Daaden könnte besser dastehen

Michael Birk meint:

Der SPD-Herausforderer von Bürgermeister Schneider möchte mehr Ideen verwirklichen

goeb Daaden. Zu wenig getan habe sich in den vergangenen acht Jahren in Daaden unter der Führung von Bürgermeister Wolfgang Schneider – das findet jedenfalls sein Herausforderer Michael Birk. In einem Pressegespräch vorgestern Abend im Gasthof Koch legte er die Eckpunkte seines politischen Programms dar. Begleitet wurde der Kommunalpolitiker und Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Kroppach von Reiner Rühmann und Joachim Daub.

Gewählt wird am 22. September

Gewählt wird bekanntlich (zusammen mit dem Bürgervotum zum Bundestag) am 22. September dieses Jahres. Mitte Juli steckt Michael Birk also schon mitten im Wahlkampf, besucht Haushalte und veranstaltet Diskussionsforen. »Wir haben den Eindruck, dass Michael Birk als Kandidat akzeptiert wird und auch als Person gut ankommt«, resümieren Rühmann und Daub die ersten Wochen. Auf die Frage, was in Daaden verbesserungswürdig erscheine, nennt Birk zunächst die Infrastruktur. Birk sieht auf das Daadetal in der Zukunft eine stärkere Verkehrsbelastung zukommen. »Die Frage ist für mich also, wie man hier Abhilfe schaffen kann.« Der SPD-Mann möchte per Studie klären lassen, ob eine Straße als Verbindung zwischen der B54 und der L288 – und zwar auf dem alten Bahndamm – Entlastung bringen könnte. Er selbst verspricht sich enorme Vorteile davon: »Hier verlief ja schon einmal ein Verkehrsweg. Es wäre zum Beispiel nicht nötig, Brücken zu bauen.« Tatsache ist für ihn, dass das Daadetal den Lastverkehr zwischen den neuen Gewerbegebieten am Siegerlandflughafen (interkommunal) und Betzdorf-Dauersberg nicht unbegrenzt aufnehmen kann. Auch das Gewerbegebiet Nauroth/Rosenheim werde eine zunehmend größere Rolle bekommen. Ferner gelte es die Ortslagen von u.a. Weitefeld, Friedewald und Derschen zu entlasten. Birk: »Wir sollten mehr in die kleinräumigen Bereiche gehen und uns fragen, was machbar ist.«

Reiner Rühmann sieht den Straßenbau im Kontext der Pläne zum Bau der Westerwald-Autobahn. Er macht keinen Hehl daraus, dass er dem großen Verkehrsprojekt keine Chancen einräumt. Erste Untersuchungen bestätigten dies.

Neben der Pflege vorhandener Wirtschaftsbetriebe geht es Michael Birk auch um die Ansiedlung neuer Branchen, speziell in der Dienstleistung. Produziert werde im Daadener Land vieles, aber die Dienstleistung friste ein Schattendasein, meint er.

Es mangelt an Fachärzten

Es fehlen darüber hinaus Fachärzte wie Kinderärzte, Augenärzte und Orthopäden. »Das zwingt die Daadener oft zu weiten Reisen.« Über Werbeanzeigen in Fachzeitschriften und günstigen Mietkonditionen gelinge es möglicherweise, Mediziner zur Praxiseröffnung vor Ort zu bewegen. Für eine 12000-Einwohner-Gemeinde jedenfalls sei das Angebot, wie es zurzeit aussehe, nicht befriedigend. Auch Rechtsanwaltskanzleien seien im Daadetal Mangelware.

Blick nach Elkenroth

Der Werbefachmann hält die Werbung für die Region für unzureichend, so macht er deutlich. »Das sind Standardtexte«, so Birk über eine frisch aufgelegte Broschüre, »mit intelligenter Werbung hat das nichts zu tun«. Er blickt zum Vergleich in die Gemeinde Elkenroth. »Wie Daaden früher hat sich Elkenroth bis heute eine starke Klientel an Kurgästen bewahrt.« Sicherlich müsse das Bettenangebot (auch Gastronomie/Wellness) ausgebaut werden, aber was die landschaftlichen Reize und die hübsche Lage mancher Ortsgemeinden angehe, brauche sich das Daadener Land wirklich nicht zu verstecken. »Leider wird das nach außen so gut wie gar nicht kommuniziert.«

Ferienregion Daadener Land

Für die Lebensqualität vor Ort spreche u.a. der Öffentliche Nahverkehr (Bahnanbindung) und das schulische Angebot. Rühmann bringt es auf den Nenner: die Ferienregion sei bereits da.

Während sich Michael Birk mit direkter Kritik an Bürgermeister Schneider ansonsten eher zurückhält, aber keinen Hehl daraus macht, dass für ihn im Falle des Wahlsieges nur ein Wohnort in der VG Daaden in Frage komme, unterstellen Daub und Rühmann dem Bürgermeister Führungslähmung. Rühmann: »Ideen stoßen hier auf Starrheit, Neues wird erst einmal abgelehnt, an den Hebeln der Macht sitzen Bedenkenträger.«

Verspäteter Antrag

Als Beispiel sieht er die Diskussion um die Ganztagsschule. In Daaden sei von allen Gemeinden im Kreis zuerst darüber diskutiert worden. »Nur der Antrag ist zu spät gestellt worden.« Eine riesige Chance, die verpasst worden sei, zumal man mit Minister Bauckhage in Mainz gewiss einen bedeutenden Fürsprecher gehabt hätte. Klassische Lobbyarbeit habe in diesem Feld die SPD geleistet. Zusammen mit Birk habe man bei Ministerin Doris Ahnen in Mainz vorgesprochen.

Befürchtungen, die Leitung einer Verwaltung könnte ihn überfordern, hat Michael Birk nicht. Er verweist auf umfangreiche Erfahrungen in der Kommunalpolitik (z.B. Kreistag, VG-Rat Hachenburg). Er ärgere sich über Verwaltungsleute, die nur in diesen Kategorien denken können, merkt er an. »Für mich kommt es eher darauf an, Ideen zu haben. Ich verstehe Verwaltung als Dienstleistung gegenüber dem Bürger. Tüchtige Verwaltungsleute wollen auch keinen Paragrafenreiter als Chef. Die Leute sollen gern arbeiten, und für die Verbandsgemeinde sollte ein Bürgermeister zu jeder Zeit das Beste herausholen.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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