Kasse bezahlen muss, informierte Pascal Weyand von der Verwaltung.

Blieb die Frage: Will der Rat in leere Rohre investieren? Ortsbürgermeister Peter Kröller bezog klar Stellung: Er habe sich über alternative DSL-Anbindungen (Satellit, Funk etc.) informiert und für Emmerzhausen keine technisch sinnvolle Alternative ausfindig gemacht. Zwar sei er anfangs skeptisch gegenüber dem Leerrohrprogramm gewesen: Es könne schließlich passieren, dass eine „Mäuse-Autobahn“ geschaffen werde, weil leere Rohre allein noch nichts ändern – nur dann, wenn ein Anbieter Glasfaserkabel verlegt, wird das Dorf ans Highspeed-Internet angeschlossen. Kröller riet mit Blick auf die aktuelle RWE-Baumaßnahme dennoch dazu, dieses Risiko in Kauf zu nehmen: „Wir sollten die Gelegenheit beim Schopfe packen.“ Dem folgte der Rat.

Denn es gibt im Daadener Land durchaus aktuelle Beispiele, die Mut machen: Dort, wo Unternehmer vehement eine DSL-Anbindung gefordert haben, wurde Glasfaser verlegt (siehe Weitefeld und Friedewald). Das führte Bürgermeister Wolfgang Schneider ins Feld. Und so will Kröller jetzt mit den Unternehmern in Emmerzhausen das Gespräch suchen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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