Kein dm, kein Rossmann
Drogeriemarkt in weite Ferne gerückt

Hier ändert sich erst einmal nichts: Der Investor, der in Biersdorf einen Discounter und einen Drogeriemarkt ansiedeln wollte, ist abgesprungen – die Hürden waren einfach zu hoch.
  • Hier ändert sich erst einmal nichts: Der Investor, der in Biersdorf einen Discounter und einen Drogeriemarkt ansiedeln wollte, ist abgesprungen – die Hürden waren einfach zu hoch.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Daaden. Die Daadener werden weiter auf ihren Drogeriemarkt warten müssen: Am postkartentauglichen Weiher in Biersdorf stehen die Uhren wieder auf Null – der Investor, der dort im ersten Schritt einen Lebensmitteldiscounter ansiedeln und später einen Drogeriemarkt folgen lassen wollte, ist abgesprungen. Damit ist auch der Bebauungsplan für die Fläche, die sich nach wie vor in Privatbesitz befindet, wieder in der Schublade verschwunden.

„Für uns ist das Thema aber nicht endgültig vom Tisch“, kommentierte Stadtbürgermeister Walter Strunk die Entwicklung, „denn an der Ausgangslage hat sich nichts geändert“. Soll heißen: Strunk ist weiter davon überzeugt, dass der Stadt Daaden ein Drogeriemarkt gut zu Gesicht stehen würde – was ja auch vom Einzelhandelskonzept eindeutig belegt wird. Sollte sich also ein neuer Investor finden, dann „kann das Bebauungsplanverfahren sofort weitergeführt werden. Es ruht lediglich.“

Allerdings muss auch Strunk einräumen, dass er den Rückzug des Investors nachvollziehen kann. Im Laufe des Bebauungsplanverfahrens seien einige Hürden aufgetaucht – und jede einzelne hat das Projekt unwägbarer gemacht. „Es war nicht absehbar, wie es weitergehen würde und wie viel Zeit noch vergangen wäre“, sagt der Stadtbürgermeister im Gespräch mit der SZ.

Auch der Betzdorfer Architekt Udo Piske, der für den Investor die erste Planung gemacht hat, spricht von einer „schwierigen Gemengelage“. Und in der Tat ergeben mehrere schwierige Faktoren ein Gesamtbild, das das Investment durchaus riskant erscheinen lässt:

So sahen sich Planer und Investor mit der Forderung nach umfangreichen naturschutzrechtlichen Prüfungen konfrontiert. Und die fressen zum einen Zeit – schließlich hätten laut Udo Piske vertiefende Untersuchungen in allen vier Vegetationsperioden geliefert werden müssen. Zum anderen hätte sich der Ausgang dieser Untersuchungen schlichtweg nicht prognostizieren lassen: „Das Ergebnis wäre offen gewesen.“

Noch problematischer dürften nach Angaben Piskes die Denkmalschutz-Auflagen sein. Zwar hat das Betzdorfer Büro in seinen Entwürfen schon große Klimmzüge unternommen, um das Ensemble aus Fachwerkhäusern und Weiher nicht negativ zu beeinflussen – aber die Ansprüche der Fachbehörden gingen darüber hinaus. So lautete die Forderung, mit der Bebauung einen noch größeren Abstand zu den Fachwerkhäusern einzuhalten. „Da wäre nur noch die Hälfte der Fläche bebaubar gewesen“, erläutert Piske. Und das wiederum hätte die ohnehin sportliche Hürde für die Ansiedlung eines Drogeriemarkts noch ein gutes Stück höhergelegt: Für den Drogisten wäre nur noch Platz hinter dem Lebensmittelmarkt geblieben. Dass dm oder Rossmann angesichts einer Lage in zweiter Reihe in einer Kleinstadt, verborgen für den Durchgangsverkehr, nicht in Jubelstürme ausbrechen, liegt auf der Hand. „Das machen die großen Ketten allenfalls in Toplagen in Großstädten“, berichtet Piske. Und auf den Lebensmittler zu verzichten, um dem Drogeriemarkt den Platz an der Straße zuzubilligen, wäre auch nicht machbar gewesen: Der Discounter wäre unverzichtbar gewesen, um Kundenströme zum Drogeriemarkt zu lenken. „Der Drogeriemarkt wäre alleine nicht gekommen“, verdeutlicht Piske.

Angesichts dieser Ausgangslage – die sogar noch durch einige Nebenaspekte verschärft wird – fällt Udo Piskes Fazit eindeutig aus: „Das unternehmerische Risiko wäre sehr groß gewesen.“

Vor diesem Hintergrund dürfte der Lückenschluss im Sortiment der Stadt Daaden wohl noch auf sich warten lassen – zumal Stadtbürgermeister Walter Strunk derzeit keinen anderen Standort für einen Drogeriemarkt aus dem Hut zaubern kann: „Es gibt aktuell keine geeignete Alternativfläche.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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