Viertklässler sind zurück in der Schule
Ein Stückchen Normalität

Abstand, Masken und Frontalunterricht: Die Weitefelder Viertklässler erleben einen ganz anderen Schultag als bisher. Aber sie sind trotzdem froh, nach der Corona-Pause wieder die Schule besuchen zu können.  Foto: damo
  • Abstand, Masken und Frontalunterricht: Die Weitefelder Viertklässler erleben einen ganz anderen Schultag als bisher. Aber sie sind trotzdem froh, nach der Corona-Pause wieder die Schule besuchen zu können. Foto: damo
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damo Weitefeld. Eigentlich hätte sich Johanna den Wecker gar nicht stellen müssen: Als der nämlich um 6.30 Uhr geklingelt hat, war die Weitefelder Viertklässlerin längst hellwach. „Um 5.53 Uhr bin ich ganz von selbst aufgewacht“, erzählt sie. Und so wie ihr ging es gestern bestimmt ganz vielen Viertklässlern in Rheinland-Pfalz: Nach sieben Wochen Corona-Pause durften die Kinder aus den Abschlussklassen wieder zurück in die Schule.

Und: Das Verb „durften“ ist bewusst und richtig gewählt. Denn alle Kinder, mit denen die SZ gestern gesprochen hat, waren sich einig: Es war höchste Zeit, wieder in die Schule zu kommen, wieder Freunde und Lehrer zu treffen, wieder ein Stück Normalität zu erleben. Und das bestätigten selbst die Kinder, die ehrlich genug waren, um im Gespräch mit der SZ zuzugeben, dass Schule manchmal auch nervt und sie sich an manchen Tagen morgens lieber im Bett nochmal rumdrehen würden statt aufzustehen.

Klar, spät ins Bett gehen und morgens ausschlafen ist schon ganz nett – aber nach sieben Wochen verliert selbst das an Reiz. Und so sind sie gestern alle gerne in die Schule gekommen. Bei vielen war die Vorfreude schon am Wochenende deutlich zu spüren: „Ich war am Sonntagabend total aufgeregt und konnte gar nicht einschlafen. Ich hab mich im Bett hin- und hergewälzt“, berichtet Johanna. Und so wie ihr ging es vielen ihrer Klassenkameraden.

Aber: Natürlich ist das, was die Viertklässler jetzt erleben, ziemlich weit von dem entfernt, was sie sonst morgens zwischen 8 und 13 Uhr gewohnt sind. Das hat schon auf dem Schulweg angefangen: Viele machten sich alleine auf den Weg statt in kleinen Gruppen, und wer dann doch mit einer Freundin oder einem Freund unterwegs war, der musste seine Maske schon lange vor dem ersten Klingeln anziehen.

Mund- und Nasenschutz prägen ohnehin weite Teile des Vormittags: Wann immer die Grundschüler ihren Platz verlassen – z. B. um etwas mit Klassenlehrerin Christiane Willwacher zu besprechen, um auf die Toilette zu gehen oder die Hände zu waschen –, müssen sie zuvor ihre Maske anziehen.

Das ist aber beileibe nicht die einzige Veränderung: „Eigentlich ist unser Klassenraum weiter den Flur runter“, erklärt Jonas dem SZ-Redakteur, „aber jetzt sind wir plötzlich hier“. Stimmt: Eigentlich säßen hier, im größten Raum des Gebäudes, die Zweitklässler. Aber die sind nach wie vor im Homeschooling, und so dient ihr Klassenzimmer jetzt den Großen. Denn die müssen schließlich Abstand halten.

Das führt auch dazu, dass es plötzlich keine Sitznachbarn mehr gibt. Die Tische stehen weit von einander entfernt, jedes Kind hat einen für sich allein. Gruppenarbeit? Fehlanzeige. Lernstationen? Gestrichen. Wochenplan? Eher nicht. Stattdessen erlebt der Frontalunterricht, der in den didaktischen Konzepten vieler Grundschulen nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, ein Comeback. Das ist nicht nur für die Kinder eine Umstellung, sondern auch für ihre Lehrerin, bestätigt Christiane Willwacher. „Aber darauf läuft es im Moment einfach hinaus. Wir müssen schließlich Abstand halten.“

Genau das ist auch das, was den Kindern am schwersten fällt. „In normalen Zeiten umarmen wir uns zur Begrüßung auch schonmal“, sagt Lilly, „und darauf zu verzichten, ist ein bisschen schade“. Und auch, dass die Kinder während der Stunden nicht mal nach vorne ans Pult laufen dürfen, ist allemal ungewohnt – mehrere Stunden zu sitzen, steht im Kontrast zum Bewegungsdrang von Grundschülern.

Noch deutlicher prägt der verordnete Mindestabstand die Schulpausen. Da stehen eigentlich „Tischtennis-Rundlauf oder Fußball“ auf der Agenda, sagt Max: „Aber das geht nicht.“ Stimmt, und das gilt zugleich auch für Fangen und ganz viele andere Spiele. Da die Viertklässler derzeit noch unter sich sind und sogar in zwei Gruppen ihre Pause machen, haben sie auf dem Hof – freundlich formuliert – viel, viel Platz. Man könnte auch sagen: Sie wirken ein bisschen verloren.

Aber so ist das eben in Zeiten einer Pandemie, und das ist den Viertklässlern auch klar. Keine der Hygieneregeln, die sie morgen mit Schulleiterin Yvonne Zimmermann erarbeitet haben, kam für sie wirklich überraschend. Und so reihen sie sich beim regelmäßigen Händewaschen auch ohne Jammern, dafür mit Abstand in der Schlange ein, und so gehen sie nach der Pause auch wieder mit reichlich Distanz zurück in den Klassenraum.

Christiane Willwacher beobachtet all das zufrieden: „Auf der einen Seite hab ich mich natürlich gefreut, die Kinder endlich wiederzusehen. Auf der anderen Seite war ich aber gespannt, wie es läuft.“ Sie sei optimistisch gewesen, schließlich kennt sie ihre Klasse ganz genau: „Die waren immer schon verlässlich, also bin ich davon ausgegangen, dass das funktioniert.“

Ein Stückchen Normalität ist also wieder zurück im Klassenzimmer. Aber wann die Viertklässler wieder Verstärkung bekommen, steht noch in den Sternen: Alle anderen Grundschüler bleiben weiter im Homeoffice.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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