Eine Dorfmoderation für Daaden?

Günter Knautz bezieht im Gespräch mit der SZ Stellung zu künftigen Aufgaben

damo Daaden. Es gibt im AK-Land ohne Zweifel Ortsbürgermeister, die mehr Grund zum Klagen hätten als Günter Knautz. Denn im Vergleich zu anderen Kommunen ist Daaden nach wie vor gut aufgestellt – über Probleme wie aussterbende Geschäftsstraßen, verwaiste Betonruinen oder gar den Bau eines Schwimmbads muss sich im Daadetal niemand den Kopf zerbrechen. Günter Knautz tut’s trotzdem. »Ja, Daaden steht gut da, ist ein liebenswerter Ort mit relativ vielen Arbeitsplätzen, attraktivem Einzelhandel, aktiver Vereinslandschaft und einer guten Infrastruktur, zum Beispiel in der Kinderversorgung oder bei den Sportstätten«, sagt auch Knautz. Und trotzdem mahnt er: »Es ist kein Selbstläufer, das zu erhalten. Wir müssen Daaden weiterentwickeln.«

Genau deshalb will Knautz eine Dorfmoderation für die Ortsgemeinde initiieren. Ziel soll sein, künftige Aufgabenstellungen und Problemlösungen zu erarbeiten – und zwar nicht nur im überschaubaren Kreis der Ausschüsse und des Rats, sondern mit allen Beteiligten. »Es soll nicht so sein, dass der Bevölkerung Lösungen einfach übergestülpt werden – die Ortsgemeinde ist ein Thema, dass alle ihre Einwohner angeht«, meint Knautz. Deshalb sollen Vereine, Verbände, Institutionen, Gewerbetreibende, Parteien und Privatpersonen ins Gespräch kommen. Diese Gesprächsrunden sollen zum einen themenbezogen sein, zum andern von einem Moderator geleitet und strukturiert werden.

Knautz nannte gestern im SZ-Gespräch mögliche Beispiele für Themenfelder, die im Rahmen einer Dorfmoderation bearbeitet werden könnten: So könnten die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten mit einer Gesprächsrunde noch bedarfsgerechter gestaltet werden; vorstellbar ist auch, die immer noch viel diskutierte Verkehrssituation in der Mittelstraße zu beleuchten – und zwar mit Anwohnern, Gewerbetreibenden und Politik. Ein anderes mögliches Themenfeld könnte die Problematik leer stehender Wohnhäuser im Ortskern sein.

Knautz will diese Gesprächsrunden aber nicht aus purer Lust am Debattieren, sondern im Vorgriff auf Herausforderungen, die kommen werden. Denn zwei Fakten sind laut Knautz nicht zu leugnen: Der demographische Wandel macht auch vor Daaden keinen Halt – und die Haushaltslage ist keineswegs rosig. Denn während andere Kommunen im Land mittlerweile mit einem stetig steigenden Gewerbesteueraufkommen rechnen, sieht es in Daaden in diesem Punkt schlecht aus. »Wir werden auch im kommenden Jahr Schwierigkeiten haben, unseren Haushalt auszugleichen«, prognostiziert der Ortsbürgermeister.

Aus diesen Grundlagen leitet sich ein wichtiger Anspruch an eine Dorfmoderation ab: Die Bürger sollen nicht nur zum Diskutieren und Mitgestalten animiert werden, sondern noch mehr dazu beitragen, dass Daaden seinen Standard halten kann. Mit Blick auf die kommunale Infrastruktur – Minigolfplatz, Freibad, zwei Bürgerhäuser etc. – sagt Knautz: »Das sind keine Selbstverständlichkeiten, und deshalb darf die Verfügbarkeit dieser Infrastruktur auch nicht vorausgesetzt werden. Die Finanzen werden auf Dauer kaum ausreichen, um unseren Standard auf diesem Level zu halten. Es muss den Menschen noch bewusster werden: Wenn ich etwas fordere, muss ich auch etwas mitbringen.« Beispiele dafür gibt es in Daaden – exemplarisch seien der Förderverein Freibad oder die Spielplatzsanierung Biersdorf genannt.

Noch ist offen, ob und wann Daaden eine Dorfmoderation bekommt – aber in den kommunalen Gremien wird das Thema seit dem Sommer diskutiert. Letztlich wird der Gemeinderat die Weichen für oder gegen eine Dorfmoderation stellen. Zum Nulltarif gibt es dieses Instrument freilich nicht, und an die entsprechenden Fördertöpfe für eine professionelle Begleitung bei der Dorfmoderation kommt die Ortsgemeinde Daaden nicht: »Dazu ist die Gemeinde zu groß«, erklärt Knautz. Trotzdem hofft er, dass schon im kommenden Frühjahr eine Entscheidung zugunsten dieser Idee fällt. Wenn dann alles glatt läuft, könnten bereits im kommenden Jahr die ersten Themen angepackt werden.

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