SZ

Erbengemeinschaft alleingelassen
Ein Weiher, ein Schmetterling und viel Ärger

Seit dem gescheiterten Bebauungsplanverfahren ist amtlich: Der Hüttenweiher und die Wiese sind ökologisch wertvoll. Seitdem ist die Biotoppflege an der Erbengemeinschaft hängengeblieben. Daher fordert Michael Daub Unterstützung – fachlich und praktisch.
  • Seit dem gescheiterten Bebauungsplanverfahren ist amtlich: Der Hüttenweiher und die Wiese sind ökologisch wertvoll. Seitdem ist die Biotoppflege an der Erbengemeinschaft hängengeblieben. Daher fordert Michael Daub Unterstützung – fachlich und praktisch.
  • Foto: Daniel Montanus
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Biersdorf. Eigentum verpflichtet, da lässt das Grundgesetz wenig Spielraum zur Interpretation. Aber was, wenn man sich sein Eigentum mit einem streng geschützten Schmetterling teilen muss? Verpflichtet dann auch der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling? Mit dieser Frage sieht sich eine Biersdorfer Erbengemeinschaft konfrontiert. Und bislang hat sie noch keine befriedigende Antwort auf die Frage gefunden, macht Michael Daub im Gespräch mit der SZ deutlich.

Die Erbengemeinschaft ist im Besitz des Hüttenweihers – und damit einer ziemlich exponierten Fläche. Die Parzellen an der Hauptstraße stehen gleich doppelt im Fokus der Öffentlichkeit: Zum einen, weil der Weiher und die Fachwerkhäuser seit Jahrzehnten eines der beliebtesten Fotomotive Daadener Lands sind;

damo Biersdorf. Eigentum verpflichtet, da lässt das Grundgesetz wenig Spielraum zur Interpretation. Aber was, wenn man sich sein Eigentum mit einem streng geschützten Schmetterling teilen muss? Verpflichtet dann auch der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling? Mit dieser Frage sieht sich eine Biersdorfer Erbengemeinschaft konfrontiert. Und bislang hat sie noch keine befriedigende Antwort auf die Frage gefunden, macht Michael Daub im Gespräch mit der SZ deutlich.

Die Erbengemeinschaft ist im Besitz des Hüttenweihers – und damit einer ziemlich exponierten Fläche. Die Parzellen an der Hauptstraße stehen gleich doppelt im Fokus der Öffentlichkeit: Zum einen, weil der Weiher und die Fachwerkhäuser seit Jahrzehnten eines der beliebtesten Fotomotive Daadener Lands sind; zum anderen, weil auch Politik und Wirtschaft ein Auge auf das Stückchen Land geworfen haben.

Discounter-Pläne gescheitert

Denn auf der Suche nach einem Standort für einen Discounter und einen Drogeriemarkt rückten 2015 der Weiher und die Wiese in den Blickpunkt. Alles schien auf ein neues Einkaufszentrum hinauszulaufen: Die Gemeinde sicherte sich das Vorkaufsrecht, und bei Michael Daub und seinen Verwandten meldeten sich plötzlich mehrere Investoren. Mit einem davon wurden sich die Erben einig: „2016 war der Kaufvertrag notariell ausgearbeitet“, blickt Daub im Gespräch mit der SZ zurück.

Aber es ist bekanntlich nie zum Verkauf gekommen: Das Bebauungsplanverfahren war nicht nur zäh, sondern auch erfolglos. Zu hoch waren die Hürden des Denkmalschutzes und des Naturschutzes. „Also hat der Investor einen Rückzieher gemacht“, ruft Daub in Erinnerung.

Es ist still geworden...

Seitdem ist es still geworden um Weiher und Wiese. Aber wer glaubt, dass die Geschichte damit zu Ende erzählt ist, täuscht sich gewaltig. Denn: „Wie kommen wir heute mit dem Gelände klar?“, fragt Daub im eigenen Namen und in dem seiner Verwandten.

Schließlich wurde im Bebauungsplanverfahren deutlich, dass die Wiese einen hohen ökologischen Wert hat. Es sind viele schützenswerte Faktoren aufgelistet; über allem steht die Tatsache, dass das Gebiet optimale Bedingungen für den streng geschützen Ameisenbläuling bietet. All das ist seitdem aktenkundig. Und das bedeutet, dass die Erbengemeinschaft jetzt ein wertvolles Biotop besitzt. Klingt hübsch – aber leider nur bei oberflächlicher Betrachtung.

"Wir sind keine Experten, und es fällt enorm viel Arbeit an – und wir werden damit alleingelassen."
Michael Daub
Mitbesitzer des Hüttenweihers

Denn de facto liegt derzeit die gesamte Biotoppflege bei den Erben: „Schließlich erhält sich das Biotop nicht von selbst.“ Bei allem, was sie tun, unterliegen die Erben den Spielregeln des Artenschutzes. Die Wiese mit dem Traktor mähen? „Wenn wir das machen, gibt’s sofort Ärger“, sagt Michael Daub. Mehrere Schafe darauf weiden lassen? „Das geht auch nicht, das zählt als intensive Beweidung.“

Nun könnte man vermuten, dass Michael Daub dem Ameisenbläuling die Pest an den Hals wünschen würde – aber weit gefehlt. „Es ist ja schön, dass ein seltener Falter da ist. Und ich bin auch dafür, dass er geschützt wird.“ Aber: „Dabei hätten wir gerne Unterstützung.“ Denn sowohl fachlich als auch praktisch stoßen die Erben schnell an ihre Grenzen. „Wir sind keine Experten, und es fällt enorm viel Arbeit an – und wir werden damit alleingelassen.“

Viele Varianten denkbar

Schon mehrfach hat Daub im Namen der Erbengemeinschaft mit der Unteren Naturschutzbehörde gesprochen und auf die Problematik hingewiesen. „Das waren durchaus gute Gespräche“, sagt er. Bloß: „Getan hat sich bis heute gar nichts.“

Und auch von der Stadt Daaden würde er sich Unterstützung wünschen – schließlich werde dem Ensemble aus Weiher und Häusern immer wieder ein ortsbildprägender Charakter bescheinigt. „Vielleicht könnte die Gemeinde ja mal den Bauhof schicken?“, regt Daub an. Oder den ökologischen Wert nutzen, wenn anderswo Ausgleichsmaßnahmen gefordert sind: „Die Wiese wäre doch klasse fürs Öko-Konto der Stadt.“

Michael Daub sagt im Gespräch mit der SZ, dass er für viele Varianten offen wäre. Nach wie vor könnte er sich – sofern zumindest der Weiher erhalten wird – eine Bebauung vorstellen. Aber auch ein Konzept im Sinne des Naturschutzes wäre für ihn denkbar. Bloß eine Variante will er nicht mehr: „Dass es einfach so bleibt und wir allein zuständig sind.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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