Der Stegskopf wird »entschärft«

Personalreduzierung um 160 Mann / Den Nerv der Einrichtung getroffen

ruth Emmerzhausen. Der Truppenübungsplatz am Stegskopf musste gestern einen Volltreffer hinnehmen. Was viele befürchtet hatten, ist eingetreten. Die Sparpläne des Bundesverteidigungsministers trafen den Westerwald mit voller Wucht: Der Truppenübungsplatz bei Emmerzhausen verliert 160 Mann und wird künftig nur noch mit 30 Mann besetzt sein. Noch schlimmer traf es die benachbarte Wällerkaserne in Westerburg – sie wird komplett geschlossen, 480 Männer und Frauen verlieren dort ihren Arbeitsplatz. Aus Berlin verlautet, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Doch das hebt bei den teilweise noch recht jungen und durchaus motivierten Mitarbeitern nicht gerade die Stimmung.

Nutzungsänderung

Bei Kommandant Hauptmann Werner Schmidbauer vom Truppenübungsplatz Stegskopf stand gestern das Telefon nicht mehr still. Jeder wollte wissen, wie es mit dem Stegskopf weitergeht. Das konnte Schmidbauer selbst noch nicht so genau sagen. Eine Nutzungsänderung steht im Raum. Sicher ist, dass mit der Umsetzung der Sparmaßnahmen am Stegskopf nicht mehr scharf geschossen werden kann. Von den Einsparungen sind vor allem Teile der Sicherheit, der Schießsicherheit und der Sicherheitsorganisation betroffen, erklärte Werner Schmidbauer. Also genau jenes Personal, das sicherstellt, dass bei den Schießübungen der Truppe niemand verletzt wird, kein Projektil den Truppenübungsplatz verlässt und sich niemand gefährdet fühlen muss.

»Alle Dienststellen sind betroffen«, macht Werner Schmidbauer unmissverständlich klar. Bei einer derartigen Reduzierung der Ist-Stärke ist das kein Wunder. Auch Hauptmann Schmidbauer selbst macht sich Sorgen. »Wenn mir der Aufgabenbereich derart beschnitten wird, dass er nicht mehr seiner ursprünglichen Zielsetzung entsprechen kann, muss auch ich mir Sorgen um meinen Arbeitsplatz hier machen.« Werner Schmidbauer hatte die Leitung des Truppenübungsplatzes erst im Juli dieses Jahres übernommen, als Hauptmann Theo Spelsberg in den Ruhestand ging.

Nachvollziehbarer Schritt

Schmidbauer hat sogar Verständnis für die Maßnahme des Verteidigungsministers. »Ich bin nicht nur Soldat von Beruf, sondern auch Kaufmann. Und als solcher verstehe ich, dass gespart werden muss. Natürlich ist es hart, wenn es mich trifft. Es ist aber auch hart für den, den es in Westerburg, Mendig oder anderswo trifft. Irgendwo muss gespart werden. Ich kann also nicht sagen ,Wieso trifft es gerade mich?’«

Kein scharfer Schuss mehr

Der Stegskopf konnte 750 übenden Soldaten Quartier bieten. Allein für die Schießüberwachung waren jedesmal fünf Feuerwerker im Einsatz. Auf dem Stegskopf wird mit Handwaffen, G3, Pistole und Maschinenpistole geschossen – ein waschechter Infantrieschießplatz. Da das Personal für die Schießsicherheit komplett abgezogen wird, könnte künftig zwar noch mit Übungsmunition geschossen werden, doch das ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass künftig nur noch Truppenteile zu Übungszecken zum Stegskopf kommen und sich bei Hauptmann Schmidbauer die Platzbelegung abholen, um dann in eigener Regie ihre Übung abzuhalten. Die Tradition der Feuerwerker ginge damit auf dem Stegskopf zu Ende.

Ein Schock für Daaden

Bürgermeister Wolfgang Schneider zeigte sich überrascht von den Dingen, die da jetzt auf die Verbandsgemeinde Daaden zukommen. »Das ist schon eine gewaltige Beeinträchtigung für uns. Immerhin hatte der Stegskopf einen Jahresumsatz von rund 10 Mill. e. Auch Schneider hatte bis zuletzt gehofft, dass der »Kelch« am Stegskopf vorüber geht.

Mit Bedauern hat auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Werner Wittlich auf die vom Bundesverteidigungsministerium angekündigte »deutliche Reduzierung« der Truppenstärke am Bundeswehrstandort Stegskopf reagiert.

Wittlich war noch in der Nacht durch einen Anruf des zuständigen Staatssekretärs über die Reduzierung informiert worden. »Heute Vormittag ist in einer Sitzung des Verteidigungsausschusses dann offiziell geworden, dass an der Truppenübungsplatzkommandantur Daaden von den ursprünglich 190 Dienstposten nur noch 30 übrig bleiben werden«, so der Abgeordnete gestern.

»Es ist mehr als schade, dass die Menschen, die sich oft jahrzehntelang bei der und für die Bundeswehr engagiert haben, nun den Sparzwängen der Rot-Grünen-Bundesregierung zum Opfer fallen«, so der Parlamentarier. Sparen sei zwar auch bei der Bundeswehr notwendig, doch dürfe sich dies in Zukunft nicht zu einer »Sicherheitspolitik nach Kassenlage« entwickeln, mahnt Wittlich.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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