Geht Freibad Daaden bald selbst baden?

Ausschreibung zur Sanierung bereits gestoppt/Arbeiten sollten 37 Prozent teurer werden

maha Daaden. Von langer Hand hatten die Daadener seinerzeit die Sanierung ihres Freibades geplant: In unzähligen Sitzungen des Ortsgemeinderates hatte dieser die Bedingungen für eine komplexe Renovierung der äußerst mitgenommenen Freizeiteinrichtung diskutiert und das Projekt »Freibad« in trockene Tücher gebracht. Viele Konzepte galt es zu prüfen, Genehmigungen und finanzielle Zuschüsse zu sichern. Am Ende wollten sich die Daadener den Umbau rund 870000 Euro kosten lassen. Damit es auch bei der Finanzierung keine Probleme gibt, wurde ein Förderverein gegründet.

Mehrkosten: 330000 Euro

Doch trotz aller vollbrachten Anstrengungen sieht es jetzt so aus, als sei das Thema »Freibad–Sanierung« in Daaden zunächst einmal ins Wasser gefallen. Denn nachdem die Kommunalaufsicht bei den geplanten Kosten von rund 870000 Euro nur »zähneknirschend« eine Genehmigung erteilte, gehen die Chancen auf finanzielle Zuwendungen bei einer neuen Kalkulation gegen Null. Die bereits begonnene Ausschreibung wurde gestoppt. Entstanden war das Problem, nachdem bekannt geworden war, dass interessierte Unternehmen die niedrigsten Kosten für die Sanierung auf rund 1,2 Mill. Euro bezifferten. Dies entspricht gegenüber der ersten Berechnung eine Kostensteigerung um rund 37 Prozent (siehe SZ von gestern).

Ortsbürgermeister Günter Knautz sieht für die bisherige Fehlkalkulation zwei Gründe: Zum einen in den bei der Ausschreibung berücksichtigten Kosten für die Rutschbahn (ca. 78000 Euro), deren Einbau (24000 Euro) sowie die Vorbereitungen zur Installation und dem gesondert zu gestaltenden Auslaufbereich im Becken (rund 30000 Euro). Und zum anderen in der nicht berücksichtigten Mehrwertsteuer der Angebote.

Das beauftragte Architekturbüro Gruner aus Karlsbad hatte dem Rat in seinen Entwurfsvarianten lediglich die entstehenden Nettokosten mitgeteilt. Aufgrund der Vorgabe des Ministeriums darf der eingereichte Förderantrag nur bis zu einer Höchstgrenze von brutto 1,7 Mill. DM gestellt werden. Bei einer Überschreitung des Betrags läuft die Ortsgemeinde jetzt Gefahr, vollends aus der Fördermaßnahme zu fallen.

Dieser Betrag wird nach der neuen Rechnung – wie bereits gesagt – um rund 37 Prozent überschritten. Laut Aussage des Architekten ist es zu dem Missverständnis nur deshalb gekommen, weil er die Mehrwertsteuer bei anderen Kommunen bislang immer habe weglassen können, da diese ihre kommunalen Einrichtungen als Gewerbebetriebe führen und die Mehrwertsteuer dort nur ein Durchlaufposten sei.

Erhalt steht an oberster Stelle

Auch wenn sich die Lage um das Freibad immer weiter zuspitzt, von einer Schließung des Badebetriebes wollte am Donnerstag niemand etwas hören. Fraktionsübergreifend waren sich die Ratsmitglieder einig, dass der Erhalt oberste Priorität besitzt. »Wäre es nicht möglich, den Betrieb in der kommenden Saison notdürftig aufrecht zu halten?« fragte SPD–Fraktionssprecher Walter Strunk die Anwesenden.

»Ohne Zuschüsse nicht finanzierbar«

»Ohne Zuschüsse ist das Bad aufgrund der derzeitigen Haushaltslage nicht finanzierbar«, erläuterte Günter Knautz. »Die Technik ist sehr marode, und an warmen Sommertagen beträgt der Wasserverlust bis zu 200 Kubikmeter am Tag. Wir haben in den vergangenen beiden Jahren bereits versucht, den Betrieb mit Hängen und Würgen aufrecht zu halten.«

Wollen die Daadener noch ein Freibad?

Für die Vorsitzende des Freibad–Fördervereins, Susanne Heun (FDP), stellt sich derzeit die Frage, ob die Daadener ihr Freibad überhaupt noch wollen. »Außer Lippenbekenntnissen kommt nicht viel unterstützende Resonanz aus der Bevölkerung. Wenn es darum geht, einmal selbst mit anzupacken, sind immer dieselben zur Stelle und helfen.«

Am Ende der Diskussionen sprachen sich alle Beteiligten für den Erhalt der Einrichtung aus. Jetzt soll in den einzelnen Fachausschüssen zunächst genau geprüft werden, wie eine Sanierung erreicht werden kann, bevor der Kommunalaufsicht neue Pläne vorgestellt werden. Dabei gilt es auch zu prüfen, ob das Freibad – wie in anderen Kommunen – zukünftig als Gewerbebetrieb eingestuft werden kann.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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