Die Turmuhr schlägt noch so wie vor 95 Jahren

Emmerzhausener Grundschule wird am Sonntag 95 Jahre alt / Anfänge des Schulwesens reichen aber schon ins Jahr 1738 zurück

maro Emmerzhausen. Schule in Emmerzhausen – das ist für die Kinder aus dem Ort heute oft bitterer Alltag. So gesehen hat sich innerhalb von fast 300 Jahren gar nicht viel verändert. In der Schulchronik aus dem Jahr 1908 findet sich eine Zeitungsnotiz, derzufolge bereits seit 170 Jahren eine Schule in Emmerzhausen unterhalten wird. Die Anfänge einer Emmerzhausener Schule reichen also mindestens bis ins Jahr 1738 zurück.

Vieles spricht allerdings dafür, dass es 1738 zwar erstmals ein spezielles Schulgebäude gab, der Unterricht aber schon viel früher reihum in den Häusern erteilt wurde.

In einem Bericht von 1803 ist die Rede von dem Schuldiener Johann-Peter Gerhard, der seine Arbeit schon seit 24 Jahren in Emmerzhausen verrichte. Als Lohn habe er, außer Kost und Logis, 20 Reichstaler erhalten – gemessen an heutigen Besoldungsmaßstäben ein sehr geringes Entgelt. 1809 wird von einer »Dingschule« berichtet, die zwar von der Gemeinde unterhalten wurde, aber unter großem Einfluss der Kirche gestanden habe. Der Lehrer, der von den Gemeinden »gedungen«, also verpflichtet wurde, musste gewöhnlich nachweisen, dass er die Grundfächer, also Lesen, Schreiben, Religion, Gesang und hin und wieder auch Rechnen, beherrschte. Diese »Dingschule« leitete der Reformierte Johann-Georg Hermann, der zugleich als Glöckner und Schuldiener tätig war. Damals besuchten 27 reformierte und acht lutherische Kinder den Unterricht.

In Quellen aus dem Jahr 1890 heißt es, dass der Zustand des Schulgebäudes nicht zufriedenstellend sei. Das Dach sei mit Stroh bedeckt und solle demnächst geschiefert werden. Bereits ein Jahr später suchte man nach einem neuen Standort für die Dorfschule. Der Plan sah ein zweistöckiges Bruchsteinhaus mit Turm vor. Über die Finanzierung des 18900 Mark teuren Plans konnte man sich damals aber nicht einigen. Erst im Juni 1905 konnte der endgültigen Neubau der Schule beschlossen werden.

Der Gemeinderat wiederum billigte den Entwurf noch etwas später, erst im Juli 1907, und bestand zudem auf den Einbau eines Turms, einer Uhr und einer Glocke. Bauunternehmer Merkel aus Biersdorf übernahm den Bau der Schule. Die Kosten von 35000 Mark wurden zu einem großen Teil (20000 Mark) von der Staatsregierung finanziert, für den Rest der Kosten kam die Gemeinde auf.

Die Einweihung der Schule fand dann endlich am 8. Februar 1909 statt. In einem Festzug marschierten Schüler und Lehrer vom alten Schulgebäude zu ihrer neuen Schule.

Danach wurde es lange Zeit sehr ruhig um die Dorfschule in Emmerzhausen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nutzten sie zunächst Militär und später Evakuierte. Im hinteren Flur richtete man eine Küche ein, die zweite Lehrerwohnung sowie die Mansarden wurden belegt. Im April 1946 wurden diese Räume wieder frei. Die Gemeinde bemühte sich, die Schulverhältnisse wieder zu verbessern. 1961 ließ sie für 14000 Mark eine Ölheizung einbauen.

Einige Jahre später fand der Vorschlag des Schulleiters, zwei weitere Schulsäle anzubauen, in der Gemeinde seine Zustimmung. Allerdings lehnte die Koblenzer Bezirksregierung einen Zuschusses für das Bauvorhaben ab, da sie es nicht für nötig hielt. So finanzierte die Gemeinde Emmerzhausen den über 270000 Mark teueren Anbau aus eigenen Mitteln. Am 12. November 1965 wurden die neuen Räumlichkeiten ihrer Bestimmung übergeben.

Seit 1972 nutzt man die alte Dorfschule als Dorfgemeinschaftshaus, der Anbau dient seitdem als Kindergarten. Noch immer schlägt dort das Uhrwerk von 1908. Wie auch damals funktioniert es rein mechanisch mit Hilfe von zwei Gewichten. Jeden Samstagmorgen macht sich Heinrich Krah auf den Weg zu alten Schule und erklimmt die hölzernen Stufen des alten Dachbodens. Seit über 45 Jahren ist er dafür verantwortlich, dass die »goldenen« Zeiger der Turmuhr den Emmerzhäusern die richtige Uhrzeit anzeigen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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