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Metzgerei für Nachwuchsakquise ausgezeichnet
Handeln statt jammern

Ganz offensichtlich macht Metzgermeister Dirk Schmidt nicht alles falsch, wenn es ums Thema Nachwuchs geht. Das Bild zeigt ihn mit seinen Azubis Veit-Maria Benfer, Sabrina Trapp und Linda Pfeifer.  Foto: damo
  • Ganz offensichtlich macht Metzgermeister Dirk Schmidt nicht alles falsch, wenn es ums Thema Nachwuchs geht. Das Bild zeigt ihn mit seinen Azubis Veit-Maria Benfer, Sabrina Trapp und Linda Pfeifer. Foto: damo
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damo Daaden. Mehr als eine halbe Million Menschen leben aktuell in Dresden, und es ist nicht bekannt, dass sich der Großteil davon vegetarisch ernähren würde. Aber gerade einmal sechs junge Menschen erlernen derzeit in der gesamten sächsischen Landeshauptstadt das Fleischerhandwerk – was schon für sich genommen ziemlich erstaunlich ist. Noch absurder wirkt diese Zahl aber, wenn man sich vor Augen führt, dass in der Metzgerei Schmidt in Daaden seit dem Sommer drei Lehrlinge beschäftigt sind.

Es ist bekannt, dass das Handwerk generell Probleme hat, Nachwuchskräfte zu gewinnen. Und dass es die Metzger besonders schwer haben, ist auch keine Neuigkeit.

damo Daaden. Mehr als eine halbe Million Menschen leben aktuell in Dresden, und es ist nicht bekannt, dass sich der Großteil davon vegetarisch ernähren würde. Aber gerade einmal sechs junge Menschen erlernen derzeit in der gesamten sächsischen Landeshauptstadt das Fleischerhandwerk – was schon für sich genommen ziemlich erstaunlich ist. Noch absurder wirkt diese Zahl aber, wenn man sich vor Augen führt, dass in der Metzgerei Schmidt in Daaden seit dem Sommer drei Lehrlinge beschäftigt sind.

Es ist bekannt, dass das Handwerk generell Probleme hat, Nachwuchskräfte zu gewinnen. Und dass es die Metzger besonders schwer haben, ist auch keine Neuigkeit. Davon könnte auch Dirk Schmidt ein Lied singen: Auch in seinem Betrieb war es kein Selbstläufer, neue Auszubildende zu gewinnen, und häufiger, als Schmidt sich das gewünscht hätte, waren die Stellen vakant geblieben. Aber statt zu jammern und darauf zu hoffen, dass irgendwann eine Generation nachrückt, die Werkstätten spannender findet als Hörsäle, hat Schmidt selbst gehandelt.

Es ist ein Mix aus vielen einzelnen Bausteinen, der dafür sorgt, dass junge Menschen sich offenbar plötzlich vorstellen können, bei einem Metzger in die Lehre zu gehen – davon ist Schmidt überzeugt. Da dürfte zum einen sein gesamtes Konzept eine Rolle spielen: Er bietet eben mehr als Fleischwurst und Schnitzel, zum Beispiel Grillseminare, ein Catering oder Ausgefallenes wie Dry Aged Beef.

Und er vermittelt jungen Menschen, dass sie gebraucht und geschätzt werden: Schmidt bietet regelmäßig Schul-Workshops an, war beim Azubi-Speed-Dating dabei. Wer bei ihm eine Lehre macht, hat gute Chancen, auch mal zu Workshops und Lehrgängen fahren zu dürfen – manchmal sogar ins Ausland.

Und mit einem Alleinstellungsmerkmal sorgt Schmidt dafür, dass seine Azubis überhaupt den Weg nach Daaden finden: Im September 2018 hat der Metzgermeister ein „Azubi-Car“ angeschafft: ein kleines, aber gut ausgestattetes Auto, das maximal 50 km/h fährt und damit auch von jungen Leuten diesseits des 18. Geburtstags gesteuert werden darf.

Während das „Azubi-Car“ in seinem ersten Jahr überwiegend Werbezwecken diente – es gab schlichtweg keinen Lehrling, der es benötigt hätte –, ist es seit diesem Spätsommer in festen Händen: Die Schlüssel hat Veit-Maria Benfer, angehender Fleischer aus Herkersdorf. Und wer jemals versucht hat, morgens in aller Frühe mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Daaden zu fahren, wird verstehen, warum das „Azubi-Car“ für Benfer eine optimale Lösung darstellt.

Und dieses Beispiel könnte Schule machen: Im Rahmen des Deutschen Fleischer-Verbandstags in München ist Dirk Schmidt von der Gilde-Stiftung des Fleicherhandwerks ausgezeichnet worden, und zwar für das „Azubi-Car“. Das sei „eine der besten Initiativen für die Nachwuchsgewinnung“. Und dass dieses Thema bei der Gilde großen Stellenwert genießt, liegt auf der Hand – selbst wenn man die traurige Zahl aus Sachsen nicht kennt.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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