Exkursion in ein verschlossenes Stück Heimat

Kreiswaldbauern lernten auf dem Truppenübungsplantz die Bewirtschaftung des Bundesforstes Stegskopf kennen

juli Emmerzhausen. Forstwirtschaft unter anderen Bedingungen lernten die Waldbauern des Landkreises Altenkirchen gestern kennen. Dazu mussten sie keine aufwändige Exkursion unternehmen, denn ein wunderschöner Blick über den Tellerrand bietet sich in direkter Nachbarschaft zu den eigenen Waldbeständen: Der Truppenübungsplatz Daaden umfasst insgesamt 2000 Hektar. Auf 1000 Hektar davon wächst und gedeiht zum Bundesforst gehörender Wald.

Einen »Einblick in ein Stück Heimat, das uns normalerweise verschlossen ist, und in die Strukturen, die die Bundeswehr hier geschaffen hat«, nannte Otto Heinemann, der Vorsitzende der Waldbauern, die Exkursion. Im zum Truppenübungsplatz gehörenden Lager Stegskopf gab Hauptmann Werner Schmidbauer den rund 90 Waldbesitzern aus Herdorf und den Verbandsgemeinden Kirchen, Betzdorf, Daaden und Gebhardshain zunächst Auskunft über die Geschichte, Funktionsweise und Zukunftsaussichten des Truppenübungsplatzes.

Anschließend zeigte Förster Marian Praski den interessierten Besuchern, wie und vor allen Dingen unter welchen Bedingungen er und seine Kollegen den ihnen anvertrauten Forst bewirtschaften. Die Art, wie die Bundesbediensteten Bäume pflanzen und pflegen, die Mittel der Waldverjüngung und -durchforstung sowie des Abtriebes unterscheiden sich in dem militärischen Sperrgebiet gar nicht so sehr von der Arbeitsweise der Altenkirchener Waldbauern. Wesentlichen anders hingegen sind die Umstände, unter denen sie arbeiten.

»Die militärische Nutzung hat bei Interessenkonflikten mit der Forstwirtschaft Vorrang«, betonte Kommandant Schmidbauer, der die Gruppe begleitete. Das bedeute auch schon einmal, dass ein wirtschaftlicher Bestand geschädigt werden könne. Beispiele dafür zeigte Förster Praski später an einer Buche, die mitten auf der Waldkampfbahn steht und mit blauen Munitionsresten gespickt ist. Ein Baum wie dieser ist für die Wirtschaft wertlos. Auf den Schießbahnen wird regelmäßig scharf geschossen, so dass die Förster den Holzeinschlag oft am Wochenende und an Feiertagen erledigen müssen. Große räumliche Flexibilität ist erforderlich, denn oft müssen die Waldarbeiter angefangene Arbeiten vorübergehend ruhen lassen und an anderer Stelle weiter schaffen. Auf den 1000 Hektar Forstfläche steht viel Nadelwald; langfristig werde ein gesunder Mischwald angestrebt, hatte Schmidbauer zuvor erklärt. Holzgatter statt Drahtzäune halten das Wild von Schonungen fern. Diese seien langfristig kostengünstiger, rechne man die Entsorgung ein. Außerdem sähe das Wild die Holzeinfriedung besser. Praski schätzte den Wissensfundus seiner Gäste in Sachen Waldbau als mindestens ebenso groß ein wie seinen eigenen. Also unterhielt sich mit ihnen auf Augenhöhe. Dieser Fichtenbestand, vor dem sie jetzt stünden, sei gerade durchgeforstet worden, berichtete der Förster, um Meinungen darüber einzuholen. Er selber betonte die Wichtigkeit, sehr vorsichtig mit den Fichten umzugehen.

Es sei gefährlich, so viele Bäume herausgenommen zu haben, auch weil die gepflanzten Buchen zwischen den Fichten relativ weit auseinanderstünden, bemerkte ein Teilnehmer. Und das birgt bekanntlich die Gefahr, dass der Schaft nicht schön gerade wächst. Außerdem müssen Buchen im Schatten aufwachsen. Das Waldbild ein paar Meter weiter beurteilte ein anderer als sehr schön – dank seiner natürlichen Verjüngung durch Buchen- und Birkenwindwurf. Einigkeit herrschte darüber, dass mehr Mischwald angestrebt werden müsse, um eine Stabilisierung der Wälder zu erreichen. Dies ist nötig, damit der Wald resistenter gegen Kalamitäten wie Windwurf, Stürme, Klimawandel insgesamt und Borkenkäferbefall wird. Die Förster am Stegskopf versuchen, Laubbäume in ihren ersten Lebensjahren, bis sie etwa 1,30 Meter hoch sind, in »Wuchshüllen« zu schützen.

Damit gab es für die Besucher, zumindest für einen Teil von ihnen, doch noch etwas Neues. Interessiert lugten viele in die schmalen Öffnungen oben an den Plastikröhren, in denen Eichen und Kirschen heranwachsen – Licht kommt nur von oben an die Sprösslinge, aber das scheint zu genügen. Das Vermehren des Laubbaumbestandes scheint am Stegskopf mit Erfolg gesegnet zu sein. Die Rehe jedenfalls, sagt Praski, ließen inzwischen sogar die jungen Buchen in Ruhe, weil es so viele davon gebe.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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