Eine warme Mahlzeit für die Kranken

»Vaterländischer Frauenverein« wurde vor 120 Jahren in Daaden gegründet

mey Daaden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich in Deutschland viele Vereine gründeten, wurde in Daaden eine Vereinigung mit einem heute seltsam anmutenden Namen ins Leben gerufen: der »Vaterländische Frauenverein« in Daaden. Die in ihm zusammengeschlossenen sehr engagierten Frauen setzten sich für viele soziale Belange in ganz unterschiedlichen Bereichen ein.

Am 9. März 1884 folgten auch in Daaden einige Frauen dem Gedanken von Kaiserin Auguste und gründeten einen »Vaterländischen Frauenverein«. Die Gattin des Monarchen hatte diese Vereine 1866 als Gliederung des Deutschen Roten Kreuzes gestiftet, um den Frauen Gelegenheit zu geben, innerhalb der weltweiten Rot-Kreuz-Arbeit wirken zu können.

Als Wirkungsbereich des örtlichen Vereins wurde das Kirchspiel Daaden (damals noch identisch mit dem Gebiet der heutigen Verbandsgemeinde) festgelegt. Schon bald entfaltete der Verein eine rege Tätigkeit: Kochkurse sowie Familien- und Volksbildungsabende wurden angeboten und Weihnachtsbescherungen durchgeführt. Unterstützung erfuhr auch die Schwesternstation der Kirchengemeinde.

Hilfsbedürftige Mitmenschen wurden durch Verabreichung von Kost oder auch in Form von Geldleistungen bedacht. Noch in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts engagierte sich der Verein auf diesem Gebiet. Damit kranke und alte Menschen mittags mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden konnten, ging ein »Suppenzettel« in Umlauf. Ausgetragen wurde das Essen durch Schulkinder.

Während des Ersten Weltkrieges brachte der Verein für die Unterstützung der Kriegsopfer den enormen Betrag von 8000 Mark auf. Außerdem wurden namhafte Summen für die Soldaten und die von dem Kriegsgeschehen besonders betroffenen Gebiete Westpreußen und Lothringen gespendet.

Größtes Projekt des Vereins war jedoch die Gründung einer von einer Diakonisse geleiteten Kleinkinderschule – so die damalige Bezeichnung für einen Kindergarten. Im Jahr 1904 wurde für die Kinderschule ein eigenes Haus in der Lamprechtstraße gebaut. Heute wird dieses Gebäude vom DRK-Ortsverband Daaden als Vereinsheim genutzt.

1916 zählte der Verein 319 Mitglieder. Den Vorsitz hatte zu der Zeit die Frau des damaligen Bürgermeisters Heinrichshofen inne. Stellvertreter war der Kaufmann Heinrich Fischbach, der in der Daadener Ortsmitte ein Geschäft für Lebensmittel und Textilien betrieb (heute Restaurant »Ali Baba«). Als Schriftführerin fungierte Clothilde Helm, die Frau des langjährigen Daadener Pfarrers Heinrich Helm. Schatzmeister war der Landwirt Robert Schneider.

Im Jahr 1934 konnte der Verein sein fünfzigjähriges Bestehen feiern. Vorsitzende war damals Anna Uhr geb. Pfeiffer, die Frau von Dr. Emil Uhr, der lange Jahre als Arzt in Daaden wirkte. Doch schon bald war es mit der Eigenständigkeit vorbei. Die Nationalsozialisten schränkten die freie Vereinsarbeit zunehmend ein. Die Vereine wurden entweder aufgelöst oder von Unterorganisationen der Partei übernommen. Diesem Schicksal entging auch der Vaterländische Frauenverein nicht: er wurde in die NS-Frauenschaft überführt.

Mitte der fünfziger Jahre wurde in Daaden der DRK-Ortsverband ins Leben gerufen, der, ebenso wie der Vaterländische Frauenverein, Teil der Rot-Kreuz-Arbeit ist. In ihm lebt daher der Gedanke, der einst zur Gründung der Frauenvereinigung führte, weiter.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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