Dem Leid steht Hoffnung gegenüber

Osterausstellung im Bürgerhaus mit Arbeiten von Brunhild Knautz und Edeltraud Göpel

La Daaden. Die Gegensätze könnten nicht krasser sein. Hier das Licht als Hoffnung, dort das Leid der Vertreibung aus dem Osten. Und dennoch verbinden die Arbeiten in der Ausstellung von Brunhild Knautz (Daaden) und Edeltraud Göpel (Kirchen), die am Samstag im Daadener Bürgerhaus eröffnet wurde, etwas: in beiden Exponaten der Künstlerinnen gibt es Hoffnung und Aufbruchstimmung.

Bei Brunhild Knautz ist es der »Frühling im Gebirge« oder ihr Sujet »Es werde Licht«, bei Edeltraud Göpel in ihren schwarz-weiß-gesandeten Collagen die Erinnerungen, als die Mauer fiel. »Unerwartetes Glück« nannte sie ihre Szene vom Brandenburger Tor, das die Menschen hinter sich lassen, als sie aus der DDR fliehen. Glücklich, die Freiheit zu haben, die sie sich jahrzehntelang gewünscht hatten. Inmitten dieser schreienden, rennenden Menschenmasse das Zitat von Willy Brandt: »Nun wächst zusammen, was zusammen gehört«. Die Hand, die das Seil wie eine Peitsche hält, hängt schlaff herunter. Sinnbild eines zusammengebrochenen Systems, das das wichtigste Gut – die Freiheit – mit Füßen trat.

Wer das Bürgerhaus an den Osterfeiertagen betrat, dessen Blick fiel im Foyer zuerst auf die Arbeiten der Daadenerin Brunhild Knautz, deren Bilder, so Ortsbürgermeister Günter Knautz zur Eröffnung, einem größeren Kreis durch verschiedene Ausstellungen bekannt sind. In ihren neuen, abstrahierten Sujets beschäftigt sich die Daadenerin Brunhild Knautz immer wieder mit den Stimmungen des Lichts. »Abend am Elkenrother Weiher« in Pastell spiegelt die Empfindungen der Daadener wider. Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen in den langsam sich rot verfärbenden Himmel, während der Weiher schon im ersten Nebelschleier versinkt. Das Sonnenlicht scheint sich zu brechen, noch einmal aufzubegehren, bevor es Nacht wird. »Das Licht ist die Sonne, die Sonne ist die Schöpfung« beginnt Brunhild Knautz ihre Empfindungen zu beschreiben. Das Licht spielt auch eine Rolle in »Helle Nacht«. Hier ist es der Mond, der am Himmel durch weiße Wolken noch zart durchscheint und sein Licht zur Erde »sendet«. Das unerschöpfliche Thema Licht, in allen Varianten, spiegelt sich auch wider in ,,Hauberg am Abend« und in »Obstgarten im Gegenlicht«. Ob Morgen- oder Abendrot, die Arbeiten von Brunhild Knautz strahlen eine gewisse positive, lebensbejahende Grundeinstellung aus, stimmen den Betrachter fast heiter. Auch am Ostersamstag, als das Wetter draußen eher an einen kalten, grauen Herbsttag erinnerte.

Ganz anders die Arbeiten von Edeltraud Göpel, die in ihren Collagen ihr persönliches Schicksal verarbeitet. Krieg, Flucht, Vertreibung, das sind ihre anrührenden Themen, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Gestern war es Ostpreußen, heute ist es der Kosovo, der Irak oder Afrika. Immer dort wo Krieg ist, werden Menschen vertrieben, müssen Unschuldige leiden.

Die Technik, die Edeltraud Göpel anwendet, verstärkt den haftenden Eindruck vom Leid in dieser Welt. In einem Arbeitsprozess werden die Collagen mehrfach fotokopiert, gesandet und übermalt. Die Kirchenerin, die bereits in ihrem Heimatort, in Westerburg, in Hachenburg und Düsseldorf ausstellte und Mitglied des Kunstforums Westerwald ist, hat selbst die Vertreibung erlebt. Ihre Familie wurde von 1945 bis Ende 1950 zur Zwangsarbeit von Polen zurückgehalten und bei Besuchen in der DDR erlebte sie später immer wieder, was der Verlust der Freiheit bedeutet. »Flucht und Rettung« nennt sie eine ihrer Arbeiten, oder »Getriebene und Opfer« und in beiden Exponaten steht das Leid und die Hoffnung gegenüber. Schade war eigentlich nur, dass die Ausstellung nur über das Osterwochenende geöffnet war.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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