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Arnsberger verschlägt es nach Daaden
Fleischer auf "moderner Walz"

Fleischer David Käuffer aus Arnsberg erweitert zurzeit in Daaden seinen Erfahrungsschatz.
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  • Fleischer David Käuffer aus Arnsberg erweitert zurzeit in Daaden seinen Erfahrungsschatz.
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rai Daaden. Die Habe im Tuch, den Charlottenburger, und einen knorrigen Wanderstock, den Stenz, in der Hand. Wandergesellen in Kluft und „auf der Walz“ sieht man ab und an am Straßenrand ihres Weges ziehen. Nach der Lehre wollen sie ihren Horizont erweitern. Das will auch Junggeselle David Käuffer. Bei dem Fleischer geht es nicht ganz so spartanisch zu: „Es ist eine moderne Walz.“

In seinem erlernten Handwerk will er nun in zwei, drei Jahren für sich Erfahrung sammeln. „Mal sehen, wo es mich noch hin treibt“, sagt der 19-Jährige aus Arnsberg-Hüsten. Nach Daaden hat es ihn schon verschlagen. Bei Metzgermeister Dirk Schmidt arbeitet er für zwei Monate bis Ende Mai.
Regionale Feinheiten im BlickWeiter geht es in eine Metzgerei am Bodensee.

rai Daaden. Die Habe im Tuch, den Charlottenburger, und einen knorrigen Wanderstock, den Stenz, in der Hand. Wandergesellen in Kluft und „auf der Walz“ sieht man ab und an am Straßenrand ihres Weges ziehen. Nach der Lehre wollen sie ihren Horizont erweitern. Das will auch Junggeselle David Käuffer. Bei dem Fleischer geht es nicht ganz so spartanisch zu: „Es ist eine moderne Walz.“

In seinem erlernten Handwerk will er nun in zwei, drei Jahren für sich Erfahrung sammeln. „Mal sehen, wo es mich noch hin treibt“, sagt der 19-Jährige aus Arnsberg-Hüsten. Nach Daaden hat es ihn schon verschlagen. Bei Metzgermeister Dirk Schmidt arbeitet er für zwei Monate bis Ende Mai.

Regionale Feinheiten im Blick

Weiter geht es in eine Metzgerei am Bodensee. Nach einer auf zwei Jahre verkürzten Ausbildung besuchte Käuffer ab März 2020 die Meisterschule und bekam im September den Meisterbrief. Trotzdem machte er sich auf, und weiß warum: „Mit 19 Jahren fehlen mir Erfahrungen.“

„Die Grundarten beim Wursten oder Auslösen von Fleisch, die lernst du in der Ausbildung.“ Anders sei es mit regionalen Feinheiten, etwa Gewürzen, die in Wurst kommen, so Käuffer, der später die elterliche Fleischerei übernehmen möchte. Zwischen Lehre und Meisterschule reifte sein Gedanke, für eine gewisse Zeit bei Betrieben zu arbeiten, um Abläufe und regionale Unterschiede kennenzulernen.

Das gehe nur mit einem deutlichen Abstand zum eigenem Umfeld, ist er sich sicher. Zwei Stellen in Bayern hat er hinter sich. Er selbst spricht von einer Erfahrungsreise. Der Begriff „auf der Walz“ sei von anderer Seite gekommen. Es sei einfach erklärt: „Es ist eine moderne Walz“, sagt Käuffer. „Der Wohnwagen mit Vorzelt ist ja eher Luxus.“ An Wochenende fährt er bislang immer nach Hause – Wandergesellen haben einen Bannkreis um ihren Heimatort.

Weg nach Daaden war vorgezeichnet

Eines verbindet allemal: Die Absicht, die Kenntnisse und das Wissen im eigenen Handwerk zu mehren. Im November legte er in Nürnberg los. Danach hielt er Augen und Ohren in einer Klostermetzgerei auf. „Ich suche Betriebe aus, wo ich denke, dass ich am meisten sehen und lernen kann.“ Der Weg nach Daaden war mit Ankündigung, zumindest für Schmidt. Grillmeister Christian Wirth aus Arnsberg, der Käuffer das Handwerk lehrte, kooperiert bei Grillkursen mit Schmidt.

„Wenn David fertig ist, dann schick ich ihn zu dir“ – das habe Wirth einst geäußert, so Schmidt, der im Januar hörte: „Ich bin David Käuffer, der Ex-Lehrling von Christian Wirth.“ Er suche eine Stelle für zwei Monate. Für Schmidt ist es Neuland, das er gerne betreten hat: „Wir können beide nur voneinander profitieren.“

"Mit Geld nicht zu bezahlen"

Schmidt war nach seiner Lehre selbst in zwei anderen Betrieben tätig. „Das sind Erfahrungen, die finden sie in keinem Lehrbuch.“ Erfahrungsreise passt da doch ganz gut, zumal Käuffer Urlaub mit Arbeit verbinden will. „Wenn man pfiffig ist, kann man in zwei bis drei Monaten lernen, was man lernen möchte“, meint der 19-Jährige, der „Kleinigkeiten“ dabei mitnehmen möchte. So wird er schließlich ein Dutzend Betriebe gesehen haben. Schmidt: „Das ist mit Geld nicht zu bezahlen“.

Käuffer sei ein offener Mensch und frage viel, lobt Schmidt: „Der David ist spitze.“ Beim Auslösen fehle ihm noch die Routine, aber die komme von selbst. Mit einem Gesellen mehr nutzt Schmidt die Chance, um einen seiner Gesellen für eine Woche in einen anderen Betrieb zu schicken.

Wohnwagen im Hinterhof

Im Ortskern von Daaden, nahe der Metzgerei, hat Käuffer sich mit seinem mehr als 20 Jahre alten Wohnwagen auf einem Hinterhof häuslich eingerichtet. Wasser und Strom holt er sich aus einem Haus. Morgens um 4 Uhr ist Arbeitsbeginn. Käuffer führt zwar kein Wanderbuch, notiert aber alles für sich in seinem „Rezeptbuch“. Sicher auch die Wurstsorten, die er vor Daaden noch nicht kannte, z. B. Tomatenleberwurst.
K
äuffer will beobachten und sich austauschen. Wie ist das Arbeitsklima? Wie ist der Umgang zwischen Chef und Mitarbeitern? Mischt sich der Chef ein oder lässt es eher laufen? Warum macht ein Betrieb etwas genau so? Käuffer will lernen – und: „Vielleicht kann ich ja meine Erfahrungen einbringen.“
Und wie sieht der Jungmeister sich in seiner freigewählten Rolle? „Als lernender Junggeselle, der sich für keine Arbeit zu schade ist“, antwortete er spontan. Von seinen Erfahrungen möchte er profitieren, wenn er im elterlichen Betrieb ist.
Aber das dauert noch – und bis dahin liegt sicher eine interessante und erlebnisreiche Zeit vor ihm.

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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