»Job-Fux« statt Jugendpfleger

VG-Rat Daaden beschließt neues Konzept in der Jugendarbeit gegen die Stimmen der SPD

damo Daaden. Mit diesem Vorschlag hat Hans-Artur Bauckhage vor nicht allzu langer Zeit, nämlich bei den Haushaltsberatungen, noch auf Granit gebissen – jetzt ist es amtlich: Die offene Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde Daaden wird zum 30. Juni beendet. Dass Bauckhages Vorschlag abgelehnt, der des Haupt- und Finanzausschusses gestern aber angenommen wurde, hat wohl folgenden Grund: Statt eines Jugendpflegers soll ein »Job-Fux« für die Regionale Schule eingestellt werden.

»Wir wollen den Schwerpunkt der Jugendarbeit neu ordnen«, erklärte Bürgermeister Wolfgang Schneider gestern in der Sitzung des VG-Rats: »Zukünftiger Aufgabenschwerpunkt soll sein, Jugendlichen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Die Schüler sollen dabei vor Ort, nämlich an der Schule, betreut werden.« Ziel solle sein, die Jugendlichen für das Berufsleben fit zu machen, ihnen bei Bewerbungen zu helfen, bei der Lehrstellensuche zur Seite zu stehen und Praktika zu vermitteln.

All das soll ein »Job-Fux« leisten. Dieses Projekt hat die Landesregierung als Antwort auf die steigende Jugendarbeitslosigkeit ins Rollen gebracht – und was für die Daadener dabei von besonderem Interesse sein dürfte: 70 Prozent der Gesamtkosten werden vom Land und aus dem Europäischen Sozialfonds gedeckt. Da zudem geplant ist, sich den »Job-Fux« mit der Regionalen Schule Herdorf zu teilen, bleiben relativ geringe Kosten an der Verbandsgemeinde Daaden hängen – angesichts der Haushaltslage wird das im Rathaus sicher mit Genugtuung zur Kenntnis genommen worden sein.

Jetzt ist geplant, die notwendigen Förderanträge auf den Weg zu bringen und die Stelle auszuschreiben – allerdings handelt es sich um eine befristete Stelle. Auch die Landeszuschüsse fließen nur ein Jahr lang. Diesem Ansinnen – mit gleichzeitigem Schlussstrich unter die Jugendpflege – stimmte der Rat mit großer Mehrheit zu.

Warum die SPD dagegen gestimmt hat, erklärte Rainer Gerhardus. Dem Sozialdemokraten, der immer als Befürworter der Jugendpflege aufgetreten ist, war sein Unmut über den Einschnitt deutlich anzumerken. »Das ist eindeutig ein falsches Signal«, kritisierte Gerhardus, »hier wird vor dem Hintergrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit an der falschen Stelle gespart.« Man dürfe die Arbeit des Jugendpflegers nicht auf die Aufsichtstätigkeit in den zuletzt weniger stark frequentierten Jugendtreffs reduzieren – der Jugendpfleger leiste wertvolle sozialpädagogische Arbeit. »Was wird aus dem Ferienspaß? Was aus der Initiative für mehr Toleranz?« fragte Gerhardus und stellte klar, dass ein Jugendpfleger zudem wichtige Arbeit in der Sucht- und Kriminalprävention leiste. »Wer für diese Aufgaben kein Geld ausgeben will, soll das auf den Punkt bringen«, schloss Gerhardus.

Dem hielt Günter Knautz (FWG) entgegen, dass viele Jugendliche keinen Zugang zur Jugendpflege gefunden haben. Und ein »Job-Fux« leiste andere Tätigkeiten: Er fungiere beispielsweise als Brückenbauer, um Jugendarbeitslosigkeit zu vermeiden – und das sei sehr wertvoll. Das bedeute in der Folge: »Einen Jugendpfleger können wir dann nicht mehr unterstützen.« Diese Auffassung vertrat auch Beigeordneter Artur Reinschmidt – unter anderem mit Verweis auf das rege und aktive Vereinsleben, das auch Angebote für Jugendliche bereithalte. CDU und FDP äußerten sich nicht.

Was die gestrige Entscheidung für die Jugendtreffs in Biersdorf und Weitefeld bedeutet, wurde noch nicht festgelegt: Das müssen nun die beiden betroffenen Ortsgemeinden entscheiden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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