Betretungsverbot am Weiher
Immer wieder Ärger in Weitefeld

An sonnigen Tagen brechen am Weitefelder Weiher alle Dämme. Sogar Wohnmobile aus Niedersachsen hat der Ortsbürgermeister dort schon gesehen.
  • An sonnigen Tagen brechen am Weitefelder Weiher alle Dämme. Sogar Wohnmobile aus Niedersachsen hat der Ortsbürgermeister dort schon gesehen.
  • Foto: Daniel Montanus
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Weitefeld. Der Zoff um den Weitefelder Weiher geht in die nächste Runde – und jetzt drohen der Ortsbürgermeister und der Biotopbetreuer mit verstärkten Kontrollen. Denn sowohl Karl-Heinz Keßler als auch Peter Weisenfeld sind es leid, dass sich immer mehr Menschen über das Bade- und Campingverbot am Weitefelder Weiher hinwegsetzen.

Dabei handelt es sich beileibe nicht nur um Badende aus den Nachbargemeinden: „Die Leute kommen aus dem weiten Umkreis. Da waren auch schon zwei Wohnmobile aus Braunschweig“, berichtet Keßler. Und er weiß auch, woher die Niedersachsen den Weitefelder Weiher kennen: Er ist auf dem Internetportal „nacktbaden.de“ gelistet. Dort heißt es: „Nach längerer Suche habe ich im Hohen Westerwald eine gute Möglichkeit zum Nacktbaden gefunden“, anschließend wird die Wegbeschreibung geliefert. Mittlerweile ist der Artikel zwar mit „Kein Nacktbaden“ mehr getagt – aber das heißt noch lange nicht, dass damit die Probleme vor Ort gelöst wären.

Betretungsverbot stört niemanden

Zelter, die ihren Abfall hinterlassen, teils 50 Badende gleichzeitig, etliche Wohnmobile an der schmalen Zuwegung: Dafür, dass dort ein Betretungsverbot herrscht, ist nach Keßlers Angaben erstaunlich viel los. Einmal ist er sogar in ein Erotik-Foto-Shooting geplatzt: „Als ich was gesagt habe, wurden die sogar rabiat“, erzählt der Ortsbürgermeister. Und Keßler, der nun wirklich nicht auf den Mund gefallen ist, berichtet von einem Anruf, wo ihm nichts mehr eingefallen ist: „Die wollten dort einen Polterabend mit Biertischen und Zelten ausrichten. Da war ich sprachlos.“

Schon etliche Male hat er Polizei und Ordnungsamt an den Weiher gerufen – aber in Zeiten der Pandemie hat der Besucheransturm eher zu- als abgenommen. Grund genug für Keßler, noch einmal gemeinsam mit Peter Weisenfeld an die Vernunft der Menschen zu appellieren. Denn: Dass der Weiher nicht betreten werden darf, ist dem Naturschutz geschuldet. „Dort leben mehr als 20 Rote-Liste-Arten“, berichtet Weisenfeld.

Lebensraum geschützter Arten

2004 sei auf dem Gebiet der ehemaligen Klebsandgrube erstmals kartiert worden – und dabei seien seltene Arten wie Gelbbauchunken, Kammmolche oder Neuntöter entdeckt worden. Und weil deren Schutz Priorität genieße, habe das Land das gesamte Areal der Klebsandgruben von der Ortsgemeinde gepachtet. Das Gelände steht unter dem Schutz der FFH-Richtlinie, und regelmäßig finden dort Biotoppflege-Maßnahmen statt. All das werde durch Scharen von Badegästen torpediert, mahnt Weisenfeld: „Dadurch werden die Biotope mitsamt den Lebewesen ernsthaft bedroht.“ Denn viele der illegalen Nutzer des Weihers gehen laut Keßler rücksichtslos mit der Natur um: „Unser Bauhof muss im Sommer regelmäßig den Müll aus dem Wasser fischen.“ Und auch auf den umliegenden Wiesen müsse immer wieder Abfall aufgesammelt werden.

Mehr Kontrollen nötig?

Natürlich haben die Verantwortlichen längst entsprechende Schilder aufgestellt – und zwar bewusst nicht nur schlichte Verbotsschilder, sondern Tafeln, die über den besonderen ökologischen Wert des Geländes informieren. Gefruchtet hat das bislang herzlich wenig.
Auch ein Versuch, die Wiese unattraktiv zu machen, ist gescheitert: Als dort eine Schafherde zum Weiden hingebracht wurde, seien die Badenden einfach über den Zaun geklettert, berichtet Keßler.

Daher wenden sich die beiden jetzt noch einmal an die Öffentlichkeit, um ein bisschen Rücksichtnahme einzufordern. Und um zugleich deutlich zu machen, dass sie nicht tatenlos zuschauen werden, wenn das Betretungsverbot weiter ignoriert wird: „Wir spielen mit dem Gedanken, die Kontrollen auszuweiten.“
Zumal es ja eine gute Alternative gibt: Der Elkenrother Weiher liegt keinen Kilometer entfernt – und dort ist das Baden erlaubt.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen