Biersdorfer Naturfreund kamen die Tränen

Tierquäler tötete(n) Meisen- und Kleibernachwuchs im Dreisbachtal/Stockente lag totgetreten am Ufer/Nistkästen mit Pflastersteinen zertrümmert

dima Niederdreisbach. Sanft plätschert der Dreisbach durch das Tälchen oberhalb des Niederdreisbacher Freibades. Vorbei an Wiesen, Weihern und Wald. Eine zitronengelbe Gebirgsstelze ist am Ufer des Fließgewässers unterwegs. Sein Nest hat der seltene Vogel in einem Kasten gebaut. Und der befindet sich auf dem Weihergrundstück, das Karl Heinz Hoffmann seit vier Jahren hegt und pflegt.

Der 53-jährige Naturfreund aus Biersdorf verbringt im Dreisbachtal einen Großteil seiner Freizeit mit purem Naturgenuss. Doch der ist seit Sonntagnachmittag erheblich getrübt. Immer noch fassungslos stand der 53-jährige Naturfreund gestern neben dem Gebirgsstelzennest. Einfach nur Glück gehabt hat der gelbe Vogel, sagt Hoffmann. Im Gegensatz zu den Meisen und Kleibern, die bis zum vergangenen Sonntag ebenfalls inmitten von Hoffmanns kleiner Naturoase wohnten. Kreuz und quer über das Grundstück verteilt hatte der Biersdorfer Nistkästen aufgehängt. Bereits vor Wochen zogen hier Singvögel ein: Meisen und Kleiber bauten Nester, legten Eier und brüteten. Zwei »Hausboote« waren für Hoffmanns Stockenten reserviert. Mitten auf dem Weiher. Keine Chance für Fuchs und Marder. Beide Entenkästen waren bewohnt. Zwei Stockentenmütter erwarteten hier Nachwuchs. Noch in dieser Woche wären die Entenküken geschlüpft, da ist sich Hoffmann sicher. Auch der Kleibernachwuchs war fast erwachsen.

Als der Biersdorfer am Sonntagnachmittag gegen 17.30 Uhr nach den werdenden Entenmüttern schaute, traute er seinen Augen nicht. Meisenkästen samt Nestern, Eiern und toten Jungvögeln trieben im Wasser. Drei fast flügge Kleiber und sieben Meisenkästen waren ertrunken, zwei Kleiber konnte Hoffmann retten. Und eine der beiden brütenden Stockenten lag tot am Ufer. »Mir kamen die Tränen als ich die Stockente sah«, sagt Hoffmann. Der Schnabel des Tieres war auseinandergebrochen und mit einem Fußtritt in den Boden getreten worden. Beide Flügel waren gebrochen. Karl Heinz Hoffmann: »Die Enten waren handzahm. Wurden jeden Tag von mir gefüttert.« Jemand muss den Wasservogel ans Ufer gelockt haben, um ihn dann auf brutale Art zu quälen und zu töten, vermutete der Biersdorfer.

Das Nest mit 13 Eiern, auf denen die Entenmutter seit über drei Wochen brütete, waren längst kalt. Keine Chance für die Entenküken. Der (die) Täter hatten Pflastersteine aus den Wegen gerissen, um damit die Nistkästen von den Bäumen zu holen. Große Kieselsteine lagen überall im Weiher. Hoffmann vermutet, dass der (die) Tierquäler damit die Enten ins Visier genommen haben.

Mittlerweile wurde Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Die Betzdorfer Polizei tappt bisher allerdings noch im Dunkeln.

Ziemlich genau eingrenzen lässt die Tatzeit. Um kurz vor 12 Uhr hatte Heinz Küchhold auf dem Weihergrundstück vorbeigeschaut. »Da war alles noch in Ordnung«, sagt Küchhold. Der (die) Tierquäler müssen also irgendwann zwischen Sonntagmittag und -nachmittag (17.30 Uhr) ihr Unwesen getrieben haben.

Hoffmann wundert sich, dass offensichtlich niemand die Tat beobachtet hat. Eigentlich ist der am Weiher vorbeiführende Wanderweg, der von Niederdreisbach nach Oberdreisbach führt, von zahlreichen Spaziergängern bevölkert. »Schrecklich, schrecklich«, Hoffmann sucht nach Worten und sagt dann: »Ein normaler Mensch macht das nicht.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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