Für den Rektor schließt sich ein Kreis

Hans Dieter Knetsch begann Schuljahre in Biersdorf und lässt sie 60 Jahre später dort enden

goeb Biersdorf. 40 Dienstjahre, davon allein 25 Jahre als Leiter der Grundschule Biersdorf – Rektor Hans Dieter Knetsch geht nun in Pension. Die Schule mit den Kindern, Lehrern und die politische Verwaltung in Form von Bürgermeister Wolfgang Schneider bedankte sich jetzt mit einer Feier bei dem beliebten Pädagogen. Auch Regierungsschuldirektor Friedhelm Zöllner würdigte die Verdienste des Lehrers.

Personalrat Kurt Geilhausen rühmte den »Knetsch-eigenen Stil«, der viel mit Zivilcourage zu tun habe. Nicht umsonst sei der ein großer Bewunderer des Kabarettisten Dieter Hildebrandt. Günther Schramm habe bei Hildebrandts Verabschiedung im Fernsehen gesagt: »Ein Alter geht und hinterlässt eine Lücke.« Auch an dieser Schule gehe einer mit Ecken und Kanten. Und: »Er hinterlässt eine Lücke.«

Fürsorge für die Kinder und Kollegen, ein Händchen für Menschenführung, dies zeichne den Rektor aus, so der Personalrat. Knetsch habe besonders viel für die interne Kommunikation getan. Dass Knetsch mit 64 in Ruhestand gehe, also in einer Zeit, da viele Kollegen dem Druck nicht mehr gewachsen seien, führte der Redner augenzwinkernd auch »auf die gute Hege und Pflege« an der Schule zurück.

»Das nenne ich Kontinuität«

Regierungsschuldirektor Friedhelm Zöllner gratulierte in seiner Rede zur pädagogischen Lebensleistung. Knetsch habe sich immer vor seine Leute gestellt, sie abgeschirmt, beschützt und argumentativ für sie gefochten, befand er. Zöllner streifte die Lebensstationen des »Pensionistenanwärters«. In Kirchen geboren und in Daaden eingeschult, besuchte er bereits die Grundschule in Biersdorf. »Sein schulisches Wirken ist seit 40 Jahren in Daaden und Biersdorf. Das nenne ich Kontinuität.« Knetsch war Fachberater für Leibeserziehung und ab 1971 Konrektor in Biersdorf, seit 1979 lag die Leitung der Schule in seinen Händen.

Den Feriendienst übernommen

Pflichtbewusstsein habe bei Hans Dieter Knetsch schon immer im Vordergrund gestanden, betonte Friedhelm Zöllner weiter. So wundere ihn nicht, dass Kretsch den Feriendienst bis zum 31. Juli übernommen habe.

Der Scheidende selbst sagte, dass sich die Schule an sich während der von ihm überschaubaren Zeit nicht sehr geändert habe. Viele Dinge seien vor Jahr und Tag moderner gewesen, als sie es heute sind. Knetsch brach eine Lanze für das Üben. Die Gesellschaft negiere dieses Prinzip aber heute. »Wem das Lesen schwerfällt, der wird nicht lesen, der wird fernsehen.«

»Wenn Kinder sich ausklinken«

Freiheiten beim Schreiben der Wörter führten nicht zwingend zu Fortschritten beim Lesen, meinte Knetsch. Ein dringendes Problem sei die Unruhe in der Schule. Dies werde durch alle möglichen Veranstaltungen, die Schüler heute wahrnähmen, nicht kleiner. Kinder müssten wieder lernen, sich zu konzentrieren. »Unter dieser Unruhe, die man wohl selten schöpferisch nennen kann, leiden Kinder und auch Lehrer. Wenn das Ganze dann auch noch mit einer zunehmenden Stofffülle garniert wird, sollte man sich nicht wundern, wenn Kinder sich ausklinken.«

Pädagogik der Langsamkeit

Schließlich zitierte der Rektor den Pädagogen Ulrich Erhard (Landau), der forderte, dass man die Pädagogik der Langsamkeit wiederentdecken müsse. »Das wird uns nicht durch ein Mehr, sondern durch ein Weniger gelingen.«

Dank an das Kollegium

Knetsch bedankte sich beim Schulträger für die vielen Jahre, in denen man die Arbeit an der Schule unterstützt habe. Auch die Eltern hätten in verschiedenen Vertretungen mitgewirkt, lobte er. »Ein besonderer Dank gilt meinem Kollegium, das in all den Jahren immer zu einer guten Zusammenarbeit bereit war und das die Akzente gesetzt hat, die ich dann umzusetzen hatte«, so Hans Dieter Knetsch an die anwesenden Lehrer. Auch die Leistung des Hausmeisters und der Sekretärin wurden von Knetsch gewürdigt.

Den Kindern – Knetsch war zuletzt Klassenlehrer der 1. Klasse – erzählte er aus seinen Kindertagen, die entbehrungsreich, aber auch erfüllend gewesen waren. »Ich habe im ersten Schuljahr begonnen und höre mit einer solchen Klassenstufe wieder auf«, erzählte er. »Ich wurde in Biersdorf eingeschult und beende meinen Dienst hier in Biersdorf. Dazwischen liegen knapp 60 Jahre.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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