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Thorsten Schüler holt mit seiner Erfindung Gold
Dieser Schrauber spart Zeit und Nerven

Noch gibt’s nur den Prototypen – und eine Goldmedaille von der Erfindermesse. Thorsten Schüler steht aber bereits mit zwei großen Herstellern von Elektrogeräten in Verhandlungen, damit der Nivellierschrauber in Serie gehen kann.
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  • Noch gibt’s nur den Prototypen – und eine Goldmedaille von der Erfindermesse. Thorsten Schüler steht aber bereits mit zwei großen Herstellern von Elektrogeräten in Verhandlungen, damit der Nivellierschrauber in Serie gehen kann.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Daaden. Thorsten Schüler hat schon Wolldecken vor die Fenster gehängt. Er hat mehr als einmal darüber nachgedacht, abends statt tagsüber zu arbeiten. Vor allem hat er sich unzählige Male richtig geärgert. Und schuld war immer das rote Licht des Lasernivelliergeräts. Aber jetzt hat der Daadener Malermeister die Faxen dicke, und zumindest er wird sich künftig nicht mehr seine gute Laune von einer roten Laserlinie verhageln lassen. Er hat nämlich ein Werkzeug erfunden, das Handwerkern das Leben deutlich erleichtern könnte: den Nivellierschrauber.
Laser funktioniert nur im DunkelnJeder, der jemals eine Decke mit Paneele oder Rigips verkleidet oder eine Terrasse angelegt hat, wird das Problem kennen: Es sollte anschließend topfeben sein.

damo Daaden. Thorsten Schüler hat schon Wolldecken vor die Fenster gehängt. Er hat mehr als einmal darüber nachgedacht, abends statt tagsüber zu arbeiten. Vor allem hat er sich unzählige Male richtig geärgert. Und schuld war immer das rote Licht des Lasernivelliergeräts. Aber jetzt hat der Daadener Malermeister die Faxen dicke, und zumindest er wird sich künftig nicht mehr seine gute Laune von einer roten Laserlinie verhageln lassen. Er hat nämlich ein Werkzeug erfunden, das Handwerkern das Leben deutlich erleichtern könnte: den Nivellierschrauber.

Laser funktioniert nur im Dunkeln

Jeder, der jemals eine Decke mit Paneele oder Rigips verkleidet oder eine Terrasse angelegt hat, wird das Problem kennen: Es sollte anschließend topfeben sein. Das lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen: Mit Wasserwaage und Richtschnur ist’s theoretisch möglich – aber reichlich umständlich. Komfortabler ist da schon ein Laser-Nivelliergerät. Befestigt auf einem Stativ, bringt sich der Laser selbst ins Wasser und projiziert zugleich rundum eine dünne, rote Laserlinie auf die Mauern. Dumm nur: Diese Linie lässt sich, wenn’s schön dunkel ist, prima erkennen – aber eben auch nur dann.
„Abends hätte ich schon gerne Feierabend“, sagt der selbstständige Malermeister. Soll heißen: Die Arbeiten mit dem Lasernivellierer in die dunklen Abendstunden zu verlegen, ist keine Lösung. Aber nicht in jedem Haus lassen sich die Räume verdunkeln: „Ich hab schon oft die Fenster zugehängt.“ Das geht natürlich – aber es ist nervtötend. Und selbst im Dunkeln ist das Nivellieren mit dem Laser zeitaufwändig.

Arbeit optimieren

Naheliegend also, dass Schüler immer mal wieder darüber nachgedacht hat, ob sich diese Arbeit nicht irgendwie optimieren lässt. Und allmählich reifte in seinem Kopf eine Idee. Übrigens nicht erst gestern: „Auf den Nivellierschrauber bin ich schon vor zehn Jahren gekommen“, berichtet der 42-Jährige. Aber: Weil der Bau eines Prototypen und der Weg zum Patent viel Zeit und eine Investition im vierstelligen Bereich nach sich ziehen, hat Schüler sich weiter über die rote Laser-Linie geärgert. Bis er sich im vergangenen Frühjahr mal wieder stundenlang mit dem Laser herumgeschlagen hat. Danach war für ihn das Maß voll.

Idee wird gefördert

Der erste Schritt zum Nivellierschrauber führte Schüler in die Kanzlei eines Patentanwalts. Dort rannte er offene Türen ein: „Der fand meine Idee richtig gut und hat mir geraten, beim Bundeswirtschaftsministerium nach einer Förderung zu fragen.“ Offenbar sitzt im Berliner Ministerium jemand, der schon mal beim Nivellieren verzweifelt ist: Wenige Tage später hatte Schüler eine Förderzusage auf dem Tisch.

Einladung zur Erfindermesse

Die nächste Adresse auf Schülers Liste war ein Erfinder-Stammtisch in der Eifel. „Ich hatte vorher ein mulmiges Gefühl: Was werden die sagen?“, erinnert sich Schüler – schließlich gab es noch keinen Prototypen, und der Daadener musste die anderen Tüftler allein mit der Kraft seiner Worte überzeugen. Aber auch das gelang ihm: „Die fanden’s super und haben mich gebeten, mit auf die Erfindermesse zu kommen.“

Goldmedaille für Nivellierbohrer

Spätestens während der Messe in Nürnberg hat Schüler dann gemerkt, dass nicht nur er ein angespanntes Verhältnis zur roten Laser-Linie hat: „Ich kam aus dem Erklären nicht mehr raus. Ich hatte nach vier Tagen Messe keine Stimme mehr.“ Dafür aber eine Goldmedaille im Gepäck: Schülers Erfindung wurde auf der Messe prämiert.
Außerdem wurde er zur Internationalen Handwerks-Messe eingeladen. Diese ist zwar vom Coronavirus pulverisiert worden, aber: Schüler hat die Zeit genutzt, um gemeinsam mit Hans Efferz, den er auf dem Erfinderstammtisch kennengelernt hatte, einen Prototypen zu erstellen.

Bohrer erkennt Laser auch im Hellen

Und der sieht so aus: Die Basis ist ein Akkuschrauber. Zwischen Bohrfutter und dem Gehäuse hat Schüler ein zusätzliches Bauteil angebracht: einen ringförmigen Laserempfänger. Der sieht das rote Laserlicht auch dann, wenn das Auge nichts erkennt. Und sobald der Empfänger das rote Licht wahrnimmt, stoppt er den Motor des Schraubers – exakt auf der gewünschten Höhe. Das Ergebnis sind perfekte Unterkonstruktionen. Und zwar ohne Wolldecken im Fenster, ohne künstliches Beschatten und ohne Schnappatmung. 

Erfindung spart Zeit

Mehr noch: Nach Schülers Erfahrungen lässt sich eine Unterkonstruktion mit dem Nivellierschrauber 50 Prozent schneller erstellen. Und zwar von jedem: „Wenn das Lasernivelliergerät ausgerichtet ist, kann man den Nivellierschrauber auch einem Lehrling in die Hand drücken. Da kann nichts schiefgehen, weil alles der Schrauber übernimmt.“ Das bedeutet: Handwerker können ihre Dienste günstiger anbieten. „Bei den Materialkosten lässt sich im Handwerk kaum noch sparen – aber hier geht’s um eine deutliche Zeitersparnis.“
Kein Wunder also, dass Schülers Idee auch bei zwei Herstellern von Elektrogeräten gut angekommen ist. Mit beiden steht er aktuell noch in Verhandlungen – aber noch ist offen, ob er ihnen die Lizenz verkauft. Denn mittlerweile spielt er mit dem Gedanken, den Nivellierschrauber selbst auf den Markt zu bringen. „Noch überlege ich, aber ich weiß auch, dass das ein steiniger Weg mit hohen Investitionen wäre.“

Noch gibt’s nur den Prototypen – und eine Goldmedaille von der Erfindermesse. Thorsten Schüler steht aber bereits mit zwei großen Herstellern von Elektrogeräten in Verhandlungen, damit der Nivellierschrauber in Serie gehen kann.
Der Bohrer erkennt den Laser auch im Dunkeln.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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