Ein fettes Schwein als Mühlenpacht

Das Leben als Müller war nicht beschaulich/Steinches Mühle einst herrschaftliche Bannmühle

mey Daaden. Das Bild vermittelt heute Idylle pur: In einem Wiesental liegt die »klappernde Mühle am rauschenden Bach«, der langsam das Mühlrad bewegt, wobei der Müller, genüsslich ein Pfeifchen rauchend, zum Fenster heraus schaut. Doch ganz so idyllisch war das Leben als Müller früher nicht. Vor seiner Anstellung hatte er seine Eignung und Befähigung nachzuweisen. Durch einen besonderen Eid war er dem Landesherrn, der in der Regel Eigentümer der Mühle war, und den Mahlgästen gegenüber verpflichtet. Verlangt wurden ehrliche Arbeit, ein christlicher Lebenswandel und die Instandhaltung der Mühle. Für seine oft mühevolle und zum Teil auch gesundheitsgefährdende Tätigkeit wurde der Müller in Geld und Naturalien entlohnt, wobei die Mahlgäste als Entgelt einen bestimmten Teil ihres Getreides, die so genannte Molter, zurückzulassen hatten.

Auch die Wohnung in der Mühle stand dem Müller zu, und oft konnte er auch die Äcker und Wiesen nutzen, die zum Mühlenbesitz gehörten. Schließlich genoss er, wie auch der Dorfhirte und der Schullehrer, gewisse Vorrechte: So war er von Einquartierungslasten, Frohnden und Kommunalabgaben befreit.

Da die Entlohnung dieses Handwerks oft kärglich ausfiel, gerieten die, die es ausübten, mitunter in den Verdacht, die Mahlgäste zu überfordern. Deshalb bestimmte die Mühlordnung der Weitefelder Mühle von 1810, dass der Müller es seinen Mahlgästen nicht verwehren durfte, beim Mahlen der Früchte zugegen zu sein, während diese wiederum verlangen konnten, dass der Müller beim Abwiegen des Getreides anwesend zu sein hatte.

Von den ehemals sechs Mahlmühlen im Bereich der heutigen Verbandsgemeinde Daaden ist lediglich die Biersdorfer Mühle noch funktionsfähig. Am bekanntesten dürfte jedoch die Steinches Mühle mit ihrem Fachwerkbau und dem in der hiesigen Gegend einzigartigen strohgedeckten Dach sein. Wann diese alte Mühle in der Daadener Gemarkung im Mündungsbereich von Derscher- und Daadebach gebaut wurde, ist heute nicht mehr nachvollziehbar, doch lassen die bei Restaurierungsarbeiten entdeckten Jahreszahlen 1425 und 1513 auf ein beachtliches Alter schließen.

Eine Urkunde von 1610 erwähnt erstmals diese herrschaftliche Mühle, zu der die Einwohner von Daaden, Derschen, Mauden und Emmerzhausen »gebannt« waren, das heißt, sie waren verpflichtet, ihr Getreide dort mahlen zu lassen. Eine Urkunde aus der Zeit des 30-jährigen Krieges beschreibt die Pacht, die der damalige Müller Johann Kräh aus Daaden abzuliefern hatte: acht Malter Frucht und ein »fett Mühlenschwein«. Knapp 150 Jahre später sieht die Pacht schon anders aus. 1765 steht eine neue Verpachtung der Mühle an. Der bisherige Pächter Joh. Anton Schnell und Theiss Kräh aus Daaden finden sich im Dezember dieses Jahres in Friedewald ein und überbieten sich gegenseitig. Schließlich erhält Theiss Kräh den Zuschlag für eine Pacht von 131 Gulden und 4 Malter Korn im Jahr zuzüglich einer Kaution von 82 Gulden. Sechs Jahre später übernehmen die Gemeinden Derschen, Mauden und Emmerzhausen die Mühle in Erbpacht.

Daaden hatte im Jahre 1697 eine eigene Mühle erhalten und war daher nicht mehr zur Steinches Mühle gebannt. Zum l. Januar 1790 steigt die Gemeinde Emmerzhausen aus dem Erbpachtvertrag aus. 1853 ergibt sich eine weitere Änderung: Die Gemeindeberechtigten von Derschen – d. h. alle Eigentümer eines »Rauches« (Hauses) – übernehmen die Mühle zu Eigentum gegen Zahlung des 18-fachen Jahrespachtbetrags. Den Betrieb der Mühle besorgt ein jährlich gedingter Mühlknecht. 1910 schließlich geht die Mühle in den Besitz der politischen Gemeinde Derschen über, die die Gemeindeberechtigten entsprechend auszahlt.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in den 50er Jahren geht die Landwirtschaft und mir ihr das zu mahlende Getreide ständig zurück, so dass sich der Mahlbetrieb nicht mehr rentiert. Seit dieser Zeit stehen die großen Mühlräder still. Heute befindet sich die Steinches Mühle in Privatbesitz und wird von ihrem Eigentümer, der sie als Wochenendhaus nutzt, liebevoll gepflegt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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