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Wegstrecke auf Stegskopf freigegeben
Ins Herz des Naturerbes

Ausblick auf das „Derscher Geschwämm“. Der Stegskopf ist Naherholungsgebiet und bietet den Besuchern zugleich einmalige Naturerlebnisse.
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  • Ausblick auf das „Derscher Geschwämm“. Der Stegskopf ist Naherholungsgebiet und bietet den Besuchern zugleich einmalige Naturerlebnisse.
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nb Emmerzhausen/Hof. Und dann war es eine Sache von wenigen Minuten: Akkuschrauber ansetzen und weg mit dem „Betreten verboten“-Schild. Neun Kilometer Wege auf dem Stegskopf – und zwar mitten im Herzen der Fläche – sind seit Montagmittag offiziell freigegeben. Wander-, Jogging- und Naturfreunde aus der Region können sich also aufmachen, das Naturkleinod zu entdecken, bei dem es bis dato hieß: „Ihr kommt hier nicht rein.“

Als auf dem Stegskopf die allererste militärische Einrichtung gebaut wurde, regierte noch ein Kaiser. Gut 100 Jahre Nutzung sollten folgen – mit allen Konsequenzen für die Anlieger aus dem Kreis Altenkirchen und dem Westerwaldkreis.

nb Emmerzhausen/Hof. Und dann war es eine Sache von wenigen Minuten: Akkuschrauber ansetzen und weg mit dem „Betreten verboten“-Schild. Neun Kilometer Wege auf dem Stegskopf – und zwar mitten im Herzen der Fläche – sind seit Montagmittag offiziell freigegeben. Wander-, Jogging- und Naturfreunde aus der Region können sich also aufmachen, das Naturkleinod zu entdecken, bei dem es bis dato hieß: „Ihr kommt hier nicht rein.“

Als auf dem Stegskopf die allererste militärische Einrichtung gebaut wurde, regierte noch ein Kaiser. Gut 100 Jahre Nutzung sollten folgen – mit allen Konsequenzen für die Anlieger aus dem Kreis Altenkirchen und dem Westerwaldkreis. Seit 2016 ist die DBU Naturerbe GmbH, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Eigentümerin der fast 1900 Hektar großen Fläche Stegskopf. Und noch einmal sollte es fünf Jahre bis zur Freigabe dauern.

Entsprechend gebührend wurde am Montag gefeiert und entsprechend hatte viel Politprominenz das wetterfeste Schuhwerk geschnürt.

Langer Prozess bis zur Freigabe

Bevor er mit dem Akkuschrauber zu Werke ging, begrüßte Alexander Bode, DBU-Generalsekretär und Geschäftsführer der DBU Naturerbe GmbH, die Gäste. Er blickte zurück auf den „langen Prozess“, der nun zu dem langersehnten Schritt geführt hatte. Zu dem langen Prozess hatten zuletzt entscheidend die Sondierungs- und Kampfmittelräumungsarbeiten gehört (die Siegener Zeitung berichtete), schließlich schlummerten im Boden des ehemaligen Truppenübungsplatzes nahe des Siegerlandflughafens jede Menge militärische Altlasten. Anfang Juli waren die Sondierungen dann abgeschlossen.

Andererseits bedeutete das jahrzehntelange Zugangsverbot eben auch, dass Tiere und Pflanzen größtenteils ungestörten Lebensraum hatten, so Bonde. Das Naturerbe ist Heimat für Arnika und Trollblume, für Wildkatze, Bekassine und Rauhfußkautz.

Sicherheit für Besucher

Bonde hielt deshalb den naturverträglichen Zugang hoch – ebenso wie die Sicherheit für die Besucher: „Die Bevölkerung kann jetzt den Stegskopf aus der Fläche heraus genießen.“

"Die Bevölkerung kann jetzt den Stegskopf
aus der Fläche heraus genießen."

Alexander Bonde
DBU Naturerbe

Auch Umweltstaatssekretär Dr. Erwin Manz betonte, dass sich zwei Seiten einer Medaille zeigen. Die Übungen der Bundeswehr seien Belastung gewesen für Mensch und Natur, andererseits sei so ein „einzigartiges Kleinod“ entstanden.

Stegskopf eine der wertvollsten Naturlandschaften

Hendrik Hering, Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags, der nach eigenem Bekunden den Stegskopf bereits als mögliche Marathon-Trainingsstrecke ins Auge gefasst hat, nannte den Stegskopf eine der wertvollsten Naturlandschaften und die Freigabe für die Region einen besonderen Tag.

„Freiheit auf den Wegen heißt Teilhabe am Stegskopf“, so die Bundestagsabgeordnete Sandra Weeser. Zuvor hätten die Menschen keinen Einblick gehabt.

Politiker von Ortsgemeinde- bis Bundestagsebene hatten am Montag die Wanderschuhe geschürt und erkundeten das Areal.
  • Politiker von Ortsgemeinde- bis Bundestagsebene hatten am Montag die Wanderschuhe geschürt und erkundeten das Areal.
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Dass der Stegskopf aber mehr ist, als die nun freigegebenen Wege, das klang auch immer wieder an. Schließlich ist es seit Jahren heiß diskutiertes Thema, was beispielsweise mit dem Bereich des ehemaligen Lagers passieren soll. Landrat Dr. Peter Enders etwa verwies auf die mögliche Mediation, für die jetzt abgeklopft werden soll, ob alle Interessengruppen an einen Tisch zu bringen sind. Und MdB Erwin Rüddel brachte nicht nur das heiße Eisen Windkraft aufs Tapet, sondern betonte: „Hier ist viel, viel Platz für alle Interessen.“

Stegskopf als Naturschutzgebiet ausweisen

Ganz anders klang das bei Harry Neumann, Vorsitzender der Naturschutzinitiative (NI). Der Stegskopf, so eine seiner Forderungen, solle als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Mit der NI werde es „keine Windindustrieanlagen geben“.

Wolfgang Schneider hingegen, Bürgermeister der Anrainer-Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf und Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Stegskopf, votierte für einen Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung, zu der die Schaffung von Arbeitsplätzen gehöre. Zuletzt zitierte er Luthers Wort vom Frieden, der mehr gilt als das Recht.

Ausblick auf Moorlandschaft

Da nun aber erst einmal die Wegefreigabe im Mittelpunkt stehen sollte, ging es gemeinsam auf einen der Pfade. Die Gäste konnten – bei typischem Stegskopf-Wetter – die Natur und die Ausblicke, beispielsweise auf die Moorlandschaft des „Derscher Geschwämms“, genießen.

Zu den sogenannten Platzrandstraßen sind jetzt eine Nord-Süd-Trasse und Westverbindung hinzugekommen. Markiert sind sie mit blauen und roten Holzpfeilern. Die blaue Trasse ergibt dabei mit Teilen der Platzrandstraße einen Rundweg. Insgesamt stehen der Bevölkerung damit ca. 35 Kilometer zur Verfügung. Aber „Betreten verboten“-Schilder, die gibt es immer noch – schließlich herrscht abseits der offiziellen Routen Betretungsverbot.

Ausblick auf das „Derscher Geschwämm“. Der Stegskopf ist Naherholungsgebiet und bietet den Besuchern zugleich einmalige Naturerlebnisse.
Politiker von Ortsgemeinde- bis Bundestagsebene hatten am Montag die Wanderschuhe geschürt und erkundeten das Areal.
Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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